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Depression: Jeden Vierten erwischt es einmal

Depressionen sind weit verbreitet. In der Schweiz leidet jeder Siebte daran. Einmal im Leben trifft es jeden Vierten. Während der diesjährigen Internationalen Woche des Gehirns vom 11. bis 17. März steht die Krankheit deshalb in verschiedenen Schweizer Städten im Zentrum.

Obwohl die Krankheit immer öfter diagnostiziert und therapiert wird, bleibt sie nach wie vor ein Tabu. «Betroffene haben Angst davor zuzugeben, dass es ihnen schlecht geht», sagt Sylvia Oehninger, Sprecherin der Stiftung Pro Mente Sana.

Das verwundere nicht in einer Gesellschaft, in der allein Leistung zähle und Schwächere an den Rand gedrückt würden. Hauptquelle des Stresses sei heute der Druck bei der Arbeit, der psychische Krankheiten mit verursache.

Die Depression werde zwar öffentlich diskutiert, etwa in Frauen- oder Gesundheits-Zeitschriften. Sobald jemand individuell darunter leide, werde die Krankheit aber weiterhin tabuisiert. Das liege daran, dass sich eine Depression schwer vermeiden lasse, erklärt der Soziologe Philippe Lehmann.

Es sei deshalb selten, dass ein Angestellter den Mut aufbringe, den Arbeitgeber über sein psychisches Leiden aufzuklären.

Nachfrage nach Therapien steigt

Weltweit leiden immer mehr Menschen unter der Krankheit. Während sie derzeit auf Platz vier des Weltgesundheits-Barometers rangiert, dürfte sie bis 2020 schon an zweiter Stelle stehen, mutmasst die Weltgesundheits-Organisation WHO in einem Bericht.

Das bedeute aber nicht, dass die Krankheit in diesem Masse zunehme. Zunehmen würden vielmehr die diagnostizierten Fälle und die Nachfrage nach Therapien, sagt Lehmann.

Die traditionellen sozialen Bande – etwa die Familie – würden zusehends auseinanderbrechen. Mit der Folge, dass Einzelne in die Isolation – und damit in die Depression – getrieben würden. Diese Not manifestiere sich auch in steigenden Suizidraten und zunehmender Gewaltbereitschaft.

Da es nur neuere Studien über Depressionen gebe, könnten keine Vergleiche gezogen werden, sagt Pierre Schulz, Psychiater am Genfer Universitätsspital. Er bemängelt auch, dass es mit der Diagnostik noch im Argen liege – trotz der Fortschritte in der Hirnforschung.

Biologische Ursache

Verschiedene Studien zeigen auf, dass sich während einer Depression bestimmte Hirnfunktionen verändern. Diese beeinträchtigen Hinbereiche, die verantwortlich seien für Gefühle des Erfolgs und Misserfolgs, erklärt Schulz. Er wird in Genf während der «Internationalen Woche des Gehirns» über das Thema referieren.

Neue Erkenntnisse über die biologischen Ursachen der Krankheit haben es der Medizin erst ermöglicht, wirksame Medikamente zu entwickeln. Neben der Einnahme von Anti-Depressiva sei jedoch eine psychologische Behandlung der beste Weg, eine Depression zu behandeln, sagt Schulz.

Ausserdem könne durch die Pflege des eigenen Wohlbefindens einer Depression vorgebeugt werden. «Man muss Lösungen finden, um den öffentlichen und den familiären Druck zu verkleinern», betonen deshalb auch Oehninger und Lehmann.

Teure Depressionen

Die psychischen Krankheiten kosten die Schweizer Wirtschaft gemäss Studien jährlich mehrere Milliarden Franken. Neben den 66 000 psychisch kranken Bezügern der Invalidenrente müsse man auch Erwerbsausfälle infolge Abwesenheit bei der Arbeit, frühzeitige Todesfälle und die Gesundheitskosten für die Versicherungen berücksichtigen, sagt Lehmann.

swissinfo und Mélanie Sauvain (sda)

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