Schweizer Firma druckt Millionen von Zeitungen
Leute, die in der Schweiz den "Blick", in den USA den "Dallas Morning News", in Frankreich "Le Monde" oder in Buenos Aires "La Nacion" lesen, haben den Namen Wifag sicher noch nie gehört.
Hinter dem Namen steht eine diskrete Berner Firma, welche die Pressen zum Drucken dieser Zeitungen herstellt.
Im Zeitungsverlagswesen ist die Wifag bekannt als Hersteller des Mercedes oder des Rolls Royce unter diesen Produkten. Sie ist die viertgrösste Herstellerin von Druckerpressen.
«Wir sind in der Öffentlichkeit nicht sehr bekannt, weil wir keine Konsumgüter anbieten. Unser Geschäft wendet sich an Unternehmen», erklärt der Marketing- und Verkaufsdirektor der Wifag, Noel McEvoy, gegenüber swissinfo.
«Privat und diskret»
«Aber da wir eine Privatfirma und ziemlich diskret sind, müssen wir auch nicht besonders bekannt sein. Wichtig ist, was wir tun, und dass wir dabei bleiben», fügt er bei.
Die Herstellung und der Verkauf solcher Riesenmaschinen, die mehr Platz als ein Fussballfeld einnehmen können, sind ein höchst komplexer Prozess.
Zeitungsdruckerpressen finden sich in keinem Katalog, man kann auch in der Wifag nicht Maschinen am Lager besichtigen. Die gibt es nicht.
Die Pressen müssen von einer ganzen Armee von Spezialisten aus den verschiedensten Bereichen speziell angefertigt werden.
Druckende Computer
«Kurz gefasst könnte man sagen, wir machen druckende Computer. Früher stellten wir mechanische Drucksysteme her. Diese brauchten dann elektronische Bedienungstafeln und Antriebsteile, also fügten wir die bei», führt McEvoy aus.
«Heute machen wir voll integrierte elektronische, mechanische und elektrische Systeme, welche über Computer gesteuert werden, und sie drucken farbige Zeitungen, mit vielen Seiten und viel Inhalt.»
Die Lebenserwartung einer Presse liegt bei rund 30 Jahren. Ersetzt ein Verlagshaus seine Presse, kann diese oft nachgerüstet und in einem weniger entwickelten Land weiter eingesetzt werden.
Eine neue Maschine zu verkaufen, ist sehr aufwändig und braucht viel Geduld, weil es um grosse Geldsummen geht.
«Der Verkaufsprozess ist recht komplex, schliesslich geht es um eine sehr grosse Investition. Und bei einer Investition von mehreren Millionen Dollar reden viele Leute mit», so McEvoy.
Hundertjahrfeier
2004 wird die Firma mit ihren rund 800 Angestellten, davon um die 100 Lehrlinge, ihren hundertsten Geburtstag feiern.
Der Konzern, zu dem auch Firmen der grafischen Industrie gehören, beschäftigt weltweit insgesamt 1400 Personen.
Zwar hat die Wifag genug Arbeit, um bis Mitte 2006 gut zu überleben, nicht zuletzt dank der 17 Pressen, welche die Zeitung «Westdeutsche Allgemeine» letztes Jahr in Auftrag gegeben hat. Das wirtschaftliche Klima ist heute aber hart.
«Die Geschäfte laufen nicht sehr gut. In unserem Geschäft ist es besonders schlimm, denn unsere Kunden sind Herausgeber von Zeitungen, und diese leiden, da sowohl die Inserate wie die Auflagen rückläufig sind», erklärt McEvoy.
«So sind sie zur Zeit natürlich nicht darauf erpicht, zu investieren. Wir spielen auf Zeit.»
In Bern verankert
Obwohl die Versuchung besteht, die Produktion ins kostengünstigere Ausland zu verlegen und damit wettbewerbsfähiger zu sein, bleibt die Wifag ihrem Standort treu.
«Wir sind in Bern sehr gut verankert. In unseren Diskussionen im Verwaltungsrat wurde nie eine Verlegung in Betracht gezogen», kommentiert McEvoy. «Hier sind wir, und hier bleiben wir».
Als Firma in Privatbesitz veröffentlicht die Wifag ihre Finanzzahlen natürlich nicht. «Aber ich denke, es ist wichtig zu sagen, dass wir gesund sind und eine Zukunft haben. Und das werden wir nächstes Jahr feiern», so McEvoy gegenüber swissinfo.
swissinfo, Robert Brookes
(Übertragung aus dem Englischen: Charlotte Egger)
Die Wifag wurde 1904 gegründet und stellte zuerst Fahrräder her.
Der Name Wifag geht auf die Gründer Winkler und Fallert zurück.
Die «Neue Zürcher Zeitung» modernisiert ihre Druckerei in Zürich mit Maschinen der Wifag.
Wifag-Maschinen drucken jeden Tag weltweit Millionen von Zeitungen.
Die Berner Firma ist diskret und veröffentlicht ihre Finanzzahlen nicht.
2004 feiert die Wifag ihr hundertjähriges Bestehen.
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch