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Unsichere Versicherer

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Die Schweizer Versicherungsgesellschaften befinden sich wegen des ungünstigen Börsenumfelds in Turbulenzen.

Wie die Banken standen auch die grossen Schweizer Versicherungen immer im Ruf, sehr solide zu sein. Seit kurzem allerdings beunruhigen einige scheinbar die Investoren ernsthaft.

Zuerst waren da die schlechten Betriebsergebnisse für das vergangene Jahr. Die Verluste waren hoch, insbesondere bei Zurich Financial Services (ZFS), wo der Verlust 387 Mio. Dollar, also rund 560 Mio. Schweizer Franken, betrug. Und Firmenchef Rolf Hüppi musste plötzlich sehr schnell gehen.

Ausserdem haben sich die Versicherer an der Börse verspekuliert. Seit Beginn des Jahres fielen die Aktien der ZSF um über 40%, mit einem Minus von 19% allein am letzten Donnerstag. Die Swiss Life/Rentenanstalt befindet sich seit Januar gar auf einer 60%-Talfahrt.

«Das ist nicht ungewöhnlich», meint Eric Güller, Analyst der Zürcher Kantonalbank. «In einem gegen unten tendierenden Markt verlieren die Versicherer im Allgemeinen überdurchschnittlich. Ist der Markt dagegen im Hoch, gewinnen sie überdurchschnittlich.»

Spürbare Reaktion

Nach Ansicht Güllers liegt die Erklärung in der Schwäche des Aktienmarktes. «Die Schweizer Versicherer haben relativ viel in Aktien investiert. Sie reagieren also sehr sensibel auf den Markt. Deshalb haben sie dann Probleme mit den Eigenmitteln. Und das nimmt die Börse vorweg.»

Diese Befürchtungen wurden letzten Monat noch verstärkt, als die Credit Suisse Group beschloss, die Solvenz ihrer Tochtergesellschaft Winterthur zu verbessern. So erhielt die Versicherung zur Stärkung der Eigenmittel eine Finanzspritze von über 1,5 Mrd. Franken.

Einige Tage nach dieser Ankündigung glaubte das Bundesamt für Privatversicherungen, das mit der Überwachung dieses Sektors in der Schweiz betraut ist, präzisieren zu müssen, dass «die Schweizer Versicherungs-Gesellschaften nach wie vor sicher sind». Trotzdem führt das Amt eine Umfrage bei den Versicherern durch, um sich ein Bild über ihre Solvenz machen zu können.

Drei oder vier Prozent?

Hinzu kommt die Frage des Mindestzinssatzes für die Guthaben der 2. Säule, der beruflichen Vorsorge: Soll er 3 oder 4% betragen? «Das hat sehr grosse Auswirkungen für die Versicherer», erklärt Güller. «Ein guter Teil dieser Geschäfte gingen an Schweizer Firmen. Aber diese Aktivitäten können im Moment praktisch unmöglich rentabel geführt werden.»

«Einerseits müssen diese 4% garantiert werden», so der Analyst der Zürcher Kantonalbank weiter. «Andererseits kann dieser Zinssatz nicht erwirtschaftet werden, denn die Zinsen der Obligationen liegen um 3,2% und am Aktivenmarkt läuft es schlecht. Man kann deshalb nur Verluste machen.»

Die von der Schweizer Regierung angestrebte Massnahme einer Senkung des Mindestzinses von 4 auf 3% bedeutet deshalb eine eigentliche Frischzellenkur für die betreffenden Versicherer. Winterthur und Swiss Life/Rentenanstalt halten je einen Viertel dieses Marktes.

Das Problem ist, dass die Debatte seit der Ankündigung der Regierung Anfang Juli hitzig geführt wird. Es gibt Leute, die den Bundesrat beschuldigen, er habe dem Druck der Versicherer zu schnell nachgegeben. Im Sommerloch wird die Frage des Prozentsatzes plötzlich sehr heiss und sehr politisch.

swissinfo/Pierre Gobet, Zürich

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