Teurer Schnee
In den Schweizer Alpen fällt auch aus dem blauen Himmel viel Schnee. 14,7 von insgesamt 220 km2 Pistenfläche werden diese Saison künstlich präpariert.
Rund sieben Prozent der gesamten Pistenfläche, etwas mehr als in der vergangenen Wintersaison, werden künstlich beschneit. Im Vergleich zu Österreich ist das wenig, denn im Nachbarland kommen laut dem Leiter des Pressedienstes Seilbahnen Schweiz (SBS), Felix Maurhofer, auf rund 30 Prozent der gesamten Pisten Schneekanonen zum Einsatz. Die Schweiz sei da restriktiver. Dennoch habe ein Sinneswandel stattgefunden.
Teurer Schnee
Die technische Beschneiung werde heute hauptsächlich durch die Wirtschaftlichkeit limitiert, so Maurhofer. Die Baukosten der Beschneiungs-Anlagen schlagen mit rund einer Mio. Franken pro Pistenkilometer zu Buche. Hinzu kommen je nach Länge der Saison rund 30’000 Franken Betriebskosten pro Kilometer.
Das kleinere Übel
Nach wie vor ein ökologisches Thema sind die Schneekanonen aber für die Umweltschutz-Organisation WWF. «Die Beschneiungsanlagen sind noch immer das Zeichen eines gestörten und respektlosen Umgangs mit der Natur», sagt Andreas Weissen, der Leiter des WWF-Alpenprogrammes.
Bei der Erstellung der Anlagen, die mit massiven Landschaftseingriffen verbunden seien, handle es sich um ein hilfloses Aufbäumen gegen den Klimawandel. Gemäss Weissen sind die Schneekanonen verglichen mit den Erweiterungen von Skigebieten sowie den geplanten neuen Skigebieten jedoch ein vergleichsweise kleines Übel.
Notwendige Starthilfe
Der Einsatz von Schneekanonen ist laut Mauerhofer gerade in den Auftaktwochen der Skisaison notwendig. «Im Moment hat es zwar Schnee oberhalb von 1500 Metern, ohne künstliche Beschneiung könnten die Bahnen den Betrieb jedoch gar nicht aufnehmen.»
Auch das Lauberhorn-Rennen bei Lauterbrunnen (BE) könne ohne Beschneiungs-Anlagen nicht stattfinden, sagt Beschneiungschef Hans Ammeter. 14 Anlagen für rund fünf Kilometer Piste seien in Betrieb. Jede der Maschine benötige je nach Temperatur rund 200 bis 600 Liter Wasser pro Minute.
Eiskugeln statt Kristall-Flocken
Gemäss Veronika Stöckli vom Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos ist Kunstschnee härter und fällt dichter als Naturschnee. Zudem sei die einzelne Flocke kein Kristall sondern eher einer kleinen Eiskugel ähnlich. «Während sich der natürliche Schnee im Fallen mit schmutzigen Luftpartikeln verbindet, besteht Kunstschnee aus Wasser mit vielen Mineralien», sagte Stöckli.
Agressive Regelmässigkeit
«Mit künstlichem Schnee präparierte Pisten sind aggressiver», sagt Philippe Chevallier, der Ausbildungs-Verantwortliche von Swiss Ski. Teilweise verbrenne beim Fahren auf Kunstschnee sogar der Skibelag. Gleichzeitig bremse er jedoch ein wenig stärker als Naturschnee. Vorteilhaft ist gemäss Chevallier besonders die Regelmässigkeit des künstlich erzeugten Schnees.
swissinfo und Agenturen
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