Schatten über Firmen-Riesen
Immer mehr einstmals stolze Schweizer Traditions-Unternehmen wie ABB oder Sulzer Medica geraten ins Schlingern.
Für das Geschäftsjahr 2001 hat der schwedisch-schweizerische Technologiekonzern ABB niederschmetternde Resultate ausgewiesen. Das Unternehmen ist mit einem Verlust von satten 691 Mio. Franken erstmals in der Unternehmens-Geschichte in die roten Zahlen abgetaucht. An der Börse tauchen die ABB-Aktien. Allein seit Anfang Jahr haben die Kurse um rund 26% nachgegeben.
ABB hat kostspielige Ausbauphasen hinter sich und befindet sich in einer aufwändigen Restrukturierungs-Phase. Gleichzeitig sieht sich ABB mit Tausenden von Klagen von Asbest-Geschädigten in den USA konfrontiert.
Und damit nicht genug: Der Wirbel um die Pensionsbezüge der beiden ehemaligen ABB-Top-Manager Percy Barnevik und Göran Lindahl in der Höhe von ingesamt 233 Mio. Franken rücken den Konzern angesichts eines Abbaus von 12’000 Stellen zusätzlich in ein schiefes Licht.
Auch Sulzer Medica unter Klagen-Druck
Ebenfalls wegen Klagen in den USA ist Sulzer Medica in Bedrängnis geraten. Wegen verunreinigter Hüft- und Kniegelenk-Implantate mussten sich über 3200 Patienten neu operieren lassen.
Klagen in diesem Zusammenhang haben zu einem Vergleich in der Höhe von 1,8 Mrd. Franken geführt. Die Medizinaltechnik-Firma muss 1,1 Mrd. Franken zur Bewältigung der finanziellen Forderungen bereitstellen.
Die Sache ist – genau wie bei ABB – auch hier noch nicht ausgestanden. Der definitive Entscheid über den Vergleich wird nach der Anhörung am 14. Mai gefällt.
Ascom wehrt sich gegen Gerüchte
Bodenhaftung verloren hat auch das Telekom-Unternehmen Ascom. Ascom, seit längerer Zeit ein Sorgenkind der Schweizer Wirtschaft, hat einen Investitions- und Personalstopp verhängt. Gleichzeitig werden Firmenteile veräussert. Mit dem Erlös soll die Verschuldung von rund 800 Mio. Franken verringert werden.
Konzernchef Urs Fischer betont zwar ausdrücklich, dass Ascom keinesfalls vor dem Konkurs stehe. Die operative Tätigkeit werde durch die Liquiditätslage nicht beeinträchtigt, der Konzern stehe am Ende der Talsohle.
An der Börse ist Ascom tief abgestürzt: Allein seit Anfang 2002 hat Ascom 30% an Wert verloren.
Auch ausländische Giganten kämpfen
Spätestens seit dem Swissair-Debakel reagierten Investoren sehr sensibel auf Gerüchte über die Liquidität der Unternehmen, heisst es im Markt. Die Swissair hat Ängste geschürt – aber nicht nur sie: Anschauungs-Unterricht zum Thema «Giganten im Untergang» ist in den vergangenen Wochen auch auf internationaler Ebene erteilt worden.
So verursachte der US-Energieriese Enron die grösste Firmenpleite in der amerikanischen Wirtschafts-Geschichte. Und in Deutschland brachte eine ruinöse Schuldenlast den deutschen Medienkonzern Kirch an den Abgrund.
swissinfo und Iris Kronenberg (sda)
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