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Gipfel in Johannesburg soll Rio wieder ankurbeln

Bäume in Alaska, abgestorben vermutlich wegen der Klima-Erwärmung. swissinfo.ch

In Johannesburg, Südafrika, hat ein zehntägiger Weltgipfel über die nachhaltige Entwicklung begonnen.

Rund 60’000 Teilnehmende ziehen an diesem Treffen Bilanz über die zehn Jahre seit Rio. Ohne Illusionen und ohne Schwung.

«Wir machen uns nichts vor, der Geist von Rio ist geschwächt. Nun müssen wir dafür sorgen, dass er nicht ganz zusammenbricht.» Serge Chapatte, Vizedirektor der Schweizer Direktion für Entwicklungs-Zusammenarbeit und verantwortlich für die Verhandlungen auf Schweizer Seite, spricht Klartext.

Trotzdem bleibt er optimistisch: «Johannesburg ist eine Momentaufnahme. Wir müssen aber weiter sehen, langfristig denken. Die nachhaltige Entwicklung braucht zwangsläufig Zeit.»

Das Scheitern eines Jahrzehnts

Was bleibt denn wirklich vom Jahrzehnt seit Rio? Man ist nicht mehr mit dem Herzen dabei, die Bilanz ist ernüchternd: Der Welt geht es immer schlechter, die Hilfe an die Ärmsten ist erlahmt.

Die grossen Erklärungen und Versprechungen des Gipfels von 1992 haben kaum Taten nach sich gezogen. Der WWF International legt in seinem «Living Planet Report» Zahlen vor: Die Artenvielfalt ist um 22% zurückgegangen.

Und Madeleine Bolliger von der Arbeitsgemeinschaft der Schweizer Hilfswerke fügt hinzu: «Die 90er-Jahre haben der Welt mehr Ungerechtigkeit, mehr Armut und mehr Konflikte denn je gebracht.»

Was nützen Texte?

Trotzdem sind sich alle ziemlich einig, dass die Ideen von Rio nach wir vor gelten, und dass der Gipfel von Johannesburg nichts Neues bringen wird.

Immerhin erwarten einige, dass die Regierungen sich endlich entschliessen, nicht nur zu reden, sondern die Resolutionen von damals in die Tat umzusetzen.

Leider sind die Verhandlungen in der Sackgasse: In den Deklarations-Entwurf wurden vor allem Allgemeinplätze aufgenommen, und im Entwurf für das Aktionsprogramm hat es noch über 150 strittige Unterparagraphen.

Gewähren lassen oder regulieren

René Longet, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Umweltschutz, war in Rio und reist auch nach Johannesburg. Zwischen den beiden Anlässen habe sich die Welt stark verändert, sie sei nicht mehr so vorhersehbar wie nach dem Ende des Kalten Kriegs, betont er.

Longet weist auf die Debatte hin zwischen jenen, die alles laufen lassen wollen wie bisher, und jenen, die für Regulierung sind. Auf diesem Gebiet werde sich denn auch der Kampf in Johannesburg abspielen.

Wenn man den Leuten zuhört, welche die grossen UNO-Treffen von nah beobachten, dann muss nicht der Gipfel von Johannesburg gerettet werden, sondern jener von Rio, der vom endgültigen Schiffbruch bedroht ist.

Bernard Weissbrodt, swissinfo

Offizielle Bezeichnung: Weltgipfel zur nachhaltigen Entwicklung
Generalsekretär der Konferenz: Nitin Desai, Indien
Teilnehmende: Rund 50’000 Personen, darunter Staatschefs, Länder-Delegierte, NGOs, Wirtschafts-Vertreter, Wissenschafter sowie rund 10’000 Medien-Vertreter
Diskussions-Punkte: Schluss-Deklaration und Aktions-Programm
Schweizer Delegation: Geleitet von Aussen-Minister Joseph Deiss.

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