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Berner Polizei führt Transfrau aus dem «Paradiesli» im Marzili

Sonnenanbeter
Der Frauenbereich des Marzilibads in Bern. Keystone-SDA

Eine Transfrau steht im Zentrum einer Kontroverse im Berner Marzilibad. Sie wurde am Sonntag auf Anweisung des Betriebs von der Polizei aus dem "Paradiesli" gebracht, dem FKK-Bereich für Frauen. Die Stadt Bern hat sich am Montag bei ihr entschuldigt.

(Keystone-SDA) «Alle Personen, die sich als Frau identifizieren und als solche leben, haben Zugang zum Paradiesli», teilte die Stadt mit. Eine interne Orientierungshilfe unterstütze das Personal vor Ort bei der Handhabung des Zutritts. Im Härtefall gelte das in einem Ausweis festgehaltene amtliche Geschlecht. «Die betroffene Person erfüllt die Zutrittsregelung.»

Sie sei am Sonntagabend aufgrund einiger körperlicher Merkmale von anderen Badegästen nicht weiblich gelesen worden. Manche Besucherinnen hätten sich durch ihre Anwesenheit gestört gefühlt, andere hätten sich mit der Person solidarisiert.

Gespräche hätten keine Ruhe in die Situation gebracht. Darauf habe sich der Betrieb fälschlicherweise für eine polizeiliche Wegweisung entschieden. Die konfliktbeladene Stimmung habe zu dieser falschen Einschätzung geführt. Das Sportamt werde die Zugangsregeln künftig klarer kommunizieren.

Opfer: «Mehrere Hämatome»

«Der Polizeieinsatz war unverhältnismässig», kritisierte das Umfeld der betroffenen Person in einer Mitteilung. Sechs Polizeiangestellte hätten die Transfrau unter grobem Körpereinsatz zu Boden gebracht und mit Handschellen abgeführt.

Nachdem die Person zwei Stunden auf einer Polizeiwache festgehalten worden sei, habe sie die Nacht in einem Spital verbracht, berichteten Personen aus dem Umfeld der Betroffenen der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Im Spital seien die Spuren des Polizeieinsatzes dokumentiert worden, darunter «mehrere grosse Hämatome».

In der Mitteilung wurden eine unabhängige und transparente Aufarbeitung des gesamten Vorfalls sowie eine Klärung der rechtlichen Grundlage gefordert.

Polizei: «Intervention wurde behindert»

Die Polizei hielt fest, die betroffene Person habe sich trotz Aufforderung durch das Badepersonal geweigert, den Frauenbereich des Bades zu verlassen. Mehrere Anwesende hätten sich mit ihr solidarisiert und die polizeiliche Intervention behindert, während sich die Person den Massnahmen aktiv widersetzt habe.

Im Verlauf des Einsatzes habe eine bislang unbekannte Person eine Polizistin tätlich angegriffen. Die Beamtin habe dabei leichte Verletzungen erlitten.

Die betroffene Person habe sich nicht ausweisen wollen, ergänzte eine Polizeisprecherin auf Anfrage. Eine Prüfung der Identität im Freibad sei nicht möglich gewesen. Darauf habe die Badeanstalt gefordert, dass die Person das Bad verlassen müsse. Die Polizei habe sie für weitere Abklärungen auf eine Polizeiwache gebracht.

Nach der Entlassung der Transfrau formierte sich auf dem Waisenhausplatz eine unbewilligte Solidaritätskundgebung. Die Demonstrierenden zogen anschliessend durch die Berner Innenstadt. Die Kundgebung verlief laut Polizei friedlich.

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