Vasella: «Preisdruck enormes Risiko für Pharmafirmen»
Der Druck aus der Politik auf die Medikamenten-Preise destabilisiere den Markt. Dies sagte Novartis-Chef Daniel Vasella in der Zeitung "Le Temps".
Der Druck auf den deutschen Pharma- und Chemiekonzern Bayer sei enorm gewesen, das Milzbrand-Medikament Cipro den Amerikanern um 75 Prozent billiger abzugeben, sagte Vasella. «Dies zeigt, dass der Druck auf die Preise ein enormes Risiko für die Pharmafirmen darstellt.»
Auch die grössten Firmen könnten sich gegen diese Druckversuche kaum wehren, da die Staaten im schlimmsten Fall zum Mittel der Enteignung greifen könnten. Vasella warnte davor, den Patentschutz auszuhöhlen und kritisiert dabei «einige Vertreter» der Europäischen Union.
Diese scheinen laut Vasella vergessen zu haben, wie wichtig der Schutz des geistigen Eigentums sei. Um den Entwicklungsländern zu helfen, müsse man nicht Patente verletzen, sondern ihnen beim Aufbau einer eigenen «einfachen» Industrie helfen, sagte der Novartis-Chef mit Blick auf die in der letzten Woche zu Ende gegangene Ministerrunde der Welthandelsorganisation WTO in Katar.
Derzeitiger Patenschutz akzeptabel
Der Patentschutz für die Dauer von 15 Jahren sei «akzeptabel», sagte Vasella weiter. Man habe mit diesem System zu leben gelernt. Diese Begrenzung zwinge die Pharmabranche dazu, die Innovationen anzukurbeln.
Befragt zum Thema Roche-Beteiligung, wiederholte Vasella bereits früher gemachte Aussagen: Ein Verkauf stehe angesichts der heutigen Börsenkurse nicht zur Debatte.
Auf die Frage, ob sein Konzern die Roche-Aktien zur Finanzierung einer grossen Akquisition verkaufen werde, sagte Vasella, dass Novartis problemlos auf dem Kapitalmarkt zweistellige Milliardenbeträge aufnehmen könne.
Man sei ständig dabei, «jede Möglichkeit» für eine Akquisition im Zusammenhang mit einer möglichen Konsolidierung zu prüfen. Das Unternehmen ziehe es aber momentan vor, intern zu wachsen.
swissinfo und Agenturen
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