SIG streicht 250 Stellen
Der Schaffhauser SIG-Konzern streicht weltweit 250 Stellen und will mehrere Firmen verkaufen, die Löcher in die Kasse reissen.
Trotz der Umstrukturierung wird das Unternehmen dieses Jahr nicht aus den roten Zahlen kommen. Die Börse applaudierte dennoch.
SIG will sich künftig ausschliesslich auf die Herstellung von Getränkekartons konzentrieren. Die Neuausrichtung wird im laufenden Geschäftsjahr zu einem hohen Verlust führen und kostet weltweit 250 Arbeitsplätze, wie der Schaffhauser Konzern am Freitag mitteilte.
Die Restrukturierung ist der zweite SIG-Konzernumbau innert rund einem halben Jahr. Der Grossteil der Stellen wird in Europa abgebaut. Am SIG-Hauptsitz in Neuhausen selber werden 35 Stellen gestrichen.
Ein Massnahmenpaket zur Effizienzsteigerung solle mittelfristig Wachstum und Profitabilität der Gruppe sichern, kündigte der Konzern an.
Kaufinteressent vorhanden
Konkret wird SIG die Division SIG Beverages in die beiden Bereiche «Value Added Bottling» und «Traditionelles Geschäft» aufteilen. «Value Added Bottling» soll weitergeführt werden, während die Geschäftsbereiche SIG Simonazzi, SIG Alfa und SIG Manzini/Comaco veräussert werden sollen.
SIG stehe diesbezüglich in konkreten Verkaufsverhandlungen mit der schwedischen Tetra Laval-Gruppe, hiess es.
Verkaufserlöse bessern 2005 Kasse auf
Dieser Schritt führe zu einer substanziellen Anpassung des Goodwills und einem stark negativen Betriebs- und Unternehmensergebnis im Jahr 2004. Die Goodwill-Abschreibung habe keinen negativen Einfluss auf den Cash Flow 2004. Der Verkauf führe aber im Jahr 2005 zu einem deutlichen Mittelzufluss.
Ein Teil des Personal-Abbaus könne durch natürliche Fluktuation aufgefangen werden, doch seien in einzelnen Gesellschaften Entlassungen unumgänglich. Sozialpläne seien vorhanden oder in Vorbereitung. Die Restrukturierungskosten werden der diesjährigen Rechnung belastet.
Titel gesucht
Die Aussicht auf einen Gewinn im Jahr 2005 beflügelte am Freitag die SIG-Aktie. Der Titel schnellte an der Börse zeitweise um mehr als 10% bis auf 253,75 Franken nach oben und erreichte damit den höchsten Stand seit sechseinhalb Jahren.
Vor Mittag notierten die Aktien noch 9,5% fester. Analysten äusserten sich allerdings zurückhaltend. «Obwohl bekannt war, dass das neue Management eine neue strategische Ausrichtung für SIG Beverages suchte, überrascht das Ausmass der heute kommunizierten Massnahmen», kommentierte etwa ZKB-Analystin Carla Barella.
Zwar sei die Entscheidung, wenig rentable Geschäftsteile abzustossen, zu begrüssen, doch bleibe die Visibilität vorerst gering. Die Entwicklung des übrig bleibenden PET-Geschäfts sei mit Unsicherheiten behaftet.
swissinfo und Agenturen
2003 hatte SIG bei einem Umsatz von 1,9 Mrd. Euro (knapp 2,9 Mrd. Franken) einen Betriebsgewinn von 16 Mio. Euro (24,3 Mio. Franken) und einen Reinverlust von 20 Mio. Euro (30,4 Mio. Franken) verzeichnet.
Der Konzern beschäftigt weltweit 6800 Mitarbeitende.
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