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Bienen bekommen Hilfe

(RDB)

Der letzte Winter hat den Bienen erneut stark zugesetzt: Experten machen sich beim Bienensterben, das seit 2002 anhält, vor allem Sorgen um die Folgen für die Lebensmittelkette. Ein Aktionsplan soll die ökologische Schlüsselfunktion der Bienen nun stärken.

Rund 20% der Bienenvölker in der Schweiz haben den letzten Winter nicht überlebt. Das ist mehr als doppelt so viel wie die durchschnittliche Sterblichkeitsrate.

Dieses Phänomen ist jedoch nicht nur in der Schweiz zu beobachten: In den USA verloren die Imker nach der Wintersaison sogar über ein Drittel ihrer Bienen.

Nimmt die Zahl der Bienen weiter ab, könnte dies grosse Auswirkungen haben, sagt William Schneeberger, der ehemalige Präsident des Verbands Schweizerischer Bienenzüchtervereine.

Die grösste Leistung erbringen die Bienen nicht mit der Honigproduktion, sondern mit der Bestäubung von Pflanzen. Weltweit ist etwa ein Drittel der Nahrung auf Bestäubung angewiesen. Dafür sind die Bienen etwa zu 80% verantwortlich.

Konzept für Bienenförderung

Die Bienenzucht wird in der Schweiz vor allem hobbymässig betrieben. Die Zahl der Imker hat in den letzten Jahren stark abgenommen.

Eine vom Bundesamt für Landwirtschaft geleitete Arbeitsgruppe hat nun Empfehlungen veröffentlicht, wie diese gefördert werden könnte. Sie sind die Antwort auf eine parlamentarische Motion.

Die Bienenzüchter werden insbesondere aufgefordert, sich zusammenzuschliessen, um mit einer Stimme sprechen zu können, sagt Jean-Daniel Charrière, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope.

Direktzahlungen für Bienenzüchter sind keine vorgesehen. Dafür soll die Ausbildung für Imker verbessert sowie die Zucht von Bienenköniginnen unterstützt werden.

Auch ein Bienen-Gesundheitsdienst wird in Betracht gezogen. Es handelt sich laut Charrière dabei um eine von den Bienenzüchter-Organisationen selbst geführte Struktur.

Auf diese Weise könnten für die gesamte Schweiz genauere Statistiken erstellt werden, so Schneeberger.

Ungelöstes Rätsel

Bis heute stehen die Wissenschafter vor einem ungelösten Rätsel: Trotz der grossen Aufmerksamkeit, das dem Bienensterben gewidmet wird, weiss man bis heute nicht, was der Grund dafür ist.

Tatsache ist: Das Phänomen tritt weltweit auf und nimmt immer grössere Ausmasse an. Da dabei Bienenvölker von ihrem Stock wegfliegen und ihre Nachkommenschaft allein lassen, wird das Phänomen in den USA auch "Colony Collaps Disorder" genannt.

"Hauptursache für das Bienensterben im Winter ist die Varroa-Milbe", sagt Jean-Daniel Charrière von der Forschungsanstalt Agroscope. "Es ist ein Krankheitserreger, der das Blut der Bienen infiziert, ihr Immunsystem schwächt und Viren verbreitet."

Als mögliche Gründe nennen Experten auch intensive Bienenzucht, Einsatz von Pestiziden, Mobilfunkstrahlen und den Anbau genmanipulierter Pflanzen.

Internationale Zusammenarbeit

Angesichts der Wissenslücke ist die internationale Zusammenarbeit unerlässlich geworden. 2006 wurde das Projekt Coloss (Prevention of Honeybee Colony Loss) lanciert, an dem über 100 Forscher aus rund 30 Ländern in Europa und den USA beteiligt sind. Koordiniert wird das Ganze vom Zentrum für Bienenforschung.

Ziel von Coloss ist, in 30 Ländern ein Monitoring zum Bienensterben durchzuführen. Dadurch soll geklärt werden, ob dem Bienensterben eine Krankheit (Virus, Bakterien) oder umweltbedingte Faktoren zu Grunde liegen. Coloss forscht auch daran, wie die Resistenz der Bienen durch selektive Zucht gestärkt werden könnte.

swissinfo

Varroa-Milbe

Die Varroa-Milbe vermehrt sich ausschliesslich in Bienenkolonien.

Die aus Asien stammende Milbe saugt Blut der Bienen und überträgt damit Krankheiten.

Sehr gefährlich ist im Herbst die "Reinvasion", wenn relativ gesunde Völker von den Milben aus stark befallenen Nachbarvölkern verseucht werden.

Besonders auffällig ist der äusserst niedrige Befall der Arbeiterbrut bei den russischen Völkern.

In der Schweiz wurden die ersten Bienenvölker 1984 vom Parasiten Varroa destructor befallen.

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Bienenförderung

In der Schweiz gibt es rund 20'000 Imkerinnen und Imker, die mehr als 170'000 Bienenvölker halten.

Die Mehrheit der Bienenhalter betreibt die Imkerei als Hobby.

Das Zentrum für Bienenforschung von Agroscope erhält 2,6 neue Stellen.

Sein Budget wird ab 2010 von heute 920'000 um 300'000 bis 400'000 Franken aufgestockt, sobald eine Bienenzucht-Organisation für alle Rassen aufgebaut ist, die den Auflagen der Tierzucht-Verordnung entspricht.

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