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Zurich: Hüppi tritt ab

Mit sinkendem Aktienkurs geriet Hüppi immer mehr unter Druck. swissinfo.ch

Rolf Hüppi tritt Mitte dieses Jahres als Konzernchef des Versicherungs- und Finanzkonzerns zurück. Verwaltungsrats-Präsident will er aber bleiben.

Unter Hüppis Leitung wandelte sich der Versicherungskonzern zum weltweit tätigen Finanzkonglomerat Zurich Financial Services Group.

Mit dem am Montag bekannt gewordenen Rücktritt als Konzernchef gibt Hüppi dem monatelangen massiven Druck nach. Ihm wurden Machthunger vorgeworfen und das Festhalten am Doppelmandat angekreidet.

Zudem wurde der starke Mann der Zurich für eine schlechte Informations-Politik mit einer Serie von immer neuen Gewinn-Warnungen verantwortlich gemacht.

Tiefrote Zahlen

Die letzte dieser Hiobsbotschaften datiert vom vergangenen 21. Dezember und sieht einen Verlust des Konzerns von 200 bis 400 Mio. Dollar für 2001 vor.

«Hüppis Thron wankt. Der Zurich-Chef redet Verluste schön», so die deutliche Schlagzeile daraufhin in der «SonntagsZeitung». «Rolf Hüppis Aussitzrat», titelte das Wirtschaftsblatt «Cash» Anfang dieses Jahres.

Probleme der Zurich damit noch nicht gelöst

Innerhalb eines Jahres haben die Aktien der Zurich um knapp 60 Prozent an Wert verloren. Allein seit Jahresbeginn sanken die Kurse um knapp 17 Prozent. Überaus deutlich hatten denn auch Analysten eine Entflechtung der Aufgaben und konkret Hüppis Rücktritt gefordert.

Die Reaktionen auf Hüppis Rücktritt sind im Markt insgesamt positiv. Ob damit aber die Probleme bei Zurich gelöst sind, wird bezweifelt.

Heinrich Wiemer, Analyst bei Sal. Oppenheim, ist nur halb zufrieden: «Hüppis Abgang als Konzernchef ist positiv. Allerdings ist es kein Befreiungsschlag, wie alle gehofft haben.» Seines Erachtens hätte Hüppi sich auch als Präsident des Verwaltungsrates verabschieden sollen.

Die Schutzvereinigung Schweizer Anleger ist zufrieden mit dem Rücktritt: Doppelmandate seien grundsätzlich problematisch, sagte der Rechtsanwalt und SVSA-Vertreter Hans-Jacob Heitz.

Nachfolge noch nicht bekannt

Der Nachfolger Hüppis als Vorsitzender der Konzernleitung steht noch nicht fest. Die Zürich werde den Namen rechtzeitig bekannt geben, heisst es in der Mitteilung des Unternehmens vom Montag.

Als wahrscheinlichste Variante bezeichnete die Zürcher Kantonalbank (ZKB) in einem Marktkommentar das Aufrücken von Peter Eckert an die Konzernspitze; er wurde kürzlich zum Chief Operation Officer ernannt.

Als möglichen Nachfolger Hüppis bezeichnete Merrill Lynch in einem Kommentar neben Eckert auch den neuen Finanzchef James Schiro. Er stösst Anfang März zur Zürich, hat laut den Analysten als früherer Konzernchef von PricewaterhouseCoopers eine eindrückliche Karriere hinter sich und überdies den Vorteil des Outsiders.

Noch ist damit auch unklar, wie stark sich Hüppi als Verwaltungsrats-Präsident weiterhin mit dem Tagesgeschäft beschäftigen wird.

Jahrzehntelang bei Zurich

Der 59-jährige Hüppi blickt auf eine fast 40-jährige Karriere bei der Zurich zurück. 1988 stieg er zum Konzernchef auf; 1993 folgte die Wahl in den Verwaltungsrat.

Zwei Jahre später übernahm Hüppi das Präsidium des Aufsichtsgremiums und damit jene Doppelrolle, für die er in den vergangenen beiden Jahren zunehmend kritisiert worden war und mit der er in der aktuellen Diskussion um Corporate Governance massiv im Gegenwind stand.

Die Zurich wurde 1872 gegründet. Sie ist in über 60 Ländern vertreten und beschäftigt rund 70’000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

swissinfo und Agenturen

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