Verbesserte Integration von Flüchtlingen
Die Schweiz will die Integration von Flüchtlingen fördern. Grundlage dazu ist der erste Bericht zur "Integration der anerkannten Flüchtlinge".
Der erste Bericht zur Integration der Flüchtlinge in der Schweiz liefert Ergebnisse, die nicht nur Probleme, sondern auch Potenziale aus der Flüchtlings-Perspektive aufzeigen. Den Bericht stellten das Bundesamt für Flüchtlinge (BFF) und die Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH) am Donnerstag in Bern den Medien vor.
Die Vielzahl von Hinweisen, Einschätzungen und Empfehlungen, welche die SFH als Fachorganisation aus der Perspektive der Flüchtlinge formuliert hat, richtet sich an alle Partner, die in Integrations-Bereichen tätig sind. Der Bericht kann auch für die Weiterentwicklung von Integrations-Massnahmen von Bedeutung sein.
Das BFF hat die SFH im Rahmen des Zusammenarbeits-Vertrages beauftragt, alljährlich einen Bericht zur Integration der Flüchtlinge in der Schweiz zu erstellen. Damit soll eine umfassende und kontinuierliche Berichterstattung von aussen in die Wege geleitet werden. So werden auch Vorschläge ermöglicht, welche die Integrations-Leistungen der Flüchtlinge unterstützen und fördern.
Prioritäre Massnahmen
Das BFF legte im Einzelnen dar, welche Empfehlungen aus dem ersten Bericht gegenwärtig prioritären Charakter erhalten. In folgenden Bereichen sollen Massnahmen zur Stärkung der Eigenverantwortung und Initiative der Flüchtlinge ergriffen werden: Information, Koordination, Vernetzung; Statistik, Controlling; berufliche Eingliederung; Sprachförderung; traumatisierte Flüchtlinge.
Das BFF wird mit den Kantonen sowie den übrigen Partnern, die im Bereich Integrationspolitik Verantwortung tragen, die notwendigen Entscheide treffen, um die Integration der Flüchtlinge in der Schweiz zu fördern.
Besondere Schwierigkeiten für Musliminnen
Ein grosser Teil der Flüchtlinge in der Schweiz kommt aus dem islamischen Kulturraum, davon am meisten aus der Türkei, aber auch aus Irak und gewissen Balkan-Staaten. Im Rahmen des Familien-Nachzuges sind auch viele Frauen dabei.
Gerade Frauen aus dem islamischen Raum hätten im Integrations-Prozess besondere Schwierigkeiten, sagt Sabine Schoch von der SFH, Autorin des Integrations-Berichtes, gegenüber swissinfo. Dies, weil sie hier mit einem anderen Konzept des Geschlechter-Verhältnisses konfrontiert würden.
Sabine Schoch, die für die SFH Integrations-Projekte überprüft, erwähnt das Beispiel von frauenspezifischen Integrations-Programmen: Muslimische Frauen hätten oft Mühe, an solchen teilzunehmen, weil sie es gegenüber ihren Ehemännern nicht rechtfertigen könnten.
Frauenspezifische Projekte
Es gebe frauenspezifische Projekte, die auf eine Stärkung der Ressourcen der Frauen ausgerichtet seien. Verbunden damit seien auch Deutsch- oder Alphabetisierungs-Kurse. Dabei würden diese Frauen innerhalb eines geschützten Rahmens, innerhalb eines Zentrums oft eigene Initiativen auf die Beine stellen, einen Workshop organisieren, einen Treffpunkt errichten, sagt Sabine Schoch.
Allerdings seien die mit Bundesgeldern finanzierten Angebote der Integrations-Förderung allgemein wenig auf muslimische Frauen und deren Bedürfnisse (geschützter Rahmen, Möglichkeit der Kinderbetreuung, etc.) ausgerichtet, räumt Sabine Schoch ein. Dies betreffe vor allem auch die Sprachförderung.
Nach Ansicht von Sabine Schoch müsste die Stossrichtung der Projekte zum Teil verändert werden. Mit den vorhandenen Mitteln könnte man vermutlich mehr herausholen, wirksamer Integration fördern und die Flüchtlinge selber einbeziehen bei den ganzen Entscheidungs-Prozessen. Ihre Mitwirkung und die Stärkung ihrer Ressourcen seien ein wichtiger Teil zur Integration der Flüchtlinge.
Über die Wirkung der verschiedenen Integrations-Instrumente, die das BFF entwickelt hat, könne man noch nicht viel sagen. Erfahrungswerte – mit durchaus guten Ergebnissen – seien zwar da, für gesicherte Werte sei es jedoch noch zu früh, erklärt Sabine Schoch. «Wir sind daran, eine Evaluation einzuführen bei den Integrations-Projekten; und da sind dann erstmals ab 2003 Resultate vorhanden aufgrund dieses Controlling Instrumentes.» Mehr zu wissen über die Auswirkungen der Projekte: das sei auch das Ziel des Zusammenarbeits-Vertrages zwischen BFF und SFH.
Politische Aktualität zeigt Auswirkungen
Im Bericht werde erwähnt, dass das Bild von Flüchtlingen, das in der Schweiz «herumgeistere», oft von Clichés und Vorurteilen geprägt sei. «Ein Umstand, der von bestimmten politischen Gruppierungen dann missbraucht wird», meint Sabine Schoch gegenüber swissinfo. Dazu komme gerade heute, nach all den Ereignissen der letzten Monate, eine diffuse Angst vor muslimischen Flüchtlingen. Das müsse ernst genommen werden, und deshalb sei Sensibilisierungs-Arbeit ein wichtiger Punkt der Empfehlungen im Bericht.
Integration politisch salonfähig
Die Autorin des Berichtes erinnert daran, dass Integrationspolitik auf der politischen Agenda der Schweiz seit einigen Jahren ziemlich oben stehe. Von der Eidgenössischen Ausländer-Kommission seien im letzten Jahr wichtige Grundpfeiler eingeschlagen worden, wie die Integrations-Programme für Ausländerinnen und Ausländer allgemein. «Also da gibt es ja ganz konkrete Anzeichen, dass das Thema der Integration politisch schon seit längerem salonfähig ist.»
Jean-Michel Berthoud
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