Japan wird für Auslandschweizer komplizierter
Japan verschärft seine Einwanderungs-, Visa- und Aufenthaltsbewilligungsvorschriften. Dies hat auch Folgen für Schweizerinnen und Schweizer, die in Japan wohnen oder dorthin ziehen möchten.
Abgesehen von einer leichten Stagnation während der Coronavirus-Pandemie ist die Zahl der Schweizerinnen und Schweizer, die nach Japan ausgewandert sind, seit 2012 kontinuierlich gestiegen.
Derzeit sind 2151 Schweizerinnen und Schweizer im Land der aufgehenden Sonne als Einwohnerinnen und Einwohner registriert, wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mitteilt.
Die konservative Wende, welche die Parlamentswahlen im Juli 2025 geprägt hat – mit dem Vormarsch der rechtsextremen Partei Sanseito – hat nun Auswirkungen auf die ausländische Gemeinschaft im Inselreich. Diese umfasst rund vier Millionen Menschen, was etwa drei Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht.
Die Regierung von Premierministerin Sanae Takaichi scheint den Einwanderungsgegnerinnen und -gegner entgegenkommen zu wollen und führt mit Ministerin Kimi Onoda an vorderster Front eine weitreichende Verschärfung der Regeln für die ausländische Bevölkerung ein.
Das Ende des Business-Manager-Visums
Michael Mroczek, Präsident der Schweizer Handels- und Industriekammer in Japan (SCCIJ), hat seit der Einführung der neuen Regelungen eine deutliche Zunahme an Unsicherheit bei den Mitgliedern festgestellt.
Besonders besorgt sind laut Mroczek jene Personen, die von der Verschärfung der Bedingungen für das bisher äusserst beliebte «Business Manager»-Visum betroffen sind.
Während die erforderliche Kapitalinvestition früher fünf Millionen Yen (rund 25’000 Schweizer Franken zum aktuellen Kurs) betrug, wurde dieser Betrag nun auf 30 Millionen Yen (150’000 Franken) versechsfacht.
Zusätzlich zur Investition ist es nun obligatorisch, eine Vollzeitkraft einzustellen und Japanischkenntnisse nachzuweisen, indem eine Prüfung abgelegt wird, welche die Sprachkenntnisse der antragstellenden oder der eingestellten Person bescheinigt.
Die Massnahme hat erhebliche Auswirkungen: Seit ihrer Einführung im vergangenen Oktober ist die Zahl der Visumanträge um 96% zurückgegangen – von 1700 auf rund 70 pro Monat.
Wer bereits vor Einführung der neuen Regeln eines dieser Visa besass, ist für einen Zeitraum von drei Jahren ausgenommen. Bei der Verlängerung könnten jedoch Probleme entstehen, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind.
«Erfülle ich noch die Anforderungen? Muss ich etwas ändern? Was soll ich tun?» – das sind die häufigsten Fragen, die an die SCCIJ gestellt werden. Die SCCIJ verweist Antragstellende an Fachleute wie Anwältinnen und Anwälte sowie auf Einwanderungsrecht spezialisierte Rechtsberatende.
Die SCCIJ betont, dass die gesamte internationale Geschäftswelt – allen voran der European Business Council in Japan (EBC) – die Situation genau beobachte.
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Checkliste zum Auswandern: Das müssen Sie wissen
In einem kürzlich erschienenen Artikel hat die Westschweizer Tageszeitung Le TempsExterner Link Samuel Zeller zu diesem Thema befragt. Zeller ist ein in Japan lebender Schweizer, der als Designer und Fotograf tätig ist und einem Kunstkollektiv angehört.
Er berichtet, dass er seinen Traum aufgeben musste, ein Business-Manager-Visum zu beantragen und ein Haus umzubauen, um es in einen Raum für Künstlerresidenzen zu verwandeln.
Sein Kollektiv sei, betont er, in den Bergen von Komoro in der Präfektur Nagano gut integriert. «Die Menschen vor Ort haben uns herzlich aufgenommen, im Gegensatz zur Haltung der Zentralregierung», sagt Zeller.
Ein Leitartikel der japanischen Tageszeitung MainichiExterner Link stellt fest, dass nur 10% der derzeit von Ausländerinnen und Ausländern geführten Unternehmen ein Kapital von mehr als 30 Millionen Yen besitzen. Einige Kleinunternehmerinnen und -unternehmer, besonders im Gastronomiebereich, haben bereits beschlossen, in ihr Heimatland zurückzukehren.
Das Objekt der Begierde: die dauerhafte Aufenthaltsbewilligung
Eine weitere Gruppe, die sich in diesem verschärften Klima an die SCCIJ wendet, sind langjährige Einwohnerinnen und Einwohner, die eine dauerhafte Aufenthaltsbewilligung in Betracht ziehen, um einen stabileren und sichereren Status in Japan zu erlangen.
«Dabei handelt es sich jedoch weder um schnelle noch um automatische Verfahren», gibt Mroczek zu bedenken. Das Standardverfahren setzt zehn Jahre ununterbrochenen Aufenthalt mit einem Arbeitsvisum oder einem anderen geeigneten Status voraus.
Zudem dürfen keine Lücken bei der Steuer- und Sozialversicherungszahlung bestehen und es muss ein stabiles Einkommen sowie «gutes Verhalten» nachgewiesen werden. In Japan bedeutet das nicht nur einen einwandfreien Leumund – auch wiederholte Parkbussen können ein relevanter Faktor sein.
Ab Anfang 2026 erwarten die Behörden zudem, dass Antragstellende das für ihren Status längste mögliche Visum besitzen. Im typischsten Fall ist das ein fünf Jahre lang gültiges Visum. Drei- und Einjahresvisa reichen dann nicht mehr aus.
KC, der anonym bleiben möchte, ist ein in Japan lebender Schweizer und im akademischen Bereich tätig. Er besitzt seit 2019 eine dauerhafte Aufenthaltsbewilligung und läuft nicht Gefahr, das Land aufgrund der neuen Regeln verlassen zu müssen. Dennoch schildert er uns eine spürbare Veränderung.
«Immer häufiger möchte die Bank meine Wohnadresse überprüfen. Die Universität verlangt von Personen, die aus dem Ausland kommen, mehr Unterlagen. Wenn man ein Haus kaufen will, braucht man jetzt dieses oder jenes Dokument. Für den Führerschein gibt es eine zusätzliche Anforderung. Die Polizei hält einen für Kontrollen an. All das hat es immer gegeben, aber man bemerkt eine deutliche Zunahme.»
Wie Zeller betont, hebt KC die Kluft zwischen seinem Alltag und der politischen Rhetorik hervor, die sich um den Anstieg von Ausländerinnen und Ausländern sorgt, «welche die Regeln nicht respektieren und die Sicherheit der Japanerinnen und Japaner bedrohen», wie im umstrittenen Regierungsplan «Zero illegal residents in Japan»Externer Link zu lesen ist.
KC hat den Eindruck, dass ausländische Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt «gesucht und geschätzt» werden und bemerkt in der Bevölkerung keine grossen Veränderungen.
«Es gibt die üblichen Probleme mit Ausländerinnen und Ausländern, die den Müll nicht richtig trennen und die Nachbarschaft verärgern. Aber normalerweise gibt es einen recht verständnisvollen und konstruktiven Ansatz», sagt er.
Als Westeuropäer hat KC jedoch das Gefühl, sich gesellschaftlich generell in einer privilegierteren Lage zu befinden als Ausländerinnen und Ausländer aus anderen asiatischen Ländern, gegenüber denen eine gewisse Kälte spürbar ist.
«Ich bemerke das, wenn ich mit meinen chinesischen Studierenden zusammen bin, obwohl ich zugeben muss, dass manchmal schon die Feststellung, dass wir Japanisch sprechen, eine ganz andere Haltung hervorruft.»
Eine entscheidende Debatte
KC berichtet von einer zunehmenden Polarisierung. Die «Japan first»-Rhetorik der Politik hat eine beachtliche Anzahl von Menschen empfänglicher für die Probleme gemacht, mit denen Ausländerinnen und Ausländer konfrontiert sind.
«Vielleicht hat das Reden darüber die Schwierigkeiten sichtbar gemacht. Und einige schätzen die Bemühungen derer, die versuchen, sich an eine Kultur anzupassen, die sich sehr von der ihres Herkunftslandes unterscheidet.»
Die Debatte wird für die Zukunft Japans entscheidend sein, das mit einer intensiven demografischen Krise, einer historisch niedrigen Geburtenrate und einer der ältesten Bevölkerungen der Welt konfrontiert ist.
Die Anwesenheit ausländischer Staatsangehöriger ist eine wichtige Stütze für die Gesellschaft, wie der Leitartikel der Zeitung Mainichi betont. «Sich auf eine Verschärfung der Beschränkungen zu beschränken, riskiert, die Zahl der Menschen zu verringern, die hier arbeiten möchten. Ein Japan, das den Eindruck erweckt, sich nach aussen hin zu verschliessen, würde sich eines wesentlichen Beitrags berauben.»
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Editiert von Samuel Jaberg, Übertragung aus dem Italienischen: Christian Raaflaub
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