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Schweizer Urwald könnte grösser werden

Im Urwald "Bödmeren" im Kanton Schwyz ist die Natur noch sich selber überlassen. ZVG

Das Urwaldreservat Bödmeren im schwyzerischen Muotathal soll massiv erweitert werden. Wenn die Landsgemeinde der Oberallmend-Korporation am 21. Oktober 2001 dazu den Segen gibt. Entscheiden wird nicht die Naturliebe sondern das Geld.

Die Oberallmend-Korporation ist die grösste Waldbesitzerin der Schweiz. Dass ihr Wald unter Schutz gestellt wird, ist für die Korporation ein Geschäft. Sie erhält von der Stiftung Urwaldreservat Bödmeren für den Nutzungsverzicht eine jährliche Entschädigung von 80’000 Franken. Allerdings ist das schwer zugängliche Gebiet bis jetzt nicht genutzt worden und auch künftig wäre eine Nutzung kaum rentabel.

Grosser Ur-Wald

Das unwegsame Bödmeren-Gebiet liegt zwischen 1’350 und 1’680 Metern Höhe am Pragelpass. Es handelt sich um einen in seinem Aufbau und in seiner natürlichen Entwicklung von Menschen nie beeinflussten Wald.

Dank der Geologie konnte sich der Wald im Urzustand erhalten. Die zerklüftete Karstlandschaft eignete sich weder für das Herausziehen von Holz mit Pferden oder Ochsen noch für das Reisten (Niederrutschenlassen von Holz). Auch die Beweidung war nicht möglich. So blieb der Wald unberührt.

Grösster Fichten-Urwald Westeuropas

600 Hektaren umfasst die Bödmeren insgesamt. 1971 wurden 4,8 Hektaren (1 Hektare = 100 Aren und 1 Are sind 100 Quadratmeter) zum Waldreservat erklärt. 1983 folgte die Ausdehnung auf 70 Hektaren. Der Fichten-Urwald macht rund 43 Hektaren aus. Auf 20 Hektaren stocken Föhrenreliktbestände und Birken. Auf etwa 7 Hektaren leben botanisch wertvolle Pflanzengesellschaften.

Ermöglicht wird die Erweiterung insbesondere durch ein zinsloses Darlehen der Luzerner Albert Koechlin Stiftung (AKS) von 1,25 Mio. Franken. Zusammen mit dem Kapital der Urwald-Stiftung und Beiträgen des Bundes und des Kantons Schwyz stehen 2,5 Mio. Franken zur Verfügung. Aus deren Zinsertrag kann die Entschädigung für die Korporation bezahlt werden.

Die Erweiterung des Urwaldreservates steht im Zusammenhang mit dem Ziel des Bundes, in den nächsten 30 Jahren zehn Prozent der Waldfläche der Schweiz als Reservate zu sichern. Allein der Kanton Schwyz will bis 2005 total 2’700 Hektaren Waldreservate schützen.


Nach Angaben des WWF sind in Westeuropa nur noch 0,2% aller Waldbestände Urwald und 0,7% urwaldähnlich. In der Schweiz ist an rund 40 Stellen – fast nur im Gebirge – naturnaher Wald zu finden mit einer Gesamtfläche von 86’000 Hektaren (7,2 Prozent der gesamten Forstfläche).

swissinfo und Agenturen

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