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40 Jahre «friedliche Zerstörung» der Landschaft

Landschaftsschutz durch Bundessubventionen oft in Gefahr. Keystone

Bundes-Subventionen tragen zur Zerstörung der Landschaft bei. Zu diesem Schluss ist eine Fachtagung zum Landschaftsschutz gekommen.

Das Fazit der Tagung der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (LS) und der Eidgenössischen Forschungsanstalt Wald, Schnee und Landschaft (WSL) am Freitag in Birmensdorf ZH war klar: Die schöne Landschaft gelte nicht als Wert an sich. Wer sie nutzen wolle, habe meistens die besseren Karten als der reine Ästhet. Machen gelte immer noch mehr als Lassen. In diesem Sinn seien Bundes-Subventionen mitverantwortlich für die Zerstörung der Landschaft

Zwiespältige Wirkung

Die Aussagen stützen sich auf eine Studie. Diese zeigt, dass beim Landschaftswandel Subventionen eine wichtige Grösse darstellen. Mit 28 Mrd. Franken machten Subventionen 1998 zwei Drittel der Bundesausgaben aus.

Diese Subventionen dienen neben dem Allgemeinwohl auch privaten Interessen. Und hier liegt der Pferdefuss, wie es in Birmensdorf hiess. Die Schönheit einer Landschaft werde nicht als Wert wahrgenommen, weil er sich nicht einfach in klingender Münze zeige.

Verzerrte Wahrnehmung und Kurzsichtigkeit

Die Landschaft sei zur Kulisse für Eigeninteressen wie Sport und weiteres verkommen. Die Wahrnehmung sei verzerrt, sagte Hans Weiss vom Fonds Landschaft Schweiz (FSL). Oftmals werde aus dem «harten Eingriff» wie dem Skilift und dem Golfplatz der «harte Touristenfranken» erwartet. Mache ein Investor seine Verdienst-Möglichkeiten und im öffentlichen Interesse etwa die Schaffung von Arbeitsplätzen geltend, habe er gegenüber jenen, die schlicht die schöne Landschaft liebten, schnell die Oberhand.

Eigentlich unabhängige Behörden urteilten aufgrund dieser verzerrten Wahrnehmung der Natur kurzsichtig, indem sie den Wert einer schönen Landschaft schlicht unterschätzten, sagte Weiss.

Schutz wird nicht honoriert

Der Schutz werde nicht oder zuwenig honoriert, erklärte FSL-Präsidentin und Nationalrätin Lili Nabholz (FDP/ZH). In der Landwirtschaft habe der Paradigmenwechsel vom Produktions- zum Flächenbeitrag stattgefunden. Nach wie vor subventioniere der Bund aber Strassenbauten, Flughäfen, Schneekanonen, Skianlagen und andere landschafts-zerstörende Einrichtungen.

Zum Schutz der Landschaft bestünden sinnvolle Ansätze, deren Honorierung sei aber mager. Zwischen einem gut ausgebauten nutzungsorientierten Subventions-Apparat und dem eher kümmerlichen Beitragswesen für den Schutz klafften Welten. Aufgrund der Studie warten die Landschaftschützer mit 171 Vorschlägen in 32 raumrelevanten Politikbereichen auf.

Paradigmenwechsel bei allen Subventionen

Die Vorschläge umfassen unter anderem die Kontingentierung des Bodenverbrauchs der National- und Hauptstrassen und die Fortsetzung der ökologischen Landwirtschaftspolitik. Bei den Subventionen wird ein Paradigmenwechsel hin zur Nachhaltigkeit gefordert. Die Subventionen sollten von «harten» auf «sanfte» Massnahmen umgelagert werden.

Landschaftsschäden sollten konsequent behoben werden. Für umweltbelastendes Verhalten dürften keine steuerlichen Vergünstigungen gewährt werden, nannte SL-Geschäftsführer Raimund Rodewald weitere Ansätze. Nur so liessen sich die 40 Jahre «friedliche Zerstörung» beenden.

swissinfo und Agenturen

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