Traditionelle Fluggesellschaften im Abwind
Nach den hohen Verlusten im Jahr 2001 und den tiefroten Halbjahresergebnissen von US-Fluggesellschaften, stellen sich nun die unvermeidlichen Konkurse ein.
Die meisten Fluggesellschaften haben Kapazitäten abgebaut. Nur die Biilig-Carrier fliegen im Aufwind.
Die grösste Airline, welche sich unter Gläubigerschutz gestellt hat, um unter dem schützenden Dach der Finanzbehörden gesundschrumpfen zu können, ist die sechtgrösste Fluggesellschaft der USA, die US-Airways.
Nun hat United Airlines, die zweitgrösste US-Airline, durchblicken lassen, dass auch sie Konkurs anmelden könnte. Ob man mit dieser Ankündigung die Angestellten und Gewerkschaften für schmerzhafte Restrukturierungsmassnahmen zugänglicher machen will, darüber scheiden sich die Geister.
American Airlines, der Branchenprimus, hat sich eine Abmagerungskur verordnet. Bis zum März 2003 sollen 7000 Stellen abgebaut werden.
Positive Beispiele fallen auf
Dem gegenüber konnten die Austrian Airlines die Flug-Umsätze im ersten Semester leicht erhöhen. Ein positives Betriebsergebnis liess sich allerdings nur erreichen, weil die meisten der geplanten einzusparenden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen den Betrieb bereits verlassen hatten und der freiwillige Lohnverzicht von 8% wirksam wurde.
Auch Air Canada schreibt für das zweite Quartal 2002 schwarze Zahlen. Der Gewinn von 30 Mio. kanadischen Dollar (rund 29 Mio. Franken) nimmt sich zwar bescheiden aus, fällt aber neben den tiefroten Zahlen der US-Konkurrenz deutlich aus dem Rahmen.
Billig Flieger im Aufwind
Im Gegensatz zu den meisten etablierten und grossen Linienflug-Gesellschaften blieben die Billigflug-Companies, die Low Cost Carrier, auch nach dem 11. September 2001 auf Wachstumskurs.
Diese fliegen, wenn immer möglich, an den grossen, oft überbelasteten und dadurch verstopften Hauptschnittpunkten des Luftverkehrs vorbei. Deshalb zahlen sie auch niedrigere Lande- und Startgebühren. Sie zeichnen sich insgesamt durch niedrigere Kosten pro befördertem Passagier aus als die Linien-Carrier.
Aus diesem Grund werden die Chancen der Billig-Fluglinien im Langstreckenverkehr, wo man auf grosse, zentrale Hubs angewiesen ist, deutlich geringer eingestuft als auf Kurzstrecken.
Aufschwung oder Bauchlandung?
Das Deutsche Verkehrsforum prognostiziert trotz der letztjährigen Terroranschläge in New York und Washington, dass der Luftverkehr eine Wachstumsbranche bleibt.
Die Zahlen sprechen momentan nicht für diese These: 1,6 Mrd. Fluggäste im Jahr 2001, ungefähr 15 Mrd. Dollar Verluste bei allen Fluggesellschaften. Damit legen die Airlines bei jedem beförderten Fluggast 10 Dollar drauf.
Airports teils im Gegenwind
Während der Flughafen Frankfurt im ersten Halbjahr 2002 ein je zweistelliges Umsatz- und Ergebnis-Wachstum aufweisen kann, machen der Einbruch des Luftverkehrs und besonders das Ende der Swissair dem EuroAirport in Basel/Müllhausen schwer zu schaffen. Die Passagierzahl des Flughafens wird dieses Jahr wahrscheinlich nur die 3-Millionen-Grenze erreichen, nach vier Millionen im Jahr 2000.
Zürcher Flughafen im Swissair-Sog
Auch die Flughafenbetreiberin Unique Zurich Airport ist vom Swissair-Debakel empfindlich getroffen worden.
Im ersten Halbjahr nach der Swissair-Katastrophe schreibt die Unique einen Verlust von 1,8 Millionen Franken. Bei steigenden Betriebskosten hätten gesunkene Passagierzahlen und Flugbewegungen die Erträge reduziert.
Unique möchte Ende des Jahres wieder schwarze Zahlen schreiben.
Die Flughafenbetreiberin nimmt nun ein 300 Mio. Franken-Darlehen des Kantons Zürich in Anspruch. Ursprünglich wollte Unique den vom Zürcher Stimmvolk im Jahr 1995 gewährten Kredit von insgesamt 873 Mio. Franken gar nicht antasten.
Umstrittenes neues Dock
Aus betriebswirtschaftlichen Gründen bleibt das neue Dock Midfield am Flughafen wohl noch ein weiteres Jahr ungenutzt. Begründet wird dies nicht mit schleppend voranschreitenden Bauarbeiten. Es werden buchhalterische Gründe ins Feld geführt.
Weil bei sich im Bau befindlichen Gebäuden weder Abschreibungs- noch Finanzierungskosten ausgewiesen werden müssen, spare der Flughafen laut Unique Finanzchef Beat Spalinger dadurch 35 Mio. Franken.
Presseberichte werfen der Flughafen AG vor mit dem Buchhaltungstrick die wirklichen Kosten des Ausbaus kaschieren zu wollen. Damit solle eine gigantische Fehlplanung versteckt werden. Die Unique dementiert dies. Sie streitet auch ab, dass der Terminal B zum Teil abgerissen würde.
Es ist schwierig, über Jahrzehnte geplante Infrastrukturprojekte, welche lange Zeiträume überdauern sollen, in kurzfristigen, auf die aktuelle Situation bezogenen Problemen, zu bewerten.
Etienne Strebel
Nach den Anschlägen vom 11. September haben die meisten Fluggesellschaften Kapazitäten abgebaut.
US-Airways, sechstgrösste US-Fluggesellschaft, unter Gläubigerschutz.
Austrian Air und Air Canada schreiben schwarze Zahlen.
Billigflug-Companies sind auch nach dem 11. September 01 auf Wachstumskurs.
Die Flughäfen von Basel und Zürich beklagen geringere Passagier- und Flug-Zahlen.
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