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«Salamitaktik bei Swiss»

Vom Sparpaket betroffen sind das Kabinen- und Bodenpersonal sowie die Piloten. Keystone

Die neue Schweizer Fluggesellschaft reduziert Flotte und Flugplan und baut 300 Stellen ab. Davon 140 bei den Piloten.

Die Gewerkschaften sprechen von Salamitaktik. Die Fluggesellschaft Swiss hat sich zum Ziel gesetzt, 2003 eine ausgeglichene Rechnung vorzuweisen. Da die Zahlen tiefrot sind, ist Sparen angesagt:

Dem am Dienstag angekündigten Sparprogramm fallen 300 Stellen zum Opfer, davon 140 Piloten (120 Ex-Crossair-, 20 Ex-Swissair-Piloten). Die Flotte wird um acht Flugzeuge reduziert.

Laut dem Aviatik-Spezialisten Sepp Moser genügen die von der Swiss angekündigten Sparmassnahmen nicht. Zudem seien die Schwerpunkte falsch gesetzt.

«Es ist nicht möglich, von der kleinen Schweiz aus eine so grosse, gar grössenwahnsinnige interkontinental aktive Fluggesellschaft mit Erfolg zu betreiben.»

Alte Swissair-Kultur lebt weiter

Auch für Christoph Bohli, Analyst bei der Bank Sarasin, ist klar, dass das Überleben der Swiss mit dem angekündigten Stellenabbau bei weitem nicht gesichert ist.

Das Problem sei, dass sich die operative Führung der Swiss noch nicht von der alten Swissair-Kultur gelöst habe. Noch immer wolle sie alles erhalten und möglichst keine Stellen abbauen, obwohl ein weiterer Abbau unumgänglich sei:

«Die Swiss vollzieht einen schrittweisen Abbau, Scheibe um Scheibe, statt mal durchzugreifen.»

Der Kaufmännische Verband KV Schweiz, der das Bodenpersonal vertritt, spricht von «Salamitaktik». Da die Regionalflüge die nötige Auslastung nicht erreichten, müsse man mit weiterem Abbau rechnen.

Sepp Moser ist überzeugt, dass es für die nationale Fluggesellschaft eine Zukunft gibt, allerdings nicht in dieser Grösse: «Die Swiss wird in fünf Jahren sehr viel kleiner sein als heute, vor allem im Langstreckenbereich.»

Harter Konkurrenzkampf

Seit 1997 sei klar, dass im Airline-Bereich ein Konzentrationsprozess im Gang sei, so Moser. Viele Fluggesellschaften hätten sich in den Windschatten grosser Allianz-Partner begeben, um zu überleben.

«Die absolut unabhängige Universal-Fluggesellschaft, wie die Swiss noch eine sein will, hat keine Zukunft.»

Seit längerem versucht die Swiss, einer Allianz, zum Beispiel der Oneworld beizutreten. Nach Einschätzung von Pierre Condom, Direktor der Zeitschrift «Interavia», zögert nicht etwa Swiss, sondern British Airways:

«BA betrachtet die Swiss als Konkurrenz, nicht als Partnerin. Wenn sie in die Allianz will, muss sie weiter abbauen.»

Unterschiedliches Echo auf Sparpaket

Die Bodenpesonal-Gewerkschaft GATA kritisierte, dass der grösste Teil der Einsparungen aufs Personal entfällt.

Der Verband des Kabinenpersonals Kapers bezeichnet es als politisch fragwürdig, dass die Swiss in der Schweiz 100 Kabinen-Stellen abbaue und in Indien und Thailand 75 Flight-Attendant-Stellen schaffe.

Der Bund steht hinter dem Sparprogramm, machte aber klar, dass die Swiss keine weiteren Bundesmittel erhält.

swissinfo, Gaby Ochsenbein

Swiss: entstand 2001, nachdem die Crossair die Swissair übernommen hatte.
Angestellte bei Swiss: 11’215
Flugzeuge: 135
Sitzauslastung: 77,3%
Verlust in den ersten 9 Monaten 2002: 582 Mio. Franken.
Umsatz in den ersten 9 Monaten 2002: 3,1 Mrd. Franken.
Geplante Kostenreduktion 2003: 400 Mio. Franken.

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