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Presseschau vom 11.10.2002

Die Schweizer Zeitungen befassen sich intensiv mit dem Thema Kinderpornographie.

Die landesweite Polizeiaktion «Genesis» gegen Kinderpornographie hat Erschreckendes zutage gebracht. Die Ermittlung wird jedoch auch kritisiert.

Der BUND titelt seinen Kommentar mit «Spitze des Eisbergs» und schreibt:

«Es ist davon auszugehen, dass die wenigsten der Verdächtigten zur Rechenschaft gezogen werden können.»

Es sei schwierig, jemanden allein aufgrund von Kreditkartendaten zu überführen, wenn das belastende Material vernichtet worden sei.

«Doch auch wenn ein Schuldspruch erfolgt, kommen die Überführten glimpflich davon, entweder mit einer Geldstrafe oder mit maximal einem Jahr Gefängnis», so der BUND.

Die BASLER ZEITUNG schreibt:

«Vor zwei Jahren stimmte der Ständerat gegen eine neue Bundeskompetenz im Kampf gegen die Kinderpornographie. Jetzt ist die Eiterbeule zufällig aufgeplatzt. Es steht zu hoffen, dass dieser Schock heilsam sein wird.»

Grenzen der kantonalen Ermittlungsbehörden



LE TEMPS befasst sich insbesondere mit der Ermittlungsarbeit und schreibt auf ihrer Titelseite:

«Cyberpédophilie: Le succès de l‘ enquête ne cache pas les lacunes d‘ organisation.» – Der Erfolg der Ermittlung habe organisatorische Lücken offenbart.

Die Polizeibehörden hätten Schwierigkeiten gehabt, Informationen von Banken und Kreditkarteninstituten zu bekommen. Auch habe auf Kantonsebene ein offizieller Hauptansprechpartner gefehlt.

«Damit sind die Grenzen der kantonalen Polizeiarbeit ans Licht getreten», lautet das Fazit der Westschweizer Zeitung.

Harte Bestrafung gefordert



Der BLICK schreibt: «Jetzt bestätigen Ermittler: Es wurden auch Schweizer Kinder geschändet.»

Laut dem Boulevard-Blatt stammen die Kinderporno-Konsumenten aus allen Schichten. Lehrer, Juristen und Polizisten seien entlarvt worden.

Auch die NEUE LUZERNER ZEITUNG verweist auf die sieben Verdachtsfälle auf Kindsmissbrauch:

«All dies zeigt deutlich auf, dass hartes und effizientes Durchgreifen der Behörden dringend nötig ist. Kinderpornographie ist keine Bagatelle, sondern ein Verbrechen.»

Die NLZ kritisiert, dass die Politik den Handlungsbedarf noch nicht erkannt habe. 2003 seien weniger als zehn Personen landesweit für die Cyberkriminalität zuständig. Das Fazit der NLZ:

«Auch in Zeiten des Sparens muss der Schutz von Kindern vorangehen.»

Die BERNER ZEITUNG fordert:

«Es darf nicht sein, dass die bislang 1100 identifizierten Konsumenten von Kinderpornos mehrheitlich mit Bussen davonkommen. Denn sie sind Mittäter.»

Die BZ weiter: «Genesis» hat der Politik hoffentlich klar gemacht, dass eine weitere Verschärfung des Strafrechts Not tut.»

Internationale Zusammenarbeit wichtig



Die AARGAUER ZEITUNG betont:

«Nun aber geht es nicht mehr um Schuld oder nicht Schuld, sondern um Massnahmen für die Zukunft.»

Und weiter: «Die Kinderpornographie kann nur mit internationaler Zusammenarbeit bekämpft werden.»

swissinfo, Elvira Wiegers

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