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Viva die deutsche Sprache – partout

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Alle vier Jahre treffen sich Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer aus aller Welt, heuer in Luzern (30.7. - 4.8.). Das Motto heisst: Die Mehrsprachigkeit ist in der Schweiz bestens aufgehoben. Nebst Fachlichem bietet ein reichhaltiges Kulturprogramm für Alle etwas.

«Du schprech Deutsch», oder «Lern Schwiiz», oder «Yah man, krass, konkret geil», dies Zitate aus dem gesprochenen Alltag. Ebenfalls deutsch schreibt der Duden, Standartwerk zu allen Fragen der Rechtschreibung. Dort heisst es beispielsweise: «Bei gleichrangigen Teilsätzen, die durch und, oder usw. verbunden sind, kann man ein Komma setzen, um die Gliederung des Ganzsatzes deutlich zu machen.»

Deutsche Sprache, schwere Sprache – was seit langem gültig ist, ist immer noch wahr. Wer die deutsche Sprache erlernen will, braucht einen langen Atem, viel Geduld und: einen Duden. Dennoch, der Umgang mit der deutschen Sprache (mit Sprachen im Allgemeinen) wandelt sich, und die Vielsprachigkeit wird zu einem Gut, dessen Reichtum entdeckt und gefördert wird.

Natürlich beklagen manche den Verlust der reinen Hochsprache, klagen den Gebrauch von Anglizismen, Kürzeln, Helvetismen an, monieren den Zerfall der Rechtschreibung. Viele haben Angst, dass in den mehrsprachigen Schulklassen die deutsche Sprache immer mehr an den Rand gedrängt wird. Und eine pädagogische Rekrutenbefragung aus dem Jahre 1994 brachte zutage, dass die deutschsprachigen Kenntnisse der Westschweizer (Frauen wurden nicht befragt), etwa gleich schlecht sind wie die französischen der Deutschschweizer.

Sprachzerfall?

Aber stimmt das wirklich, oder wird hier einmal mehr der Sprachzerfall – seit Babylon ein Thema – heraufbeschworen? Sprechen die Einen von Verlust, reden die Anderen von Panikmache. Denn die Kommunikations-Fähigkeit von Schülern und Schülerinnen ist heute um einiges grösser als zu Grossmutters Zeiten.

Natel, Internet und DVD verändern den Alltag und den Gebrauch der Sprache. Sie bringen jedoch auch neue, kreative Formen ins grosse Reich der Buchstaben. Und gerade Kinder und Jugendliche zeigen einen unbefangenen, neugierigen Gebrauch mit den neuen Medien. Und die Orthographiefehler haben, gemessen an der Anzahl geschriebener Wörter, nicht signifikant zugenommen, wie zu vernehmen ist.

Die Sprache lebt

Dazu Monika Clalüna, Mitglied der Kongressleitung in Luzern: «Es gilt die Vielfalt zu pflegen, weg vom Perfektionismus, hin zur Kommunikation. Sprache lebt, verändert sich laufend, durchdringt sich. Neue Wörter werden aufgenommen, andere veralten. Das war schon immer so und wird gerne vergessen. Denken wir nur an Sofa, ein Wort aus dem Arabischen, heutzutage bestens in die deutsche Sprache integriert».

Und die vielzitierten mehrsprachigen Kinder, die keine Sprache mehr richtig sprechen? Monika Clalüna: «Das Klischee der überforderten Kinder. Wichtig ist, mehrsprachige Kinder nicht zu stigmatisieren, das Gute fördern, Synergien nutzen, die Kreativität der Sprachen herausheben. Natürlich müssen Abgrenzungen benannt, die Vielfalt strukturiert werden. Aber die Sprachvermittlung sollte vermehrt auf dem Allgemeinen aufbauen, als im Erlernen der Ausnahmen».

Der Europarat – die Schweiz ist Mitglied – möchte, dass jedes Kind mindestens drei Sprachen lernt. Die erste in seinem nächsten Umfeld (Familie), die zweite in seiner näheren Umgebung (Land) und die dritte sollte eine internationale Sprache sein.

Pudels Kern

Die XII. Internationale Tagung der Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer, unterstützt durch das Goethe-Institut Inter Nationes, den Kulturbeirat Liechtensteins, der OEDAF/Kultursektion Österreichs und der Pro Helvetia, Schweiz machen Luzern nun während einer Woche zum mehrsprachigen Kulturzentrum.

Rundgänge, Lesungen, Filme, Konzerte, Theater, Ausstellungen das kulturelle Programm, ebenso das Fachprogramm in Luzern kann sich sehen lassen. Wahrscheinlich wird dem Rudel Pudel und ihren Kernen nicht vollständig auf die Spur zu kommen sein, lustvoll deutsch wird es allemal.

Brigitta Javurek

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