Versicherer beruhigen
Der Börseneinbruch hat bei der Rentenanstalt und der Zurich tiefe Spuren hinterlassen. Man könne den Kunden-Verpflichtungen jedoch jederzeit nachkommen, hiess es.
Die Vorsorgegelder der Kunden seien sicher, teilte die Rentenanstalt/Swiss Life am Donnerstag mit. Angesichts des schwierigen Umfeldes habe der grösste Schweizer Lebensversicherer in jüngster Zeit Massnahmen ergriffen, um die Solidität zu gewährleisten.
Aktienanteil massiv abgebaut
So hat die Rentenanstalt ihren Aktienanteil deutlich gesenkt. Das Exposure betrage netto nur noch rund 6,5 Prozent. Ende 2000 hatte der Aktienanteil am Vermögen noch 21,9 Prozent betragen. Per Ende 2001 war er bereits auf 16 Prozent gesenkt worden.
Das Bundesamt für Privatversicherung habe am 3. Juli 2002 bestätigt, dass die Rentenanstalt alle gesetzlichen Vorschriften im Hinblick auf die Solvabilität und Eigenkapitalausstattung erfülle.
Die Bonität der Gesellschaft sei nach wie vor gut. Die internationale Ratingagentur Standard & Poor’s habe am 12. Juli 2002 das «Rating A» mit negativem Ausblick bestätigt.
Kein dringender Kapitalbedarf
Die Rentenanstalt/Swiss Life habe keinen dringenden Kapitalbedarf, sagte eine Sprecherin zu Medienberichten, wonach die Eigenkapitalbasis angesichts der Marktschwäche der letzten Zeit auf ein kritisches Niveau gefallen sei.
Die Versicherung habe reichlich Reserven und die Strategie werde ständig überprüft. Eine Kapitalerhöhung werde als eine von diversen Möglichkeiten geprüft. Details würden anlässlich der Publikation der Halbjahresresultate am 18. September veröffentlicht.
Zurich sieht sich gut gerüstet
Ähnlich äusserte sich die Konzernspitze der Zurich-Gruppe. Der Versicherungskonzern sehe sich für das schwierige Geschäftsumfeld gerüstet. In einer internen Mitteilung hiess es, das Geschäft der Zurich sei gesund und die Kapitalbasis weiter stark.
Die Zurich Financial Services Group verfüge über ausreichend Betriebsmittel auch für ein schwieriges Geschäftsumfeld, schrieb Konzernchef James Schiro. In der kommerziellen Nichtleben-Versicherung seien die Preiskonditionen die besten seit 20 bis 30 Jahren.
Weiter hiess es, die Aktienquote im Anlagenportfolio liege derzeit bei rund 16 Prozent. 78 Prozent seien in festverzinslichen Anlagen investiert. Ende 2001 hatte der Aktienanteil laut einem Firmensprecher noch bei 21 Prozent gelegen.
Bundesamt beruhigt die Gemüter
Keine Probleme aufgrund der Börsenbaisse sieht derzeit das Bundesamt für Privatversicherungen (BPV). Die Stabilität des Banken- und Versicherungssystems sei nicht gefährdet, sagte BPV- Leitungsmitglied Peter Streit gegenüber der «Aargauer Zeitung».
Der Wert der Versicherungsaktien sei das eine. Dieser widerspiegle jedoch nicht die finanzielle Situation eines Unternehmens. Der jüngste Börseneinbruch sei eine Folge von Panikverkäufen und irrationalen Motiven.
Aktienwerte gestiegen – aber keine Euphorie
Die Aktien der Rentenanstalt und der Zurich waren im Zuge des jüngsten Börseneinbruchs stark unter Druck geraten. Seit Anfang Jahr verlor die Rentenanstalt-Aktie rund 73 Prozent. Die Zurich-Titel brachen im gleichen Zeitraum um 68 Prozent ein.
An der Börse verfehlten die Äusserungen der beiden Konzerne am Donnerstag ihre Wirkung nicht: Die Zurich-Aktien, die am Vortag 20% an Wert eingebüsst hatte, legten um 7,2% zu. Bei der Rentenanstalt machte der Tagesgewinn 7,0% aus.
Auch die Aktien der Bâloise stiegen wieder, um 7,6%, jene der Swiss Re um 7,4%. Und die Credit Suisse Group, zu der die Winterthur gehört, machten einen Sprung von 11,9% nach oben.
Euphorie mochte aber dennoch nicht aufkommen, zumal Standard & Poor’s (S&P) am Abend eine negative Beurteilung der Schweizer Lebensversicherer abgab. Die Ratings-Agentur kündigte eine genaue Beobachtung der Branche an, bezeichnete Sorgen über die Solvenz der Lebensversicherer aber ebenfalls als übertrieben.
Generell schloss die Schweizer Börse am Donnerstag auf breiter Front fester. Der SMI kletterte um 6,5% nach oben. Am Vortag war der SMI belastet von teilweise panikartigen Verkäufen vorübergehend um 5,5% eingebrochen. Der breiter gefasste SPI stieg um 5,96%.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch