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Roche zwischen Bangen und Hoffen

Der Vitaminskandal belastet weiterhin Keystone

Eine böse Überraschung in Form einer unerwarteten Rückstellung sorgt für Unmut. Trotzdem versprüht Roche Optimismus.

Auch das operative Ergebnis des 3. Quartals 2002 liegt unter den Erwartungen der Analysten.

Der Basler Konzern, der aus Mangel an firmeneigenen neuen Medikamenten zunehmend von der Innovation zugekaufter Unternehmen und Beteiligungen abhängt, kommt nicht zur Ruhe.

Völlig unerwartet vermeldete Franz Humer, CEO von Roche, eine zusätzliche Rückstellung von 1,2 Mrd. Franken für weitere Vitaminklagen. Der Vitaminkartell-Skandal hat den Pharmakonzern bisher 4,4 Mrd. Franken gekostet und bleibt auch weiterhin eine belastende Hypothek für das Unternehmen.

Vitaminproblem bleibt bei Roche



CEO Humer kann weitere Rückstellungen nicht ausschliessen. Zwar konnte das Unternehmen die Vitamindivision, die 2001 über 10% zum Umsatz beitrug, mittlerweile für 3.4 Mrd. Franken an die niederländische DSM verkaufen. Doch die finanziellen Verpflichtungen aus den Vitaminklagen verbleiben bei Roche.

Laut Finanzchef Erich Hunziker ist das Unternehmen jedoch fest davon überzeugt, dass die zusätzliche Rückstellung ein wichtiger Schritt zur Beendung des Vitaminproblems ist.

Eine weitere Enttäuschung stellt die Umsatzentwicklung von Xenical dar, dem Medikament gegen Fettleibigkeit. Dessen Umsatz sank im laufenden Jahr aufgrund des wirtschaftlichen Umfelds um fast 20%.

Hoffnungsträger vorhanden



Verschiedene Projekte sorgen bei Roche auch für Optimismus. Die amerikanische Tochter Genentech erweist sich als weiterhin lukrativ.

Weitere grosse Hoffnungsträger sind Pegasys, ein Medikament gegen Hepatitis C, und die Aktivitäten in Japan.

Der Basler Konzern hält Pegasys für einen Blockbuster mit einem Umsatzpotential 1,2 Mrd. Franken. Der wichtigste Absatzmarkt ist die USA. Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) soll Ende Jahr über eine Zulassung entscheiden. In den europäischen Märkten wurde das Medikament bereits teilweise eingeführt.

William Burnes, Leiter der Pharmadivision, ist auch zufrieden über die Positionierung von Roche im japanischen Markt. Letzte Woche wurden Nippon Roche mit dem akquirierten japanischen Pharmaunternehmen Chugai zusammengelegt.

Warten auf die FDA-Entscheidung

Durch die Verschmelzung der zwei Einheiten entsteht der fünftgrösste Pharmakonzern Japans. Roche erhofft sich von Chugai einen jährlichen Umsatz von 2,5 Mrd. Franken. Japan ist der zweitwichtigste Absatzmarkt weltweit. Roche erwartet in den kommenden Jahren steigende Umsatzbeiträge der japanischen Einheit.

Der nächste wichtige Schritt in Richtung einer günstigeren Entwicklung ist eine positive Entscheidung des FDA bezüglich Pegasys. Obwohl Roche sein Formtief nicht überwunden hat, bleibt das Unternehmen optimistisch. Die Basler sind davon überzeugt, die für das laufende Jahr kommunizierten Ziele erreichen zu können. Für nächstes Jahr soll Roche schliesslich zu doppelstelligem Wachstum zurückfinden.

swissinfo, Elvira Wiegers

Aktuellste Rückstellung für die Vitamindivision: 1,2 Mrd. Fr.
Vorläufige Gesamtkosten aus dem Vitamin-Skandal: 4,4 Mrd. Fr.

Umsatz 3. Quartal 2002: 6,2 Mrd. Fr.
Umsatz Pharma: 4,4 Mrd. Fr.
Umsatz Diagnostics: 1,7 Mrd. Fr.

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