Sommerflaute bei Blutreserven
Im Juli und im August herrscht auch bei den Blutreserven der Spitäler Sommerflaute. Grund dafür sind fehlende Spender, wie der Direktor des SRK-Blutspende-Diensts, Rudolf Schwabe, sagte. Bei einem Notstand können aber, wie letzte Woche in St. Gallen, genügend Spendenwillige mobilisiert werden.
Schon seit Jahren werden die roten Blutkörperchen im Juli und Anfang August knapp. Einerseits könne dies durch Ferien-Abwesenheiten von potenziellen Blutspendern begründet werden, sagte Schwabe. Andererseits fehlten für die mobile Equipe oftmals entsprechende Gebäude. So seien beispielsweise Schulhäuser von Gemeinden in den Sommerferien ebenfalls geschlossen. Während dieser Zeit müssten eben die Reserven vermehrt regional verschoben werden. Darauf werde aber wenn immer möglich verzichtet, weil die Kühlkette von konstant vier Grad nicht unterbrochen werden dürfe, sagte Schwabe. Momentan sei die Lage angespannt, es könne aber in Notfällen reagiert werden. Für absolute Notfälle können das Blutspendezentrum und deren 13 Regionalzentren zusätzlich auf zehn Prozent der in den Spitälern gelagerten Blutkonserven zurückgreifen. In ganz dringenden Fällen werden die Menschen über die Medien zu Blutspenden aufgefordert.
Gesamtschweizerisch sei dies das letzte Mal während der Grippewelle im Januar 2000 geschehen. Der Blutspendedienst sei aber zurückhaltend mit solchen Aufrufen: «Wir wollen einen ‚Hab-ich-auch-schon-gehört-Effekt‘ vermeiden,» sagte Schwabe. Momentan würden aber keine Spenden gebraucht. Blutkörperkonserven seien nur sechs Wochen haltbar, das Plasma aber könne zwei Jahre lang tiefgekühlt aufbewahrt werden.
Aufruf in St. Gallen mobilisierte 260 Spender
Ein Blutspende-Aufruf wegen mangelnder Konserven mobilisierte am vergangenen 31. Juli in St. Gallen 260 Spender. Am Freitag zuvor hatte eine auf den Montag angesetzte Operation wegen fehlenden Blutkonzentraten um eine Woche verschoben werden müssen. Für die Operation wären 40 bis 60 Konzentrate gebraucht worden. Das Kantonsspital St. Gallen verfügte aber nur noch über 99 Konserven. Damit hätte bei aktuellen Ereignissen nicht mehr reagiert werden können, sagte der Leitende Arzt des regionalen Blutspende-Dienstes, Markus Fopp. Normalerweise verfüge das Kantonsspital über 250 Konserven der weit verbreitetsten Blutgruppe. 40 bis 60 Blutkonserven würden etwa für eine Leber-Transplantation oder Mehrfachverletzte von Unfällen gebraucht. Zum Vergleich: Eine Nieren-Transplantation könnte ohne Blutkonserven auskommen, eine Bypass-Operation am Herz mit drei bis fünf, und für eine Hüftgelenk-Operation würden etwa zwei gebraucht.
Jährlich nehmen die Spitäler Blut von 480’000 Spendern entgegen, täglich sind es etwa 2’000 Spendewillige. Pro Spende wird dem Betreffenden gut 0,45 Liter entnommen, die etwa zu gleichen Teilen zu roten Blutkörperchen und Blutplasma verarbeitet werden.
swissinfo und Agenturen
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