Kudelski im ersten Semester 2003 mit schwarzen Zahlen
Der Waadtländer Technologie-Konzern Kudelski hat im ersten Halbjahr 2003 einen Reingewinn von rund 4,5 Mio. Fr. erwirtschaftet.
Im zweiten Semester werden weitere Verbesserungen erwartet, und 2004 will Kudelski voll durchstarten.
Das Halbjahresergebnis liegt über den Erwartungen. Im ersten Halbjahr 2002 hatte Kudelski noch einen Reinverlust von 18 Mio. Fr. erwirtschaftet. Kudelski produziert und vermietet so genannte Smart Cards mit Entschlüsselungs-Software. Diese Decoder werden von Pay-TV-Anbietern an ihre Kunden verteilt, um ihnen den Zugang zum Programm zu ermöglichen.
Operativ liegt die High-Tech-Schmiede aber immer noch im Minus: Der Verlust vor Steuern und Zinsen (EBIT) belief sich auf 6,4 Mio. Franken, wie Kudelski am Freitag mitteilte.
Im Vorjahr hatte das operative Minus 14,2 Mio. Fr. betragen. Der Betriebsgewinn EBITDA verbesserte sich auf 3,6 Mio. Franken, nachdem in den ersten sechs Monaten des Vorjahres noch ein Verlust von 4,2 Mio. Franken zu verzeichnen war.
Umsatz-Plus
Der Umsatz stieg dagegen von Januar bis Juni um 6,7 Prozent auf 177 Mio. Franken. Für das zweite Halbjahr erwartet Kudelski weitere Verbesserungen. Der Umsatz im Gesamtjahr soll zwischen 400 Mio. und 430 Mio. Fr. liegen. Im letzten Geschäftsjahr hatte Kudelski 402 Mio. Fr. umgesetzt.
Analysten hatten für das erste Semester durchschnittlich mit einem Umsatz von 169 Mio. Franken und einem operativen Verlust von 11 Mio. gerechnet. Beim Nettoergebnis hatten die Schätzungen ohne Berücksichtigung des Buchgewinns aus dem Teilrückkauf einer Anleihe in US-Dollar zwischen einer schwarzen Null und einem Verlust von 18 Mio. Franken geschwankt.
In der Blütezeit der sogenannten New Economy gehörte Kudelski zu den Börsenlieblingen, musste aber nach dem Platzen der Tech-Blase an den Märkten wie viele andere Unternehmen in diesem Segment einen gewaltigen Einbruch hinnehmen.
Mehr Kunden gewonnen
Der Prozess der Restrukturierung sei im Berichtszeitraum beschleunigt und erste Früchte in Form steigender Produktivität und auf der Kostenseite seien geerntet worden. Es wurden mehr neue Kunden gewonnen als intern angezielt war.
Für das zweite Halbjahr 2003 erwartet Kudelski auch aufgrund der Saisonalität des Geschäfts weitere Verbesserungen. Der Gesamtumsatz des laufenden Jahres sollte 400 bis 430 Mio. Franken erreichen. Auf der Ebene Betriebsgewinn sollte die Gewinnschwelle erreicht werden können, hiess es weiter.
Vermietungen schlagen 2004 durch
Dabei würden die Zahlen die Geschäftslage nicht vollkommen spiegeln, hiess es weiter. Das habe damit zu tun, dass ein grosser Teil der ausgelieferten Smart Cards vermietet (und nicht verkauft) werde. Von 2004 an werde ein starkes Wachstum sowohl beim Umsatz als auch beim EBIT erwartet, da dann auch die Effekte der Vermietungen voll zum Tragen kämen.
Stolzer Preis für Mediaguard
Kudelski übernahm Anfang August vom französischen Elektronikkonzern Thomson für 240 Mio. Euro (rund 370 Mio. Franken) dessen Pay TV-Zugangssysteme-Geschäft Mediaguard. Kudelski rechnet nach früheren Angaben von Finanzchef Mauro Saladini ab dem Jahr 2004 mit einem Gewinnbeitrag aus der Transaktion. 2005 wird dann ein hoher Gewinnbeitrag erwartet. Mediaguard hat rund 200 Mitarbeiter und budgetierte für 2003 einen Umsatz von 64 Millionen Euro.
Gemäss eigenen Angaben strebt Kudelski mit der Übernahme von Mediaguard die Weltmarktführerschaft im Geschäft mit Pay-TV-Zugangssystemen an.
Positives Aktienverlauf
Bei der Kudelski-Aktie könnte das Jahreshoch vom 1. September wieder erreicht werden, schätzen Analysten. Seit Mitte Juli hatte die Aktie bis am 1. September um 40% ihres Werts zugelegt. Sie startete am Freitag gut. Der Aktienanalyst der Bank Vontobel, Chris Burger, bewertete das Kudelski-Ergebnis als «über den Erwartungen».
Dass im Geschäftsbericht des Unternehmens nichts über die Entwicklung in Europa zu lesen sei, enttäuscht den Analysten hingegen, ebenso wie der Umstand, dass man keine Neuigkeiten zu neuen Verträgen oder zur MediaGuard-Akquisition erfahre.
swissinfo und Agenturen
Reingewinn 1. Semester ’03: 4,480 Mio.
Reinverlust 1. Semester ’02: 17,895 Mio.
Operativer Verlust: 6,361 Mio.
Operativer Verlust 1. Semester Vorjahr: 14,16 Mio.
Umsatz 1. Semester ’03: 176,882 Mio. (+ 6,7%).
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