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Schweizer Flop im Kommunikations-Geschäft

Tag der Erkenntnis: BAKOM-Direktor Marc Furrer (r.) und ComCom-Vizepräsident Gian Andri Vital vor drei Wochen, als sie die Verschiebung der Auktion bekannt gaben. Keystone

Die Schweizer UMTS-Auktion war kurzfristig abgesagt worden, weil nur vier Bewerber für vier Lizenzen übrig geblieben waren. Jetzt werden die UMTS-Mobilfunk-Lizenzen doch noch versteigert. Unbestritten bleibt jedoch: Die Auktion ist der Flop des Jahres.

Es hätte so schön sein können: Das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) unter der Führung von Marc Furrer und die Eidgenössische Kommunikations-Kommission (ComCom) mit ihrem Präsidenten Fulvio Caccia träumten von 3 bis 10 Mrd. Franken, sobald sie von der Versteigerung der vier Schweizer UMTS-Mobilfunklizenzen sprachen. Staatsschulden hätten beglichen und mit der Internet-Auktion eine europäische Premiere gefeiert werden sollen. Doch die Realität holte die Schweizer UMTS-Experten am Morgen des Auktionstages (13.11.) ein.

Fast alle Interessenten traten zurück

Fünf von ursprünglich zehn Bewerbern zogen sich mehr oder weniger kurzfristig aus der Auktion um die Schweizer UMTS-Lizenzen zurück und zwei Bieter fusionierten noch am Abend vor der Auktion. Geblieben sind schliesslich vier Bieter – Swisscom, Orange, dSpeed und die spanische Telefonica – für vier Lizenzen. Es war offensichtlich, dass keine Milliarden mehr für die schweizerischen Lizenzen geboten würden, sondern dass diese zum festgesetzten Mindestpreis von je 50 Mio. Franken hätten vergeben werden müssen.

BAKOM und ComCom verschoben die Auktion, kamen später jedoch zum Schluss, dass die Versteigerung nach den vorgesehenen Spielregeln durchgeführt werden müsste. ComCom-Präsident Fulvio Cacia rechnet damit, dass die Auktion am Mittwoch (6.12.) rasch über die Bühne gehen wird. Die ersten zwei Lizenzen dürften für den Mindespreis von je 50 Mio. Franken «versteigert» werden. Die dritte und vierte Lizenz, die leichte Unterschiede zu den ersten zwei Konzessionen aufweisen, dürften 60 bis 70 Mio. Franken einbringen.

Das grosse Geld wird damit nicht in die Bundeskasse fliessen. Departements-Vorsteher Bundesrat Moritz Leuenberger zeigte sich wenig erfreut über diese Aussichten.

Vergleich mit Europa

In Grossbritannien, Deutschland und den Niederlanden bescherten die Versteigerungen den jeweiligen Staatskassen einen wahren Geldsegen: In Holland konnte der Finanzminister umgerechnet 4 Mrd. Franken einstecken. Im Vereinigten Königreich betrug der Geldsegen gar 60 Mrd. Franken und in Deutschland waren es sensationelle 62 Mrd. Franken.

In Italien stellte sich hingegen die Vergabe von fünf UMTS-Lizenzen ebenfalls als Flop heraus. Die Auktion dauerte bloss zwei Tage. Der Fiskus musste sich mit knapp 19 Mrd. Franken begnügen. Auch in Österreich war man enttäuscht. Das Auktionsergebnis von gut 1,2 Mrd. Franken lag deutlich unter den Erwartungen.

Folgen in der Schweiz

Gezeigt hat sich: Der Schweizer Markt ist weitaus weniger attraktiv, als prophezeit, obwohl rund die Hälfte der Bevölkerung mittels Handy kommuniziert und für das Jahr 2002, wenn Kommunikation per UMTS europaweit möglich sein soll, in der Schweiz Telefonrechnungen von gut 20 Mrd. Franken erwartet werden.

Unbeantwortet bleibt jedoch die Frage, wie eine derartige Fehleinschätzung passieren konnte. Selbstverständlich handelt es sich bei der Telekommunikations-Branche um eine noch neue, sich rasch wandelnde Branche voller Überraschungen. Dass jedoch der «worst case» bei der Auktion niemals in Betracht gezogen wurde, ist schwer nachzuvollziehen.

Carole Gürtler

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