Neue Roche-Allianz mit Chugai
Der Roche-Konzern schliesst seine japanische Tochter Roche Nippon mit dem japanischen Unternehmen Chugai zusammen. Damit soll der in Japan fünfgrösste Pharmakonzern entstehen.
Durch die Übernahme der Mehrheit an der neuen Firma, die Roche bis zu 2,6 Mrd. Franken kostet, rücken die Basler von Rang Zwölf unter die zehn grössten Pharmakonzerne der Welt vor.
Am neuen Unternehmen, das den Namen Chugai tragen und an der Börse von Tokio kotiert bleiben wird, werde Roche einen Anteil von 50,1% halten, gab der Basler Konzern am Montag bekannt. In Japan schnellt Roche durch die Transaktion, die im vierten Quartal 2002 abgeschlossen werden soll, vom 32. auf den 5. Rang.
Das neue Unternehmen kommt per 2000 auf einen Pro-Forma-Umsatz von 3,4 Mrd. Franken, der innert dreier Jahren auf 4 Mrd. Franken ansteigen soll, wie Roche-Konzernchef Franz Humer sagte. Der Gesamtumsatz von Roche übertrifft durch den Deal die 30-Milliarden-Grenze.
«Allianz von idealen Partnern»
Humer und der per Video live in die Medienkonferenz in Basel zugeschaltete Chugai-Konzernchef Osamu Nagayama bezeichneten die Fusion als «Allianz von idealen Partnern». Beide Firmen seien forschungsorientiert und setzten auf die Biotechnologie. Die Produktepaletten ergänzten sich gut.
Die Akquisition ist für Roche insofern von Bedeutung, als sie dem Konzern zu mehr Schlagkraft im zweitgrössten Markt der Welt verhilft, der zudem über ein grosses Wachstums-Potenzial verfügt. Mit 51 Mrd. Dollar seien die Pharmaumsätze in Japan etwa gleich gross wie in Deutschland, Frankreich und Grossbritannien zusammen.
Japan ist hinter den USA der mit Abstand zweit wichtigste Arzneimittelmarkt der Welt. Das künftige Potenzial ist bedeutend: Bereits heute gehört bei den über 65-jährigen Japanern der Pro-Kopf-Verbrauch an rezeptpflichtigen Medikamenten zu den höchsten weltweit. Es wird erwartet, dass dieses Alterssegement bis zum Jahr 2010 über 20 Prozent der Gesamtbevölkerung Japans ausmachen wird
Chugai anderseits kann durch den Basler Konzern seine Produkte international lancieren. Roche als Exklusivpartner kann künftig alle Produkte einlizenzieren, die Chugai ausserhalb von Japan und Südkorea mit einem Partner vermarkten will. Die gemeinsame Entwicklungs-Pipeline umfasst 60 Wirkstoffe, von denen 14 von Chugai stammen.
«Kriegskasse» weiterhin voll
Der Roche-Konzern, der Mitte Jahr über liquide Mittel von rund 23 Mrd. Franken verfügte, rechnet für die Akquisition von Chugai mit einem Aufwand von 2 bis 2,6 Mrd. Franken. Die «Kriegskasse» bleibt weiterhin prall gefüllt.
Verkaufs- und Kostensynergien sollen die Transaktion im zweiten Jahr wertvermehrend machen und den Brutto-Cashflow schon im ersten Jahr um 500 bis 600 Mio. Franken ansteigen lassen. Allerdings werde die Pharma Division ihr Ziel, die Betriebsgewinnmarge von 19 auf 20 bis 25% zu steigern, ein Jahr später als geplant erreichen, sagte Finanzchef Erich Hunziker.
Operative Freiheit
Nach dem Vorbild der 1990 übernommenen erfolgreichen US-Firma Genentech will Roche die neue Chugai an der langen Leine führen und ihr operative Freiheit lassen. Präsident und CEO bleibt der bisherige Chugai-Chef Nagayama. Eine Aufstockung der Anteile von Roche stehe nicht zuletzt aus Rücksicht auf die japanische Kultur nicht zur Diskussion, sagte Humer weiter.
Die Transaktion, die mehrere Schritte erfordert, bedarf noch der Zustimmung der japanischen Behörden und der Chugai-Aktionäre. Zuvor wird Chugai vorab aus wettbewerbs-rechtlichen Gründen ihre Tochter Gen-Probe in Kalifornien abspalten, die in der DNA-Diagnostik tätig ist und mit einigen Bereichen mit dem Diagnostik-Geschäft von Roche in Konkurrenz steht.
Analysten beurteilten den Deal am Montag weitgehend positiv, vom grossen Wurf sprach jedoch niemand. Denn die Fusion in Japan löse die Probleme von Roche in den USA nicht. Die Börse reagierte kaum. Der Roche-GS sank bis Börsenschluss um 0,2% auf 116 Franken.
Die international tätige Chugai-Gruppe erreichte im letzten Geschäftsjahr mit 5000 Beschäftigten einen Pharmaumsatz von 2,4 Mrd. Franken. Die 1932 gegründete Roche Nippon kam im Jahr 2000 mit 1630 Beschäftigten auf einen Umsatz von 970 Mrd. Franken.
swissinfo und Agenturen
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