
Berner Stadtrat sagt Ja zu neuem Quartier Weyermannshaus West

Die Stadt Bern will auf dem Areal Weyermannshaus West bis zu 1200 Wohnungen bauen. Der Stadtrat hat dem Vorhaben am Donnerstag seine Zustimmung zur Überbauungsordnung erteilt, nun sind die Stimmberechtigten an der Reihe.
(Keystone-SDA) Die Stadt rechnet mit einem Potenzial von 1000 bis 1200 Wohnungen. Mindestens ein Drittel des Wohnraums soll von gemeinnützigen Bauträgerschaften oder als preisgünstiger Wohnraum erstellt und dauerhaft in Kostenmiete vermietet werden.
In vier Baubereichen sind gemäss Überbauungsordnung Hochhäuser mit einer Höhe zwischen 47 und 57 Metern zugelassen. Die Stadt will das Quartier zudem autoarm entwickeln.
Motorfahrzeuge sollen grösstenteils unterirdisch über Einstellhallenzufahrten am Rand des Areals abgestellt werden, wie es weiter hiess. Die Stimmbevölkerung kann voraussichtlich im November dieses Jahres darüber abstimmen.
Derzeit ist das Areal der Industrie- und Gewerbezone zugeteilt. Um die planungsrechtliche Grundlage für die Verdichtung zu schaffen, soll eine Überbauungsordnung erlassen werden. Damit könne Einfluss auf die geplante Überbauung genommen werden, so die Stadt.
Wohnraum schaffen
In der Debatte stiess die Vorlage mehrheitlich auf Zustimmung, auch wenn natürlich längst nicht alles daran perfekt sei, wie Dominik Fitze von der SP sagte. Aber im Grossen und Ganzen sei die Vorlage gut. Auch die Mitte war überzeugt, dass ein guter Mix mit Wohn- und Arbeitsflächen geplant werde.
Das Projekt habe bereits eine über 30-jährige Geschichte, gab Thomas Hofstetter (FDP) zu bedenken. Es sei höchste Zeit, dass es nun vorwärts gehe.»Wir wollen neue Wohnungen und zwar subito», so Hofstetter.
Gewerbe würde vertrieben
Gegen die Vorlage wandte sich die SVP. Mit der Überbauung verliere die Stadt eine der letzten Gewerbe- und Industriezonen, argumentierte Janosch Weyermann. Gewerberaum sei in Bern Mangelware, und Gewerbetreibende würden immer mehr in die Agglomeration verdrängt.
Die GFL, das Grüne Bündnis und die junge Alternative wollten das Geschäft zurückweisen, da es verschiedene Vorgaben, etwa aus dem Klimareglement, nicht erfülle.
Damit würde das Vorhaben verzögert, warnte Stadtpräsidentin Marieke Kruit. Das Gebiet sei eines der wichtigsten und grössten Transformationsgebiete der Stadt. Diese könne jetzt relativ rasch viel Wohnraum schaffen mit hohem gemeinnützigem Anteil. «Es ist eine grosse Chance für Bern, nutzen wir sie», sagte Kruit.
Der Rückweisungsantrag hatte im Parlament keine Chance und wurde abgelehnt. Am Ende verabschiedete der Stadtrat das Geschäft mit 44 Ja zu 12 Nein-Stimmen bei 14 Enthaltungen. Auch der Abstimmungsbotschaft stimmte der Rat zu.