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ASO Deutschland Jetzt muss die Ex-Präsidentin wieder ran

Annemarie Tromp

Annemarie Tromp, Ärztin und Präsidentin der ASO Deutschland.

(Annemarie Tromp)

Das Ehrenamt kostete zu viel Zeit: Annemarie Tromp, 2017 zur jungen Präsidentin der Auslandschweizer-Organisation Deutschland (ASO) gewählt, gibt unerwartet vorzeitig ihr Amt auf. Zurück kehrt derweilen ihre Vorgängerin Elisabeth Michel.

Eigentlich sollte Tromps Wahl auf der Jahrestagung der ASO im Mai 2017 den Generationswechsel einleiten. Die 1981 geborene Ärztin löste damals Elisabeth Michel ab. Die hatte zu dem Zeitpunkt bereits zwanzig Jahre lang die Dachorganisation der deutschen Auslandschweizer-Vereine geleitet – zuletzt auch aus Mangel an personellen Alternativen. Fast erleichtert hatte sie ihr Präsidentenamt in Berlin in neue Hände gelegt und, wie sie in diesen Tagen bekennt, “irgendwie auch damit abgeschlossen“. Doch nun braucht die ASO eine neue Präsidentin. Also muss die 1948 geborene Wahl-Osnabrückerin zurück ans Ruder.

"Ich will ihn (Max Hausammann, N.d.R.) nicht im Stich lassen, weil ich ihn sehr schätze." Elisabeth Michel

Ende des Zitats

Weniger aus persönlichem Ehrgeiz, denn aus formeller Notwendigkeit. Der zwanzig Jahre jüngere Max Hausammann, seit 2017 Vize-Präsident der ASO, wäre durchaus bereit gewesen, die durch Tromps Rückzug entstandene Lücke übergangsweise zu füllen. Laut Vereinsstatuten dürfen jedoch nur jene, die mindestens eine volle Amtsperiode von vier Jahren im Auslandschweizerrat (ASR) aktiv waren, das Präsidentenamt bekleiden. Hausammann wurde 2017 in den ASR delegiert, Elisabeth Michel bereits 1989. Sie blieb nach Auslotung aller Möglichkeiten als einzige, um in der Übergangszeit bis zur nächsten offiziellen Wahl 2021 einzuspringen.

Das tue sie auch Max Hausammann zuliebe, so sagt sie, den sie einst von der Mitarbeit in der ASO überzeugte und der seither viel Zeit in die Organisation investiert hat. “Ich will ihn nicht im Stich lassen, weil ich ihn sehr schätze“, sagt Michel am Telefon. “Und jetzt freue ich mich auch schon wieder auf die Aufgabe.“ Zumindest weiss sie sehr genau, was sie erwartet.

Ernüchternde Erfahrungen im Ehrenamt

Hausammann betont im Gespräch mit swissinfo.ch, dass Annemarie Tromp allein aus Gründen der zeitlichen Überbelastung zurücktrete. Die Zusammenarbeit sei stets gut und eng gewesen, ihre Arbeit “engagiert und kompetent“. Ihr Rücktritt offenbart ein grundsätzliches Dilemma: Auf der einen Seite arbeitet die ASO-Deutschland mit Nachdruck an ihrer Verjüngung und hat diese während der letzten Wahlen 2017 auch eingeleitet. Damals wurden neben Tromp auch zwei neue Vize-Präsidenten und fünf neue Auslandschweizerräte gewählt – die nun allesamt noch nicht lange genug im Amt sind, um die Präsidentin zu ersetzen.

Tritt schon wieder zurück: Annemarie Tromp (rechts) gibt ihr Amt als Präsidentin der ASO Deutschland auf. Zurück kehrt ihre Vorgängerin Elisabeth Michel (links).

(muz)

Doch deren Erfahrungen sind ernüchternd: “Die zeitlichen Belastungen des Ehrenamtes sind für Leute, die beruflich engagiert sind und Familie haben, schwer zu stemmen“, sagt Max Hausammann. 48 Arbeitsstunden im Monat, so schätzt er, setze er als Vize-Präsident freiwillig und unbezahlt für die ASO ein. Mit einer vollen Berufstätigkeit sei das zeitlich noch aufwändigere Präsidentenamt nur schwer vereinbar, bestätigt Michel: "Ich hatte damals das grosse Glück, dass ich mir meine Zeit frei einteilen konnte."

Max Hausammann will daher darauf hinarbeiten, die anfallende Arbeit im Präsidium auf mehr Köpfe zu verteilen. Das könnte die Positionen attraktiver für potentiell Interessierte machen. Auch die zweite Vize-Präsidentin Kerstin Kunath hatte jüngst ihren Posten aus beruflichen Gründen aufgegeben. Für sie rückte Sonja Lengning nach.

Junge wollen sich selten festlegen

Im Falle der gewählten Auslandschweizerräte kommen finanzielle Abwägungen hinzu: Die Delegierten müssen die obligatorischen Reisen in die Schweiz aus eigener Tasche bezahlen. Zwar schiesst die ASO-Deutschland jährlich je 600 Euro Spesen zu. “Die Ausgaben liegen aber bei 2000 bis 3000 Euro“, schätzt Elisabeth Michel.

"Ich würde das nicht machen, wenn ich mich nicht weiterhin der Schweiz sehr verbunden fühlen würde." Max Hausammann

Ende des Zitats

Hausammann weist auf einen weiteren Punkt hin: Anders als früher seien viele Auslandschweizer in ihren 20ern und 30ern noch nicht bereit, sich dauerhaft niederzulassen und langjährige Verpflichtungen in Vereinen einzugehen. “Ist ein auf vier Jahre angelegtes Präsidentenamt da noch zeitgemäss?“ gibt er zu bedenken. Er will anregen, darüber auf der nächsten Mitgliederversammlung im Mai 2020 in Düsseldorf zu diskutieren und gegebenenfalls auch schon abstimmen zu lassen. Vielleicht helfen ja kürzere Amtszeiten bei der Rekrutierung von Nachwuchs. Und selbst wenn die Bereitschaft zum Ehrenamt vorhanden ist, spielt das Leben in jungen Jahren eben manchmal anders als geplant. Tromps zweiter Vizepräsident Lukas Bucheli zog beruflich nach Asien weiter und musste sein Amt aufgeben.

Auslandschweizerrat (ASR)

Der Auslandschweizerrat ist ein 140-köpfiges Gremium, das zweimal jährlich in der Schweiz tagt und alle vier Jahre neu gewählt wird. In ihm sitzen Delegierte von Auslandschweizer-Organisationen aus der ganzen Welt sowie im Inland lebende Schweizer, die mit der Fünften Schweiz in Beziehung stehen. Der Rat vertritt die Interessen aller im Ausland lebenden Schweizer gegenüber Behörden und der Öffentlichkeit in der Schweiz und wird häufig als “Parlament der Fünften Schweiz“ bezeichnet. Mitglied der achtköpfigen deutschen Delegation ist auch der ehemalige Botschafter und ehemalige “Internationalrat“ Tim Guldimann. Elke Schwizer rückt für Annemarie Tromps ebenfalls aufgegebenen Platz im ASR nach.

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Rahmenbedingungen müssen sich ändern

Sprich: Die Rahmenbedingungen des Amtes müssen sich der veränderten Realität der Auslandschweizer anpassen. Das gilt auch für die Kommunikationsformen. Schon heute findet so manche Diskussion per skype statt. Was bleibt, sind die notwendigen persönlichen Voraussetzungen: Man brauche, so Hausammann, Teamplayer, die gut kommunizieren, präsentieren statt zu repräsentieren und denen ihr Bezug zur Schweiz wichtig ist. “Ich würde das nicht machen, wenn ich mich nicht weiterhin der Schweiz sehr verbunden fühlen würde“, sagt er. Wichtig sei die Arbeit der ASO in jedem Fall auch für die globalen Jungen, denn sie liefere unter anderem wertvolle und ganz praktische Informationen zum Leben im Ausland im Dschungel von Sozialversicherungen, Kontoregulierungen und E-Voting.

Derweil will Elisabeth Michel ihre erneute Präsidentschaft nicht als Rolle rückwärts verstanden wissen. Die Neuen hätten seit 2017 neue Wege eingeschlagen, an denen sie sich nun orientieren will. Sie drängt es nicht zurück in die erste Reihe. Wichtig ist ihr vor allem, dass wieder Ruhe einkehrt und die Organisation weiter auf soliden Füssen steht. Im Interesse aller, aber auch, weil sie ihr sehr am Herzen liegt. “Schliesslich habe ich zwanzig Jahre ehrenamtliche Arbeit in die ASO investiert.“

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