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Zehn Millionen neue Kunden für Kudelski

André Kudelski an der Unternehmens-GV im Mai 2002. Keystone Archive

Der Technologie-Konzern Kudelski kauft die Sparte Pay-TV-Zugangssysteme der französischen Thomson.

Das ergibt 10 Millionen neue Kunden für Kudelski. Das Unternehmen wird damit zum Marktführer in diesem Bereich.

Der Waadtländer Technologie-Konzern Kudelski kauft für 370 Mio. Franken in bar «MediaGuard», das Zugangs-System des französischen Unterhaltungselektronik-Konzerns Thomson für Pay-TV-Lösungen.

Damit wird Kudelski nach eigenen Angaben weltweit zum Marktführer in diesem Bereich der Zugangskontrollen. Mit dem Kauf erweitere sich der Kundenstamm des Unternehmens um einen Viertel, sagt Beat Pfiffner von der Zürcher Kantonalbank.

Kudelski hatte für 2002 einen Umsatz von 402 Mio. Franken ausgewiesen; für das laufende Jahr schätzen Analysten von Rahn&Bodmer den Umsatz auf 435 Millionen.

Kombiniert mit Joint Venture

Pay-TV (Bezahlfernsehen für Abonnenten) ist vor allem in den USA verbreitet. Statt einer jährlichen Konzession zahlt der Zuschauer einen wiederkehrenden Betrag pro Einschaltung – und konsumiert TV wie eine Zeitung, die er für sich gekauft hat.

Doch Kudelski hat diesen Markt auch noch anders im Visier: Zusammen mit Thomson will das Waadtländer Unternehmen gemeinsam Systeme entwickeln und anfallende Patente schützen (Patente im Bereich digitaler Systeme der Zugangskontrolle). Die Börse reagierte am Montag positiv auf die Meldung.

Pay-TV braucht Zugangs-Systeme, die mit Verschlüsselungs-Software arbeiten (zum Beispiel mit Smartcards gegen Miete). «MediaGuard» bietet mit zehn Millionen Abonnenten das drittgrösste System dieser Art an. Im letzten Jahr hatte «MediaGuard» mit 200 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 90 Mio. Franken erwirtschaftet.

Kabelnetzvertreiber als Kunden

Pay-TV wird über Kabelnetze vertrieben. Kudelski schliesst dazu mit Kabelnetzbetreibern in Asien, Europa und den USA Verträge ab, damit diese das betreffende Zugangs-System einsetzen.

Thomson hatte «MediaGuard» erst im September 2002 selbst übernommen, und zwar als Teil von «Canal Plus Technologies». Bereits damals hatte Kudelski Interesse daran gezeigt.

Vernünftiger Preis oder nicht?

An einer Telefonkonferenz sagte Konzernschef André Kudelski am Montag, es handle sich um einen vernünftigen Preis. Doch im letzten Herbst hatten die Zahlen noch etwas anders ausgesehen. Denn Thomson hatte damals «Canal Plus Technologies» für rund 270 Mio. Franken von Vivendi Universal gekauft.

ZKB-Analyst Daniele Tedesco hatte diese Summe in der Handelszeitung vom 2. Oktober 2002 schon damals als sehr stolzen Preis bezeichnet. Jetzt zahlt Kudelski allein für den Teil «MediaGuard» 370 Millionen. «MediaHighway», der andere Teil von «Canal Plus Technologies», bleibt bei Thomson.

Kudelski kontra Berlusconi und Murdoch

Kudelski befindet sich im Business mit den Zugangs-Systemen für Pay-TV nicht alleine. Seine Konkurrenz ist einflussreich und mächtig: Silvio Berlusconi (Mediaset) und Rupert Murdoch (Newscorp.) gehören dazu. Murdochs Zugangs-Software heisst NDS, doch lässt Kudelski nun gemäss den Analysten von Rahn & Bodmer Zürich NDS hinter sich.

Weltweit liegt der Pay-TV-Markt seit längerem in einer Konsolidierungsphase, nachdem er über Jahre einer der Hoffnungsträger der Unterhaltungselektronik gewesen war. 2002 wurden die digitalen Pay-TV-Märkte arg gebeutelt.

Als grösster Zahlfernseh-Markt in Europa gilt Deutschland (digitales Fernsehen). Rahn & Bodmer weisen auf die steigende Zahl von neuen Vertragsabschlüssen im letzten Halbjahr hin, so mit MSG MediaServices, einer Tochtergesellschaft von Kabel Deutschland.

Kudelski-Aktie reagierte positiv

Die Schweizer Börse reagierte positiv auf die Nachricht von Montag. Am Abend lag der Schlusskurs um 3,3% höher als bei Handelsbeginn.

Die Kudelski-Aktie gilt als Hochrisiko-Papier, das von seinem Höchst Mitte 2000 bis Ende 2002 konstanz gefallen war. Seit Frühling 2003 steigt der Kurs wieder.

swissinfo und Agenturen

Kudelski S.A. ist nach eigenen Angaben nun Marktführer im Geschäft mit dem Pay-TV-Zugang.
Das Unternehmen zahlt den Preis von 240 Mio. Euro an Thomson bar.

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