Swiss räumt Probleme mit Technik und Image ein
Nach einer Serie von Pannen hat die Schweizer Airline einen Sicherheits-Experten in ihr Top-Management berufen.
Weiterhin ungelöst sind die Probleme zwischen den ehemaligen Crossair-Piloten und der Swiss.
Zur Verstärkung des Managements wurde mit dem Airline-Experten Karel Ledeboer ein neuer Sicherheitschef ernannt, wie Swiss am Freitag in Kloten mitteilte.
Swiss sehe sich mit zahlreichen Problemen in der Technik, im Cockpit und in der Kabine konfrontiert, sagte Verwaltungsrats-Präsident Pieter Bouw an einer Pressekonferenz. Das Unternehmen informierte im Anschluss an die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts über den Absturz einer Crossair-Maschine bei Nassenwil Anfang 2000.
Dosé verärgert
Die Häufung von Vorfällen sei «schädlich für das Image von Swiss», räumte Bouw ein. «Die häufigen Flugausfälle in den vergangenen Wochen sind für eine Fluggesellschaft mit dem Prädiakt ‚Premium‘ auf der Fahne unverzeihlich», sagte Konzernchef André Dosé. Er sei darüber verärgert.
Die Sicherheit der Passagiere sei aber jederzeit gewährleistet gewesen, betonte er.
Aus den Fehlern lernen
Die Unternehmens-Führung machte klar, dass sie der Serie von Negativ-Ereignissen keineswegs gleichgültig gegenüber stehe. Als Sofort-Massnahmen sollen die Bereiche Technik und Flugoperationen enger zusammengeführt und das Top-Management durch einen Sicherheits- und Technikchef (Chief Operating Officer, COO) ergänzt werden.
Der 65-jährige Airline-Experte Karel, der während 33 Jahre im Dienst der KLM war, ist allerdings nur als Übergangslösung vorgesehen. Der Niederländer ist laut Dosé einer der weltweit führenden Experten für Technik, Sicherheit und Flugoperationen.
Nassenwil: Pilot unter Einfluss von Psychopharmaka
Im Januar 2000 wurden bei einem Crossair-Absturz zehn Menschen in den Tod gerissen. Der am Freitag in Kloten veröffentlichte Untersuchungsbericht schliesst technische Probleme als Unfallursache aus.
Der moldawische Pilot stand wahrscheinlich unter dem Einfluss von Psychopharmaka – zumindest wurden in seinen Körper Rückstände eines Mittels gefunden.
Gemäss dem Chef des Fliegerärztlichen Dienstes der Schweizer Luftwaffe gab es weder beim Flugkommandanten noch beim slowakischen Co-Piloten Hinweise auf Suchtverhalten.
Weitere Befunde weisen darauf hin, dass die Piloten nicht ausreichend mit den westlichen Flugsystemen und Cockpitverfahren vertraut waren. Ferner gelte das Benutzen des Autopilots im Osten als Schwäche des Piloten, was der Grund dafür sein könnte, dass das System in der Unglücksmaschine ausgeschaltet war.
Einstellungspraxis der Piloten
Laut Dosé hatte die damalige Crossair sofort nach dem Vorfall im Januar 2000 Konsequenzen gezogen. So sei unter anderem eine internationale Expertengruppe mit der Überwachung des gesamten Flugbetriebes beauftragt worden.
Zudem seien die Einstellungspraxis für Piloten geändert, die Aus- und Weiterbildung intensiviert und dem Autopiloten ein grösserer Stellenwert gegeben worden.
Mit dem Aufbau der Swiss seien weitere Massnahmen eingeleitet worden. Dazu gehörten die Berufung eines internationalen «Safety Advisory Board» und die Ausrüstung aller Maschinen mit den neusten Bodenannäherungs-Warnsystemen.
Swiss weiterhin mit Problemen – Knackpunkt GAV
Skeptisch zeigte sich Dosé bezüglich einer Einigung im Streit um den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) mit den Swiss Pilots, dem Verband der früheren Crossair-Piloten.
Swiss gehe davon aus, dass der Vorstand der Swiss Pilots die von Verwaltungsrat und Management gesetzte Frist zur Unterzeichnung des GAV ungenutzt verstreichen lasse, sagte Dosé und kritisierte die fehlende Abstimmung unter den Swiss-Pilots-Mitgliedern.
Beim Scheitern einer Einigung gelte bis 2005 für die früheren Crossair-Piloten weiterhin der bestehende GAV, wenn auch mit Anpassungen, die sich aus dem Schiedsgericht-Urteil ergäben.
swissinfo und Agenturen
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