Schwierige Winteröffnung
Der Kanton Tessin hofft, dass der Gotthard-Strassentunnel zu Weihnachten für Personenwagen wieder befahrbar ist. Doch die Probleme sind gewaltig.
Die guten Vorsätze sind das eine, die Realität das andere. Dies wurde schnell klar, als diese Woche der erste Schnee über dem Gotthard niederging. Aus Sicherheitsgründen ist die Passstrasse von 18 Uhr abends bis 8 Uhr morgens für jeglichen Verkehr gesperrt worden.
Die Kantone Uri und Tessin wollen keine Risiken eingehen, aber trotzdem versuchen, die Verbindung über die Passstrasse, wenn immer möglich, zu garantieren, zumindest für Personenwagen und Zugfahrzeuge von Sattelschleppern ohne Anhänger. Darauf einigten sich die Urner und Tessiner Kantonsregierungen am Mittwochabend bei einem Treffen in Airolo.
Die Kantone stimmten auch überein, dass der Bund die zusätzlichen Kosten für die Winteröffnung bezahlen soll. Es braucht Räumfahrzeuge und Personal. Die Verkehrsverbindung über den Pass sei im Interesse der ganzen Schweiz, begründete der Tessiner Bau- und Umweltdirektor Marco Borradori in Bellinzona dieses Begehren.
Skepsis bei Experten
Dank eines ausgesprochen freundlichen Spätherbstes war der Pass bisher problemlos zu bewältigen. Die eigentlich auf Anfang Woche vorgesehen Wintersperrung konnte hinausgezögert werden.
Skepsis herrscht aber bei den Experten, ob eine längere Winteröffnung überhaupt möglich sein wird. Die Passhöhe versinkt gewöhnlich unter einer meterhohen Schneedecke, insbesondere die Südseite des Passes ist Dutzenden von Lawinenzügen ausgesetzt. Problematisch ist zudem der Wind, der auch bei geringen Schneemengen schnell zu Verwehungen führen kann.
Um die Sicherheit am Pass zu gewährleisten, die neben den Transitreisenden auch die Strassenräumer mit ihren Schneefräsen betrifft, wird ein Experte des Eidgenössischen Instituts für Schnee- und Lawinenforschung in Davos an den Gotthard abkommandiert. Er bildet zusammen mit je einem Vertreter der Baudepartemente Uri und Tessin eine Dreierkommission, welche über die Öffnung entscheidet.
Wie wichtig die Übereinstimmung der beteiligten Kantone bei einer Passöffnung im Winter ist, hat das Beispiel des Lukmanier gezeigt. Erstmals haben Graubünden und Tessin vergangenes Jahr die Winteröffnung angestrebt, doch der Südkanton war wesentlich vorsichtiger als sein nördlicher Nachbar. Streit war die Folge.
Trotzdem ist der Lukmanier-Pass im letzten Winter zwischen November und April 65 zusätzliche Tage befahrbar gewesen. Die Kosten von 750000 Franken teilen sich zu je einem Drittel die Kantone Tessin und Graubünden sowie die Vereinigung Pro Lukmanier.
Gerhard Lob, Locarno
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