The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

Presseschau vom 24.09.2002

Banken und Bund bezahlen Millionen für den angeschlagenen Milchverwerter Swiss Dairy Food.

Für die Schweizer Zeitungen ist das ein klares Zeichen, dass die Milch-Krise in der Schweiz weitergeht.

«Nach Swissair und den Versicherungs-Konzernen ist nun der Milchmarkt und seine Krise an der Reihe», schreibt die welsche LE TEMPS und findet, das sei ein «angekündigtes Debakel».

Da der überschuldete Milchkonzern mit dem wenig schweizerischen Namen Swiss Dairy Food überschuldet ist und daran die Landwirtschaftspolitik und die Bauern hängen, schiessen Bund und Banken Geld ein. Der BLICK geht hart mit den für das Blatt Verantwortlichen ins Gericht und fragt sich, wer hat uns diese grausam versalzene Milchsuppe eingebrockt:

«Es ist vorneweg der Landsturm von Bauernbürokraten und Bauernpolitiker, die schon in der alten, unvergessenen Käseunion im Steuergeld sorglos lebten wie die Maden im Speck. Und es sind die unfähigen Manager, die unbedingt in Europas Joghurt-Champions-League mitspielen wollten.»

Die LUZERNER ZEITUNG spricht von «Nothilfe für Tausende Bauern». Und denkt lokal. Was soll uns das hier angehen, bei uns gibt es eine Firma, Emmi, die auch Milch verwertet und bald einmal Marktführerin werden wird. Die Arbeitsplätze gehen im Kanton Bern verloren. Was geht uns das in der Zentralschweiz an?

«Einiges. Nicht umsonst stehen im Falle der Swiss Dairy Food kaum Managerköpfe im Regen. Hier geht es nicht um Führungsversagen. Viel eher kamen und kommen der Firma – im Verbund mit ihrer Grösse – Geschichte und Entwicklung der Landwirtschaftpolitik in die Quere.»

Die Pleite von Swiss Dairy Food sei deswegen eher ein Befreiungsschlag, schreibt der Zürcher TAGES ANZEIGER:

«Ziel der Struktur-Bereinigung ist eine Landwirtschaft, die sich gegenüber der ausländischen Konkurrenz behaupten kann – und zwar nicht dank immer höherer Subventionen, sondern dank Spezialisierung, Rationalisierung sowie tieferen Produktionskosten und Preisen als heute.»

Allerdings sei der nun eingeschlagene Weg von Wirtschaftsminister Pascal Couchepin nicht gerade dazu angetan, die Strukturbereinigung in der Landwirtschaft zu fördern. Ausgerechnet der Reformer Couchepin werde nun schwach:

«Nun greift der prononcierte Reformer in die Bundeskasse, um die Not der Bauern zu lindern. Das Handeln des Volkswirtschafts-Ministers wirkt, als ob Couchepin plötzlich Angst vor dem eigenen Mut bekommen hätte.»

Und die AARGAUER ZEITUNG denkt bei der ganzen Geschichte, die nun wieder Steuergelder kostet, auch an das Swissair-Debakel und erinnert daran, dass Kühe Milch geben:

«In Schweizer Ställen stehen zig-tausend Milchkühe zu viel, Kühe, die sich auf keiner Flugpiste je parkieren lassen.»

Und alle Kommentare weisen auf das Kernproblem hin, das endlich gelöst werden muss. Stellvertretend für alle schreibt die BERNER ZEITUNG:

«Vielen Bauern geht es schlecht. Zu viele leben von der Hand in den Mund, sind auf jeden Franken Milchgeld angewiesen. Niemand kann im Ernst etwas dagegen haben, dass ihnen geholfen wird.»

Aber ob es sinnvoll sei, notfallmässig Geld mit der Giesskanne zu verteilen, bezweifelt die Zeitung aus Bern. Man würde es gescheiter in zukunftsgerichtete landwirtschaftliche Projekte stecken:

«Eines ist klar: Wer in der Agrarwirtschaft wirklich mehr Markt einführen will, der kann eine staatliche Hilfsaktion, wie jetzt bei Swiss Dairy Food, nicht gut finden.»

swissinfo, Urs Maurer

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft