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Fussball-WM 2026 in Los Angeles: Mit Kuhglocke und Schweizer Fahne in Koreatown

Micky Hohl mit seiner Partnerin
Micky Hohl mit seiner Partnerin Thelma in der Union Station in Los Angeles, wo sich der offizielle Fan-Zone-Standort für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026 befindet. zVg

Seit dem Start der Fussball-Weltmeisterschaft ist Los Angeles im Ausnahmezustand. Mittendrin: der Auslandschweizer Micky Hohl. Der 62-Jährige lebt seit fast vier Jahrzehnten in den USA, studiert heute Sozialarbeit und erlebt das Turnier in seiner Wahlheimat aus nächster Nähe.

Micky Hohl wollte die Schweizer Nationalmannschaft eigentlich im Stadion unterstützen. Doch als er die Ticketpreise sah, verging ihm die Lust. Über 500 Dollar kostete das günstigste Billet für das Schweizer Gruppenspiel in Los Angeles. «Da sitzt man fast in den Wolken», sagt der 62-Jährige und lacht. Das SoFi Stadium in Inglewood hat eine Kapazität von über 70’000 Personen – entsprechend weit weg vom Spielfeld sind die günstigsten Sitzplätze. Dazu kommen die hohen Ausgaben im Stadion selbst. «Da hat man schnell 600 bis 700 Dollar pro Person ausgegeben», so Hohl.

Ganz auf WM-Stimmung verzichten will er trotzdem nicht. Statt im Stadion wird er die Spiele wohl in seinem Quartier in L.A., in Koreatown verfolgen – ausgerüstet mit Schweizer Fahne und Kuhglocke – entweder an einem der kostenlosen Public Viewings oder in einem Lokal.

Die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft nahm Hohl in den Wochen vor Turnierbeginn zunächst nur punktuell wahr. Die Busse trugen Werbung für das Turnier, in den Geschäften standen Regale mit Fanartikeln, und an Automaten wurden spezielle WM-Tickets für den öffentlichen Verkehr verkauft.

«Ich weiss, an welcher Station man Tickets mit der Schweizer Nati drauf erhält», erzählt der Auslandschweizer. Die normalen wiederaufladbaren ÖV-Tickets seien jedoch viel günstiger. Trotzdem konnte er es nicht lassen und hat sich ein solches Schweizer WM-Souvenir doch noch gekauft.

Micky Hohl
Schliesslich hat er es doch noch gekauft: das ÖV-Ticket, das der Nati gewidmet ist. zVg

Je näher das Turnier kam, desto stärker spürte er die WM auch in seinem Quartier. Besonders aufgefallen sei ihm der nahe gelegene Liberty Park, eine der offiziellen Fan-Zonen für die Spiele. «Der Park war voller Putzteams, die jedes Detail gereinigt haben. So etwas habe ich in den 14 Jahren, in denen ich hier lebe, noch nie gesehen», erzählt Hohl.

Wenn die Schweizer Nationalmannschaft in Nordamerika antritt, jubeln ihr nicht nur angereiste Fans zu. Sie spielt auch vor vielen Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern, die in den USA und Kanada leben.

Swissinfo hat im Vorfeld der WM mit Schweizerinnen und Schweizern in San Francisco, Los Angeles und Vancouver gesprochen – drei Städte, in denen die Nati spielen wird. Wie erleben sie das Turnier in ihrer neuen Heimat? Und was bedeutet es für sie, die Schweiz plötzlich vor der eigenen Haustür spielen zu sehen?

Den Auftakt machte eine Schweizer Familie im Silicon Valley. Die nächsten Schweizer Gruppenspiele in Nordamerika:
Schweiz – Bosnien-Herzegowina, 18.06.2026, Los Angeles
Schweiz – Kanada, 24.06.2026, Vancouver

Vom Filmgeschäft an die Universität

Seit fast vier Jahrzehnten lebt er in den USA. Aufgewachsen im Aargauer Fricktal, zog er 1985 nach New York, um seinen amerikanischen Traum zu verfolgen. Er wollte im Film- und TV-Business durchstarten. «Den richtigen Durchbruch habe ich nie geschafft», erzählt Hohl. Nach vielen Jahren in New York führte ihn sein Weg schliesslich nach Los Angeles, wo er an weiteren Film- und Fernsehproduktionen mitarbeitete. Manchmal vermisse er New York immer noch.

Heute steht er aber nicht mehr auf Filmsets, sondern in Hörsälen. Während der Pandemie begann er, sich intensiver mit Psychologie zu beschäftigen. Inzwischen studiert er an der University of Southern California Sozialarbeit. Mit 62 Jahren hat er gerade sein erstes Studienjahr abgeschlossen.

«Viele Leute in der Schweiz finden das erstaunlich», sagt er. In den USA werde sein Alter an der Uni dagegen kaum thematisiert. «Meine Mitstudierenden behandeln mich einfach als Teil der Gruppe.»

Heimweh nach Schweizer Brot

Ganz losgelassen hat ihn die Schweiz nie. Lange Zeit sei er nicht zurückgekehrt, doch als sein Neffe auf die Welt kam, reiste Hohl wieder regelmässig in die Schweiz, um Familie und Freunde zu besuchen. Es gibt Dinge, die er auch nach über 40 Jahren in Amerika vermisst. «Das Brot», sagt er sofort.

Freunde und Familie seien überzeugt, dass er irgendwann für die Pensionierung in die Schweiz zurückkehrt. Doch er sagt: «Ich werde jetzt nicht pensioniert, ich mache nun meine zweite Ausbildung und fühle mich hier zu Hause!»

Zum Fussball fand der Musik-Fan eher spät. Als der FC Basel Anfang der 2000er-Jahre in der Champions League spielte, rief ihn ein Schweizer Freund an und sagte, er sitze allein in einer New Yorker Bar voller Liverpool-Fans. «Er brauchte meine Unterstützung», erzählt Hohl. Nach einem Unentschieden habe ihnen die ganze Bar ein Bier spendiert.

So begann er, regelmässig Fussball zu schauen. Weltmeisterschaften verfolgt er seither besonders gerne. In New York zog er jeweils in jene Quartiere, in denen Fans der verschiedenen Nationalteams zusammenkamen. «Das war das Schöne an einer Weltstadt», sagt er. «Man konnte jedes Spiel mit Leuten schauen, die mit ihrem Team mitfieberten.»

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Fussball als Tor zur Welt

Auch Los Angeles bietet diese internationale Vielfalt. Für Hohl gehört sie zu den schönsten Seiten des Turniers. Ob mit mexikanischen, koreanischen oder Schweizer Fans: Fussball wird hier zum gemeinsamen Erlebnis.

Fussball ist für ihn längst Teil des Alltags geworden, nicht nur bei Weltmeisterschaften. Gemeinsam mit seiner Partnerin besucht er regelmässig Spiele des Frauenfussballteams «Angel City» in Los Angeles – er hat sogar ein Saisonabo. «Wir gehen an fast alle Spiele», sagt er.

Dass die Schweizer Nationalmannschaft nun ausgerechnet dort spielt, wo er seit über einem Jahrzehnt lebt, freut ihn besonders. Die Nähe zur WM verändert seinen Alltag zwar nicht grundlegend, doch die Vorfreude steigt. Und dies, obwohl er mit Enttäuschung festgestellt hat, dass es keine offiziellen Schweizer «Watch Parties» in Los Angeles geben wird. «Sogar Usbekistan hat eine», sagt er.

Nichtsdestotrotz: Mitfiebern wird Hohl auf jeden Fall. Die Kuhglocke zumindest liegt bereit.

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Editiert von Balz Rigendinger

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