Montblanc wieder offen
Drei Jahre nach der Brandkatastrophe mit 39 Toten rollt der Autoverkehr wieder durch den Montblanc-Tunnel. Die Schweiz lobt die ergriffenen Sicherheits-Massnahmen.
Hinterbliebene und Tunnel-Beschäftigte gedachten am Samstag anlässlich der Wiedereröffnung der 39 Menschen, die nach dem Unfall am 24. März 1999 im Tunnel verbrannt oder erstickt waren.
Sicherheit verbessert
Um ähnlich folgenschwere Unfälle künftig zu vermeiden, wurde der Tunnel drei Jahre lang mit Millionen-Aufwand saniert. Für Notfälle gibt es drei Feuerwehr-Stationen und 37 hitzebeständige Flucht-Kammern, die mit einem durchgehenden Rettungs-Schacht unter der Verkehrsröhre verbunden sind.
Um die Sicherheit zusätzlich zu erhöhen, wurde das Höchsttempo auf 70 Stundenkilometer begrenzt. Wenn ab Ende März auch Schwerlaster wieder zugelassen werden, sollen diese den Tunnel nur noch im Wechsel jeweils eine Stunde lang in jeder Richtung benutzen dürfen. Gegenverkehr wird damit vermieden.
Lob aus der Schweiz
In der Schweiz werden die verbesserten Sicherheits-Massnahmen begrüsst. Besonders die alternierende Verkehrsführung im Montblanc-Tunnel sei ein wichtiger Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, sagte Hugo Schittenhelm, Sprecher des Bundesamtes für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK).
Mögliche Auswirkungen auf die alpenquerenden Verkehrsströme in der Schweiz seien schwer abzuschätzen, sagte Schittenhelm. «Wir können den Chauffeuren nicht empfehlen, die Schweiz zu umfahren und den Montblanc-Tunnel zu benutzen.» Die Lastwagenströme suchten sich den Weg im internationalen Verkehr selber.
Begrüsst werden Tunnel-Wiedereröffnung und getroffene Sicherheits-Massnahmen auch vom schweizerischen Nutzfahrzeug-Verband (ASTAG). Laut ASTAG-Sprecher Beat Keiser sei es «höchste Zeit» gewesen, dass der Tunnel wiedereröffnet wurde.
Ab Freitag auch für LKW geöffnet
Nach der Wiedereröffnung des Montblanc-Tunnels für Autos soll die wichtige Verbindung zwischen Frankreich und Italien am nächsten Freitag auch für Lastwagen freigegeben werden. Zugleich soll die Zahl der täglich zugelassenen Laster von 2600 auf 1600 verringert werden, sagte der französische Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot. Der Montblanc-Tunnel sei nunmehr die sicherste transalpine Verbindung, fügte er hinzu. Umweltminister Yves Cochet hatte zuvor dafür plädiert, LKW erst in einigen Monaten zuzulassen.
Anders als früher ist den Lastern in Zukunft die Nutzung des Tunnels nur im Wechsel jeweils eine Stunde lang in jeder Richtung gestattet. Damit soll es keinen LKW-Gegenverkehr mehr geben.
Demonstrationen und ein Sprengsatz
Die Wiedereröffnung des Montblancs für Autos wird auch in der Region grossmehrheitlich gutgeheissen. Die Montblanc-Schutzvereinigung ARSMB und andere Umwelt-Verbände sind jedoch dagegen, dass an nächsten Freitag auch Lastwagen den Tunnel wieder befahren können.
Rund 2000 Menschen protestierten am Samstag auf beiden Seiten des Tunnels. Seit der Schliessung der Bergdurchfahrt hätten sich die Schadstoff-Emissionen um 85% verringert, argumentierten die Demonstranten. Im übrigen sei der Verkehrslärm um die Hälfte gesunken.
Auf französischer Seite detonierte in den frühen Morgenstunden in einem an der Tunnelzufahrt geparkten Auto ein Sprengsatz. Ernsthafter Schaden entstand dabei nicht.
Wichtigste Strassen-Verbindung
Der 11,6 Kilometer lange Strassentunnel, der Chamonix in den französischen Alpen mit Courmayeur im italienischen Aosta-Tal verbindet, ist die wichtigste Strassen-Verbindung zwischen Frankreich und Italien. Er ist vor allem für die italienische Exportwirtschaft von grosser Bedeutung. Nach Angaben des römischen Verkehrsministers Pietro Lunardi kostete die dreijährige Schliessung sein Land unter dem Strich 2,58 Mrd. Euro.
Romano Prodi, Präsident der EU-Kommission, erklärte am Samstag, dass mit der Wiedereröffnung ein Flaschenhals beseitigt werde, der den innereuropäischen Handel ernsthaft behindert habe. Gleichzeitig rief Prodi dazu auf, die Umwelt zu schützen und das Zusammenspiel von Schienen- und Strassentransport zu verbessern.
swissinfo und Agenturen
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