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Presseschau vom 10.09.2003

Ist ein Erfolg der Welthandelskonferenz in Cancún wünschenswert? Die Schweizer Zeitungen vom Mittwoch widerspiegeln darüber geteilte Meinungen.

Ein wichtiges Inland-Thema ist das Spiel der Spiele, mit dem sich die Schweiz heute gegen Russland für die EM-Endrunde 2004 zu qualifizieren hofft.

Keine andere multilaterale Organisation stehe derart in Verruf wie die Welthandelsorganisation WTO, schreibt die AARGAUER ZEITUNG. Vor weniger als zehn Jahren ins Leben gerufen, sei sie zum Synonym für Globalisierung, Liberalisierung und für die ungleiche Verteilung des Reichtums auf der Erde geworden. Aber, fragt die Kommentatorin:

«Was wäre die Alternative? Eine Schwächung der WTO hätte unmittelbar eine Stärkung des Unilateralismus zur Folge – das Recht des Stärkeren würde die Handelsbeziehungen dominieren. Davon könnten nur grosse Mächte, allen voran die USA, profitieren.»

Und das könne nicht im Interesse kleiner Länder wie der Schweiz oder der ärmeren Länder des Südens sein.

Das Kind nicht mit dem Bad ausschütten



Noch nie sei die WTO derart kritisiert worden wie heute, stellt auch die Genfer Zeitung LE TEMPS fest, und es sei unbestritten, dass es mehr Schutzmassnahmen für die Schwächsten brauche. Aber ebenso sehr brauche es die Welthandelsorganisation, obwohl Cancún vielleicht kein Erfolg werde:

«Il vaut mieux se battre pour faire respecter les règles du jeu – voire les modifier – que de vouloir abattre l’arbitre.»

Statt den Schiedsrichter umbringen zu wollen, sei es immer besser, sich für bessere Spielregeln einzusetzen.

Mexiko als Gastgeberland des WTO-Gipfels blicke heute auf knapp zehn Jahre Erfahrung mit der Nafta, der Nordatlantischen Freihandelszone, zurück, schreibt der Zürcher TAGES-ANZEIGER und fragt nach der Bilanz:

«Dem ärmsten der drei Partnerländer bescherte die Nafta zunächst einen Exportboom. Entlang der Grenze zu den USA und in den urbanen Zentren schossen die ‚maquiladoras‘, Fertigungsbetriebe, die nur für den Export produzieren, wie Pilze aus dem Boden. Ausländische Investoren gaben Milliarden für den Bau von Fabriken und den Kauf von Unternehmen aus.»

Doch seit der ehemalige Coca-Cola-Manager Fox im Jahr 2000 an die Macht gelangte, sei in Mexiko die Nafta-Euphorie verflogen. Und mit dem Abschwächen der Weltkonjunktur habe sich gezeigt, dass das Job-Wunder der «maquiladoras» auf Sand gebaut war. Fazit des TAGI:

«Blickt die Welthandelselite in Cancún über den Schwimmbeckenrand, so muss sie am Beispiel Mexikos erkennen: Eine einseitige Fixierung auf die rigorose Öffnung der Märkte bei gleichzeitiger Vernachlässigung der Ausbildung und der Infrastruktur bewirkt allenfalls ein Strohfeuer in der Handelsstatistik, aber keine nachhaltige Entwicklung.»

«Ein Scheitern wäre ein Erfolg»

Der Berner BUND berichtet über einen mexikanischen Zeitungsverkäufer in Cancún, der sich wünscht, die WTO-Konferenz möge scheitern. Denn er hat die Folgen der Handelsliberalisierungen bitter am eigenen Leib erfahren:

«Seine Familie, die seit Jahrzehnten in einem nordmexikanischen Dorf Korn anbaute und damit nicht nur sich selbst, sondern die halbe Dorfbevölkerung ernährte, wurde durch hochsubventionierte Dumpingimporte aus den USA in den Ruin getrieben.»

Fragezeichen vor dem Spiel der Spiele



Die Fussball-EM-Endrunde 2004 in Portugal sei für die Schweiz greifbar nah und doch noch so fern, schreibt die NEUE LUZERNER ZEITUNG. Von Triumph bis Absturz sei alles möglich.

Auch wenn die Schweiz in Russland noch nie gesiegt habe, kommentiert die BERNER ZEITUNG, habe der russische Bär in den letzten Jahren «seine Krallen verloren», und es bestehe durchaus Aussicht auf Erfolg.

Davon ist auch der BLICK überzeugt, denn:

«Warum soll eine Mannschaft, die in Irland gewonnen hat, nicht auch die Russen schlagen?»

Die BASLER ZEITUNG ist skeptischer. Auf die Vergangenheit sei im Fussball selten Verlass, und die Bilanz gegen den Widersacher Russland sei schlecht. Fragt dann aber doch hoffnungsvoll:

«Wird heute alles anders?»

swissinfo, Monika Lüthi

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