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Schneekanonen sei Dank!

Kunstwinter in manchen Teilen der Schweiz hält das Geschäft am Laufen. Keystone Archive

In diesem Winter hat es zum Verdruss der Wintersportler erst wenig geschneit. Prekär ist die Lage im Oberengadin und im Tessin.

«Ohne künstliche Beschneiung hätten wir keinen Meter Piste, und dies in der umsatzstarken Zeit von Weihnachten und Neujahr», sagte Urs Grimm, Geschäftsführer der Oberengadiner Bergbahnen. Es habe sich bestätigt, dass sich die Investitionen der letzten sieben Jahre in Schnee-Erzeuger lohnten.

An vielen Wintersportorten ist Kunstschnee nicht mehr wegzudenken. «Schneekanonen sind heute ein ‚Muss‘ für unsere Stationen», sagte Fulvio Sartori, Vizepräsident des Branchen-Verbandes Seilbahnen Schweiz, gegenüber swissinfo.

Hohe Kosten

Der Verbund der Oberengadiner Bergbahnen hat 180 Schneekanonen im Einsatz. Für einen Pistenkilometer betrage die Investition rund eine Million Franken, wobei dies nicht nur Schneekanonen, sondern auch die nötigen Wasserreservoirs, Installationen und Steuerungsanlagen umfasse, erklärte Grimm. Die Betriebskosten betrügen für eine Saison bei normalen Bedingungen rund 30’000 Franken pro Pistenkilometer.

Doch so wenig Schnee wie in diesem Winter habe es in der Geschichte der Bergbahnen im Oberengadin noch nie gegeben. Die Betriebskosten lägen in diesem Winter voraussichtlich mindestens doppelt so hoch. Insgesamt fielen voraussichtlich 1,5 Mio. bis 2 Mio. Franken zusätzliche Kosten allein für die künstliche Pistenerstellung an.

Eine schwere Kostenlast, notabene zu tragen von einer Branche, die notorisch unter Geldnot leidet. Tatsächlich seien Schneekanonen beträchtliche Investitionen, räumt Sartori ein. Die Seilbahnen müssten zwar sparen, beim Kunstschnee gehe dies aber schlicht und einfach nicht.

Die Bergbahnen profitieren davon, dass sich die einst harten Fronten in der Auseinandersetzung um den Einsatz von Kunstschnee aufgeweicht haben. Wintersportlerinnen und -sportler bringen den einst umstrittenen Kanonen weit mehr Goodwill entgegen, als dies noch vor ein paar Jahren der Fall war. «Unsere Branche hat gezeigt, dass auch wir an die Ökologie denken», erklärte Sartori. Ohne Umweltverträglichkeits-Prüfung gehe heute auch in der Seilbahn-Branche nichts mehr.

Tessiner Anlagen geschlossen

Praktisch einen Totalausfall verbuchen die Tessiner Wintersportorte. So liegt auf dem Monte Tamaro kein Schnee, für einen Skibetrieb ungenügend ist die Schneedecke auch in Airolo. Und die grosse Trockenheit behindert den Einsatz von Schneekanonen.

Auf solche angewiesen ist im Moment auch das südliche Wallis, so etwa Zermatt. Frau Holle nachgeholfen werde auf Hauptpisten sowie an windexponierten Stellen, sagte Sandro Perren von den Bergbahnen Zermatt. Wo keine «Schneeerzeuger» seien, hätten Pisten teilweise geschlossen werden müssen.

In Nendaz haben die Bergbahnen 32 Schneekanonen eingesetzt, was seit November zwischen 150’000 und 200’000 Franken gekostet habe, sagte Frédéric Glassey von Télénandaz.

Besser auf der Alpennordseite

Weniger sorgengeplagt um die weisse Pracht sind Tourismus-Verantwortliche auf der Alpennordseite. Aber auch hier ist gemäss Meteorologen ausser einem Schäumchen am Montag kein weiterer Schneefall in Sicht.

Laut dem Pistenchef der Firstbahnen in Grindelwald im Berner Oberland, Rudolf Kaufmann, wären in dem Gebiet ohne Schneekanonen rund ein Drittel der Pisten geschlossen, vor allem Talabfahrten.

«Gold wert» waren die Beschneiungs-Anlagen in den letzten Tagen auch für die Bergbahnen Sörenberg (LU). So habe zum Saisonbeginn mit dem ersten Schnee eine sehr gute Grundlage gelegt werden können, sagte Sprecher Karl Lustenberger. Talabfahrten wären sonst teilweise geschlossen.

Entscheidend seien für die künstliche Beschneiung drei Faktoren: Lufttemperatur, Temperatur des benutzen Wassers sowie die Luftfeuchtigkeit. Dabei gelte, je tiefer desto besser. Im Moment sei die Lage diesbezüglich optimal.

Kaum Schneeprobleme kennt zur Zeit – wie viele Ostschweizer Sportorte – Flumserberg (SG). Nächste Woche würden die Schneekanonen aber wieder angeworfen, hiess es bei den dortigen Bergbahnen.

swissinfo und Agenturen

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