Hilfswerke für UNO-Beitritt
Für die Schweizer Hilfswerke ist ein Beitritt der Schweiz zur UNO "überfällig". Die langjährige Kooperation solle weiter gestärkt werden.
«Falls es die UNO nicht gäbe, hätte die Schweiz grösstes Interesse daran, die UNO zu gründen», sagte Nadine Keim, Leiterin Regionalbüro Westschweiz der Arbeitsgemeinschaft der grossen Hilfswerke am Dienstag an einer Pressekonferenz.
Die UNO sei der Rahmen, in dem sich Staaten darauf verpflichteten, Recht vor Gewalt zu setzen. Die Schweiz sei immer an der völkerrechtlichen Regelung zwischenstaatlicher Beziehungen und an der Stärkung der Menschenrechte interessiert gewesen. Die UNO sei die erfolgreichste Friedensstifterin der Welt. Ohne sie gäbe es noch mehr Unrecht, Verfolgung und Kriege.
Geistig bereits beigetreten
«Die Hilfswerke sind geistig schon lange der UNO beigetreten», sagte Peter Niggli, Geschäftsleiter der Arbeitsgemeinschaft Swissaid, Fastenopfer, Brot für alle, Helvetas und Caritas. Um die Armen dieser Welt wirksam zu unterstützen, gebe es schon heute eine bewährte Partnerschaft zwischen privaten Entwicklungs-Organisationen und der UNO als grösstem Hilfswerk der Welt.
Die meisten Organisationen würden in den Bereichen Wiederaufbau, Friedenssicherung, Nahrungsmittelhilfe, Gesundheit und Umwelt mit der UNO zusammenarbeiten. Hilfswerke profitierten bei ihrer Arbeit oft auch indirekt von der UNO und deren Infrastruktur beziehungsweise Schutz. Diese Partnerschaft gelte es mit einem Vollbeitritt zu stärken und abzusichern.
Mitarbeiten und mitbestimmen
Die Schweiz arbeite in allen UNO-Unterorganisationen mit und bezahle fast den vollen Beitrag. Als Nichtmitglied könne man aber in den Entscheidungs-Gremien der UNO nicht mitbestimmen. Diese Lücke gelte es nun zu schliessen, forderten die Hilfswerksvertreter.
In ähnlichem Sinne hatte sich bereits zu Jahresbeginn der Chef der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), Walter Fust, geäussert: Ein UNO-Beitritt würde der Schweiz mehr Einfluss auf entwicklungspolitische Entscheide der UNO geben.
Administrative Stolpersteine
Als grösste Schwierigkeit der Kooperation sehen die Hilfswerke gemäss einer Umfrage in ihren Reihen die Unterschiede zwischen Nichtregierungs-Organisationen und dem weltweiten UNO-System.
Sie beurteilen die UNO-Organisationen als administrativ schwerfällig und die Entscheidungs-Prozesse als zu lang. Auch die starke Konzentration auf die Nothilfe und die Abhängigkeit vom Goodwill der Mitgliedstaaten werden als wichtige Nachteile empfunden.
swissinfo und Agenturen
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