Wenn die Fünfte Schweiz zusammenrückt…
Davos - die diesjährige Hauptstadt der Ausland-Schweizer und -schweizerinnen: Hier trifft sich, wer ausgewandert ist. Hier wird über Kranken-Kassen diskutiert, über den Euro, die Expo.02 und die Schweizer Schulen. Doch wichtiger ist die Geselligkeit. Ein Stimmungsbild aus Davos.
Die Wolken jagen sich, Sonne löst den Regen ab. Auf dem Programm: 18.00 Gruppenbild im Kurpark des Kongress-Zentrums (nur bei schönem Wetter). Minuten zuvor öffnet sich der Himmel, die rund 150 anwesendenden Ausland-Schweizerinnen und Auslandschweizer strömen in den Park.
Auf einer hohen Leiter balanciert der Fotograf, brüllt heiser Befehle: Aufschliessen, mehr nach links, näher rücken! Plaudernd, lachend, händeschüttelnd ignorieren die Damen und Herren den schwitzenden Bildchronisten, bewegen sich aber trotzdem langsam in die richtige Richtung.
Es blitzt unzählige Male: Der Fotograf ist zufrieden. «Cheese», «Sex» tönt es von der Leiter herab, «Cheese», «Sex» echot es vom Boden. Stramm lächeln sie in die Kamera, bewundern vielleicht die Schäfchenwolken, die den Mann auf der Leiter umrahmen. Die Leiter wackelt Besorgnis erregend.
Manch eine Dame setzt auf der Foto einen farbigen Tupfer: Hier ein türkisblauer Blazer, da ein lilafarbenes Deux-piece, dort rote Haare. Auffallend ist auch jener junge Mann in seiner Schweizer Armeeuniform. Auf seinem Schildchen steht sein Name und seine Heimat: Kenia. Aber es ist die graue Farbe, die dominiert. Graue Anzüge, graue Haare: Das Durchschnitts-Alter der anwesenden Fünften Schweiz ist hoch.
Für den Einen oder die Andere ein Grund zur Sorge: Die erste Generation der Ausgewanderten kommt in die Jahre, die Zweite spricht die Landessprachen nicht mehr oder nur mehr wenig. Dadurch verliere die Fünfte Schweiz an Bedeutung, ist ein Weitgereister überzeugt. In Neuseeland, seiner neuen Heimat, interessiere die Schweiz die Jungen nicht mehr, bedauert er. Würden Abstimmungsbotschaften und Informationen an Auslandschweizerinnen und -schweizer auch in englischer Sprache abgegeben, könnte man diesen Negativtrend vielleicht bremsen.
Doch mit solch ernsten Themen will man sich nicht lange beschäftigen. Der Apero wartet, die Musik spielt auf. Geselligkeit ist zentral, das Wiedersehen mit alten Freunden und Bekannten Hauptsache in Davos.
Rebecca Vermot, Davos
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