Licht und Schatten in der Schweizer Wirtschaft
Der Versicherungs-Konzern Zurich Financial Services (ZFS) scheint seine Krise überwunden zu haben. Er verbuchte im ersten Halbjahr einen Gewinn von 701 Mio. Dollar nach Riesen-Verlusten in der Vorjahres-Periode.
Beim Chemie-Konzern Ciba sank der Gewinn, während die Swisscom einen Gewinnsprung meldete.
Nach zwei Krisenjahren ist der Versicherungs-Konzern Zurich Financial Services im ersten Halbjahr 2003 in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt: Mit einem Gewinn von 701 Mio. Dollar nach einem Verlust von 2,03 Mrd. Dollar im Vorjahres-Zeitraum.
Die Bruttoprämien und die Policen-Gebühren seien um 26% auf 26,1 Mrd. Dollar gestiegen, gab die ZFS am Mittwoch bekannt. Der operative Gewinn sei um 12% auf 3,6 Mrd. Dollar gewachsen.
Radikalkur und Börse zeigen Wirkung
Knapp ein Jahr nach der Einleitung einer Radikalkur beim grössten Schweizer Versicherungs-Konzern zog Zurich-Chef James Schiro eine positive Bilanz. Die Rückbesinnung auf das Kerngeschäft verlaufe nach Plan, die Restrukturierung mache grosse Fortschritte, sagte Schiro an einer Telefon-Konferenz.
Er sei erfreut, dass der Konzern auf gutem Weg sei, die Profitabilität wieder herzustellen. Dabei habe auch die Erholung der Börsen im zweiten Quartal geholfen.
Das Ergebnis im ersten Semester habe von einem besseren Schaden- und Kostenmanagement in den Kerngeschäften sowie von festeren Preisen in den meisten Nichtleben-Märkten profitiert.
Erwartungen der Analysten
Mit den veröffentlichten Zahlen liegt der Konzern am oberen Rande der Erwartungen von Analysten. Von der Nachrichtenagentur AWP befragte Experten hatten mit einem Reingewinn von 386 bis 755 Mio. Dollar gerechnet. Bei den Bruttoprämien wurden 21,5 Mrd. bis 29 Mrd. Dollar vorhergesagt.
Dies obwohl auf Wertschriften 978 Mio. Dollar abgeschrieben worden seien, davon 943 Mio. Dollar allein im ersten Quartal.
Der Anstieg der Börsen seit dem März sei hilfreich gewesen. Der Konzernausweis konnte ausserdem vom schwächeren Dollar profitieren. Das Nachlassen der US-Währung habe das Ergebnis um 80 Mio. Dollar verbessert, sagte Schiro.
Keine Details zum Ausblick
Detaillierte Angaben zum Ausblick auf das gesamte Geschäftsjahr wollte der Konzernchef nicht machen. Auch im zweiten Halbjahr hätten Kostendisziplin und Ausgaben-Kontrolle Priorität.
Die Fokussierung auf das Kerngeschäft kommt offenbar schneller voran als geplant. Allein der Verkauf von Firmen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, brachte der ZFS in den letzten zwölf Monaten schon mehr als 1 Mrd. Dollar ein.
Zur Radikalkur gehört auch ein Personalabbau. Seit letztem Herbst wurden allein in der Schweiz 500 Stellen abgebaut. Konzernweit waren es mehrere Tausend.
Swisscom auf Kurs
Gute Nachrichten verbreitete auch der Schweizer Telekommunikations-Konzern Swisscom. Der Gewinn stieg im ersten Halbjahr gegenüber der Vorjahres-Periode um 22,1% auf 952 Mio. Franken.
Der Netto-Umsatz des früheren Monopol-Betriebs stieg nur leicht um 0,4% auf 7,154 Mrd. Franken. Der rückläufige Umsatz in der Schweiz wurde aufgefangen durch ein markantes Wachstum bei der debitel (Deutschland).
Für das gesamte Jahr rechnet Swisscom mit leicht rückläufigem Umsatz und einem Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) auf Vorjahresniveau.
Personalabbau geht weiter
Wie ZFS baut auch die Swisscom ihr Personal ab. Ende Juni beschäftigte der Konzern noch 19’855 Angestellte, 1324 weniger als ein Jahr zuvor. Und noch ist kein Ende absehbar.
«Die Entlassungen stehen in keinem Zusammenhang mit der Fähigkeit der Swisscom, Gewinne zu verbuchen», erklärte Swisscom-Chef Jens Alder gegenüber swissinfo.
Und um konkurrenzfähig zu bleiben, werde man weitere Stellen abbauen müssen, sagte Alder unter Hinweis auf Vorlagen der Regulierungs-Behörde.
Ciba steckt weiter in Schwierigkeiten
Die Ciba Spezialitäten-Chemie leidet nach wie vor unter der schwierigen Wirtschaftslage und hat im ersten Halbjahr 2003 an Terrain verloren.
Der starke Dollar und die schwache Konjunktur drückten den Umsatz um 8% auf 3,379 Mrd. Franken, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Der Gewinn schrumpfte um 14%.
«Die Margen sowie Gewinn und Cash-Flow sind nicht dort, wo wir sie sehen möchten», sagte Ciba-Chef Armin Meier. Vor allem das zweite Quartal sei eine äusserst schwierige Phase gewesen.
Dollarkurs: Des einen Freud, des andern Leid
Neben der lahmenden Konjunktur machte Ciba die Entwicklung der Wechselkurse zu schaffen. Der Franken und der Euro nahmen in der ersten Jahreshälfte gegenüber dem Dollar und den anderen wichtigen Handelswährungen zu.
Dies führte dazu, dass sich das in Lokalwährungen erzielte Umsatzplus von 2% in Franken umgerechnet zu einem Minus von 8% verkehrte.
Ciba habe mit einem strikten Kostenmanagement auf das schwierige Umfeld und die schwindenden Erträge reagiert, hiess es in der Mitteilung. Die Kosten für Vertrieb und Verwaltung wurden um 8% gesenkt. Innert Jahresfrist wurden 133 Stellen gestrichen.
Für das ganze Jahr nahm Meier die Anfang Jahr gesteckten Ziele zurück. Statt einer Steigerung werde der Gewinn auf Vorjahreshöhe von gut 400 Mio. Franken liegen, wenn die Wechselkurse und das wirtschaftliche Umfeld stabil blieben.
swissinfo und Agenturen
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