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Auch B-Probe von Radprofi Floyd Landis positiv

Langes Gesicht: Floyd Landis ist definitiv als Doping-Sünder entlarvt.

(Keystone)

Der Sieger der Tour de France war gedopt, wie die von Landis selber verlangte Gegenprobe ergab. Das Schweizer Phonak-Team hat seinen Leader umgehend entlassen.

Landis wird der Sieg an der Grande Boucle aberkannt und für zwei Jahre gesperrt werden. Er will weiter alles unternehmen, um seine Unschuld zu beweisen.

Der Welt-Radsportverband UCI bestätigte am Samstag, dass auch die B-Probe von Landis positiv ausgefallen ist. Damit ist das Resultat der A-Probe bestätigt: Landis wies nach seinem fast überirdisch anmutenden Solo-Sieg in der 17. Etappe der Tour einen zu hohen Testosteron-Wert auf. Erlaubt wäre ein Verhältnis von Testosteron zu Epitestosteron von 4:1. Landis wies aber ein solches von 11:1 auf.

"Landis wird fristlos entlassen, weil er den internen Ethik-Code der Mannschaft verletzt hat", stand umgehend auf der Internetseite der Schweizer Profi-Equipe Phonak, deren Kapitän Landis war.

Was macht Andy Rihs?

Landis hat das Recht, den positiven Befund des UCI anzufechten, was aber laut Phonak-Communiqué "Privatsache des Fahrers" ist. Teambesitzer und Phonak-Boss Andy Rihs, der sich mit dem Sieg seines Fahrers beim grössten und härtesten Radrennen der Welt einen Traum erfüllt hatte, will die Situation nun mit der Teamleitung analysieren.

Zusammen mit Teammanager John Lelangue will Rihs in der nächsten Woche an einer Pressekonferenz Stellung über das weitere Vorgehen beziehen. Möglich ist beispielsweise, dass Rihs sein Engagement im Radsport drastisch reduziert oder sich sogar ganz zurückzieht.

Wie gewonnen, so zerronnen

Gemäss Sanktionskatalog verliert der 30-jährige US-Amerikaner seinen jüngst errungenen Sieg an der Tour de France. "Floyd Landis ist nicht mehr Sieger der Tour de France 2006", erklärte Christian Prudhomme, Direktor der dreiwöchigen Rundfahrt, am Samstag.

Neuer Sieger ist der zweitplacierte Spanier Oscar Pereiro, der Deutsche Andreas Klöden rückt auf den zweiten, der Spanier Carlos Sastre neu auf den dritten Rang auf. Zudem wird Landis von der UCI für zwei Jahre gesperrt.

Vor juristischem Seilziehen

Aber auch mit dem nun erhärteten Dopingbefund steht der Fall Landis nicht vor dem Abschluss. Im Gegenteil. Der Fall geht nun vom internationalen an den amerikanischen Radverband über. Dieser wird ein Disziplinarverfahren gegen den fehlbaren Fahrer eröffnen.

In knapp drei Wochen wird sich dann das Review-Panel der Anti-Doping-Agentur der USA (USASDA) beide Seiten anhören und anschliessend eine Entscheidung treffen. Diese könnte Landis vor dem Internationalen Sportgericht (CAS) in Lausanne anfechten.

"Der heutige Entscheid ist erst der Beginn eines langen Prozesses. Wir rechnen frühestens im Dezember oder Januar mit einer endgültigen Entscheidung", betonte Landis-Anwalt Jose-Maria Buxeda.

Alle vorherigen Tests negativ

Landis selber war bereits nach Bekanntwerden der positiven A-Probe in die Gegenoffensive gegangen. Wie schon zahlreiche Doping-Betrüger zuvor hatte er erklärt, dass sein Körper natürlicherweise zu viel Testosteron produziere.

Gegen diese Version spricht aber, dass Landis in dieser Saison bisher über zehn Mal getestest worden ist. Allein an der Tour de France musste er vor der positiven Probe sechsmal zum Test antreten. Die Resultate waren durchwegs negativ.

"Ich werde kämpfen, um meinen Namen zu säubern. Ich habe bei der Tour de France nicht aufgegeben und werde jetzt auch nicht aufgeben. Ganz gleich, was die B-Probe aussagt", schrieb Landis auf seiner Internetseite.

Alte Methoden...

Der Fall Landis wird nicht nur die Juristen beschäftigen, sondern auch die Mediziner. Die Analysen zum Nachweis von Testosteron müssten verfeinert werden, fordert der Schweizer Martial Saugy, Leiter des akkreditierten Doping-Analyselabors in Lausanne.

Testosteron werde heute nicht mehr so massiv eingesetzt wie noch in den 1980er-Jahren, aus denen die Tests stammen. "Deshalb müssen wir die Strategie ändern, was Testosteron betrifft", so der Wissenschafter.

... rasch anpassen

Forschungen im Lausanner Labor hätten gezeigt, dass Körper von Athleten sehr unterschiedlich auf die externe Zuführung von Testosteron reagierten. Saugy fordert die Weltagentur gegen Doping (Wada) deshalb auf, ihre Methoden rasch anzupassen, um im Rennen zwischen Athleten und Testern Schritt halten zu können.

"Die Wada muss aktiver werden, so aktiv wie die Gegenseite. Sie muss neue Methoden einführen, damit die Sportverbände Doping effizienter bekämpfen können", sagte Saugy.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

In seiner siebenjährigen Geschichte gab es bei Phonak-Equipe bisher 14 Dopingfälle. Involviert waren neun Stars und fünf unbekanntere Fahrer.

2004 "traf" es nicht weniger als drei Phonak-Grössen: den Schweizer Oscar Camenzind, den Amerikaner Tyler Hamilton sowie den Spanier Santiago Perez.

Danach führte Phonak ein strenges Kontrollsystem ein. Die Dopingfälle rissen jedoch nicht ab. 2005 wurde der Spanier Santos Gonzales nach auffälligen Werten entlassen.

Am 2. Juni 2006 suspendierte das Phonak-Team Santiago Botero und den Giro-Zweiten José Enrique Gutierrez, wie später auch dessen Brunder José Ignacio Gutierrez, vom Rennbetrieb.

Der Kolumbier und die Spanier werden mit der spanische Dopingaffäre um Manolo Saiz und den Arzt Eufemiano Fuentes in Verbindung gebracht.

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Fakten

Das männliche Geschlechtshormon Testosteron wird natürlicherweise vom Körper produziert. Es stärkt die Muskelkraft, wird im Sport aber auch zur schnelleren Erholung eingesetzt.
Das Verhältnis von Testosteron zu Epitestosteron beträgt normalerweise 1:1 oder 2:1.
Beträgt das Verhältnis mehr 4:1, liegt Dopingverdacht nahe. Bei Landis betrug das Verhältnis 11:1.

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