Ägypten vier mal angeschaut
In der Ausstellung "4 woman - 4 views" in Kairo zeigen vier Fotografinnen ihre Ansichten von Ägypten. Sie wollen Trend-Verbindungen zwischen der Schweiz und Ägypten zeigen.
Eine der beiden Schweizer Künstlerinnen, Chantal Michel, hat sechs Wochen in Ägypten verbracht und gearbeitet. In ihren Fotografien hat sie sich selbst in dieser fremden Kultur inszeniert. Sie ist Perfomance- Video- und Fotographiekünstlerin.
Eingefügt, fast wie ein Geist
Als eine «ganz spontane Reaktion oder eher ein Gefühl, eine Reaktion auf Ort und Raum» – so beschreibt Chantal Michel ihre Arbeit in Ägypten. Für ihre Photos habe sie sich kitschige und schwülstige Räumlichkeiten ausgesucht. Gefunden hat sie diese in den Bordellen Kairos. «Ich versuchte mich in den Bildern so einzubringen, dass ich mich fast auflöste».
Neben der Inszenierung in diesen Räumen haben die Künstlerin und ihr Assistent Alexander Egger auch ägyptische Familien fotografiert, Porträts gemacht. Chantal Michel hat sich auf dem Bild hinzugestellt, «auf eine komische Weise, dass ich fast wie ein Gegenstand werde oder ein Geist, der durchs Bild huscht. Ich wollte, dass die Räume sichtbar sind und die Familien, wie sie in ihren Räumen leben.»
Aus der Schweiz, Deutschland und Ägypten
Mit Monique Jacot stellt eine weitere Schweizerin ihre Arbeiten aus. Bekannt ist sie unter anderem für ihre schwarz-weiss Fotografien von ländlichem Leben. Sie hat fünf Monate im Künstlerhaus Shabramant bei Kairo verbracht und präsentiert Arbeiten, die in dieser Zeit entstanden sind.
Die deutsch-ägyptische Künstlerin Susan Hefuna führt ihre langjährige Auseinandersetzung mit dem Thema «Mashrabiya» weiter. «Mashrabiya» sind Fensterverkleidungen in traditionellen ägyptischen Häusern, durch die die Frauen nach draussen blicken konnten, ohne selber gesehen zu werden. Susan Hefuna ist Multimedia-Professorin an der Universität Pforzheim in Deutschland.
Die in Kairo lebende Heba Farid ist Landschaftsfotografin. Sie fotografierte in der westlichen Wüste und im Sinai.
Verbindung Fotografie
«Die Ausstellung soll die Verbindungen zwischen den Trends der Gegenwartskunst in Ägypten und der Schweiz zeigen», schreibt Pro Helvetia in einem Communiqué. Pro Helvetia veranstaltet das Projekt zusammen mit der Galerie Townhouse in Kairo, wo die Arbeiten bis am 6. Februar ausgestellt sind.
Die Ausstellung biete einen Blick auf Ägypten durch die Augen von vier Frauen, von denen jede ihren eignen Hintergrund und künstlerischen Stil habe, jedoch dasselbe Medium nutze: die Fotografie.
Vom 1. Juni bis zum 29. September 2002 ist die Ausstellung im Photoforum PasquArt in Biel zu sehen.
Kathrin Boss Brawand
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