Millionen-Verlust bei Zurich
Die Zurich Financial Services (ZFS) ist 2001 tief in die roten Zahlen gerutscht: Sie weist einen Verlust von 387 Mio. Dollar aus, gegenüber einem Vorjahresgewinn von 2,3 Milliarden.
387 Mio. Dollar oder 651,4 Mio. Franken weist das Finanzkonglomerat als Verlust fürs Geschäftsjahr 2001 aus. Mit dem überraschenderweise schon am Montag bekannt gegebenen Verlust liegt die ZFS im Rahmen ihrer dritten Gewinnwarnung vom letzten Dezember, als von einem Verlust von 200 bis 400 Mio. Dollar ausgegangen worden war. Die Zahlen wurden neu gemäss den Richtlinien der International Accounting Standards (IAS) erhoben.
Nach alter Rechnungsart jedoch würde das Unternehmen einen Gewinn von 348 Mio. Dollar ausweisen. Im letzten Jahr hatte der Gewinn nach alter Rechnungsart noch bei fast 3,4 Mrd. Franken gelegen.
Der bekannt gewordene Verlust laut IAS liegt am oberen Ende der Erwartungen der Finanzgemeinde. Der so genannte «normalisierte Gewinn» fiel mit 348 Mio. Dollar ebenfalls schlechter aus als erwartet. Es waren 700 bis 900 Mio. Dollar in Aussicht gestellt worden.
Im Jahr 2000 hatte der normalisierte Gewinn, der auf der Basis längerfristig erzielbarer Kapitalgewinne berechnet wird, 2,1 Mrd. Dollar betragen.
Furcht vor Damoklesschwert Asbest
Auf beide Ergebnisse hätten höhere Schadenbelastungen und verstärkte Reserven für Sonderrisiken gedrückt, heisst es in der Mitteilung der ZFS. Als Beispiel wurden Asbestrisiken bei Unternehmen genannt. Konkrete Namen von Kundenfirmen nannte ZFS-Sprecherin Stella Zeco gegenüber swissinfo keine. Schweizer Firmen hatten kürzlich wegen Asbest-Risiken markant schlechtere Jahresergebnisse ausgewiesen.
ABB mit eigenen Rückstellungen
Bereits eigene Riesen-Rückstellungen wegen Asbest-Klagen hat die ABB gemacht (siehe Link am Ende des Artikels). Die insgesamt 55’000 Klagen in den USA entwickelten sich in den vergangenen Monaten zum Damoklesschwert, das bedrohlich über der ABB hängt. Entsprechend musste der Konzern seine Rückstellungen auf über 800 Mio. Franken erhöhen und einen Reinverlust von 691 Mio. Dollar vermelden.
Auch die Holcim-Tochter Eternit AG aus Niederurnen geriet Ende Februar in den Strudel von Asbest-Ängsten, als bekannt wurde, wie viele Arbeiter in den letzten Jahren starben. Diese Risiken dürften, zumindest für die Produktion in der Schweiz selbst, von der SUVA abgedeckt sein (siehe Artikel-Links).
Converium an die Börse und Scudder als Tausch
Neben den Asbest-Rückstellungen haben der Zurich auch Verluste aus nicht weitergeführten Geschäfts-Bereichen rote Zahlen beschert. Dabei habe es sich um Converium und Scudder gehandelt, sagte Zeco. Ob es sich um Mindereinnahmen gegenüber erwarteten Einnahmen oder um Verluste handelt und wie hoch diese seien, wollte sie allerdings nicht verraten.
Die Rückversicherungstochter Converium wurde im Dezember letzten Jahres von der ZFS abgespalten (spin off) und an die Börse gebracht. Die Tochtergesellschaft Scudder Investments wurde ebenfalls in dieser Zeit an die Deutsche Bank abgegeben und im Gegenzug dafür die Deutsche Herold übernommen.
11. September kostete 706 Mio. Dollar
Die versicherungstechnischen Verluste nach dem 11. September belaufen sich auf 706 Mio. Dollar nach Steuern. Das Prämienvolumen erhöhte sich um 13% auf 56 Mrd. Dollar.
Auch die schlechte Stimmung der Finanzmärkte hat sich auf die Bereiche Lebensversicherung und Vermögensverwaltung ausgewirkt. Sie habe zu geringeren realisierten Kapitalgewinnen und zu Wertberichtigungen auf Finanzanlagen in der Höhe von 838 Mio. Dollar vor Steuern geführt.
Halbierte Dividende und definitive Zahlen
Die Dividende soll von 17,15 Franken auf 8 Franken pro Namenaktie gekürzt werden.
«Obwohl die Zurich keine Andeutungen gemacht hatte, wurde eine Kürzung der Dividende erwartet», meint Brian Shea von Merril Lynch. «Was der Markt aber wirklich wissen will, sind die Aussichten fürs kommende Jahr. Hierzu liess die Zurich noch nichts verlauten, wir müssen auf den 21. März warten.»
Dann will die Firma definitive Zahlen zum Geschäftsergebnis an der Bilanzmedienkonferenz bekannt geben.
Börse unwirsch wegen Verlust und Hüppi
Die Börse reagierte am Montag unterdessen enttäuscht auf den ZFS-Jahresausweis. Gegen 12.30 Uhr notierte die ZFS-Namenaktie mit 356,5 Franken 5,2% unter dem Schlusskurs vom Freitag.
Die Zurich hatte Ende Februar bekannt gegeben, dass Rolf Hüppi als Konzernchef zurücktreten wolle (siehe Link zum swissinfo-Artikel). Diese Ankündigung wurde von den Analysten insgesamt positiv bewertet, mochte sie aber nicht gänzlich besänftigen.
Unter Hüppi als CEO und Verwaltungsrats-Präsident in Personalunion hatte sich der Versicherungs-Konzern zum weltweit tätigen Finanzkonglomerat gewandelt.
Sein Rücktritt war die Konsequenz nach monatelangen massiven Druck. Ihm wurden Machthunger vorgeworfen und das Festhalten am Doppelmandat vorgeworfen.
swissinfo und Agenturen
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