Presseschau vom 28.08.2003
Die vor der Tür stehen WTO-Verhandlungen in Cancún finden in den Schweizer Zeitungsspalten ihren Niederschlag. Aber auch die Gespräche der Swiss mit möglichen Allianz- oder Fusionspartnern sind ein Thema.
Weiter machen sich Schweizer Journalisten Sorgen um die schwierigen Verhandlungen im Nordkorea-Konflikt.
«WTO: Deiss wird für die Bauern kämpfen», verspricht die BERNER ZEITUNG auf ihrer Titelseite. Diesen Kampf werde Deiss als Leiter der Schweizer Verhandlungsdelegation für die fünfte WTO-Ministerkonferenz im mexikanischen Cancún führen.
«‚Jeden Tag 16 Bauern weniger!‘ Spätestens seit Bekanntwerden dieses Schockszenarios ist klar, um wie viel es für die Schweiz an der WTO-Konferenz geht», schreibt die BZ weiter.
Auch nicht sehr optimistisch geht die NEUE LUZERNER ZEITUNG ran ans Thema: Deiss werde sich für eine verkraftbare Liberalisierung der Landwirtschaft stark machen.
«Doch er dämpft allzu grosse Erwartungen.» Es sei ja verständlich, dass alle Teilnehmer – arme und reiche Länder, Landwirtschaft, Industrie und Dienstleister – hofften, sich am Ende unter die Sieger einreihen zu können, meint die NLZ weiter. «Doch die Logik erheischt eine andere Schlussfolgerung: Am Schluss sitzen nicht nur Gewinner am Tisch.»
Denn wenn sich im globalen Agrarstreit keine Lösung abzeichne, dann öffneten sich umgekehrt für die Schweizer Exportwirtschaft kaum neue Türen, ist die NLZ überzeugt und schliesst ihren leicht pessimistisch angehauchten Kommentar: «Im Handelspoker sind zu viele schlechte Karten mit im Spiel.»
Silberstreif am Horizont?
Gute Karten im Airline-Poker hat laut BLICK Swiss-Chef André Dosé: «Allianz mit Briten steht – doch Dosé will noch mehr!»
Die Swiss könne schon morgen der Oneworld-Allianz beitreten. Doch Dosé wolle bei British Airways noch mehr herausholen: «Mit dem Erreichten wäre der Swiss-Chef noch vor wenigen Monaten hoch zufrieden gewesen. Doch heute ist ein Allianz-Beitritt nur das absolute Minimum.»
Manager Dosé versuche, ein direktes Engagement in Form einer Minderheitsbeteiligung von British Airways bei Swiss zu erzielen. «British Airways hat das kürzlich ausgeschlossen. Für alle Zeiten? Da ist Dosé wahrscheinlich am Pickeln. «
André Dosé zeigt sich gegenüber dem BLICK überzeugt: «Auch die Gespräche mit anderen Partnern kommen voran.»
Er sei zuversichtlich, dass er dem Verwaltungsrat sehr bald gute Varianten vorschlagen könne.
Wenig ist nicht nichts
Um Verhandlungen geht es auch beim nächsten Thema: «Harziger Start in Peking», titelt der BUND den Beginn der Gespräche, um den Nordkorea-Konflikt zu entschärfen. Die Erwartungen seien schon vor dem Treffen in Peking gedämpft gewesen.
«Doch allein schon der Umstand, dass Gespräche stattfinden, ist ein Erfolg», so der BUND. Der Erfolg liege vor allem bei den USA, die mit ihrer kategorischen Ablehnung von bilateralen Gesprächen mit Nordkorea das Regime von Kim Jong Il förmlich an den multilateralen Verhandlungstisch gedrängt hätten.
«Die Hauptrolle in Peking werden (…) nicht so sehr die beiden Hauptkontrahenten spielen, sondern vor allem Russland und China. Allein ihr –begrenzter – Einfluss auf den Diktator kann Bewegung in die Verhandlungen bringen.»
Der BUND ist überzeugt, dass es keine Alternative zu Gesprächen gibt, selbst Kim Jong Il müsse dies einsehen. «Denn ein Krieg wäre das sichere Ende seines Regimes. Doch der Preis, den die Region – und möglicherweise die ganze Welt – dafür bezahlen müsste, wäre unverhältnismässig hoch.»
Niemand wisse, wie ein in die Ecke gedrängter Kim Jong Il reagiere. Dies verlange auch den USA einiges an diplomatischer Flexibilität ab: «Sturheit könnte in eine Tragödie führen.»
Der TAGES ANZEIGER betont die Wichtigkeit der Verhandlungen: «Die fünf Gesprächspartner Nordkoreas in Peking möchten allesamt verhindern, dass das Regime in Piongyang Atmommacht wird.»
swissinfo, Etienne Strebel
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