Maschinen-und Elektroindustrie: Frauen verdienen deutlich weniger
Frauen verdienen in der Schweizer Maschinen- und Elektroindustrie deutlich weniger als Männer. Zu diesem Schluss kommt die neuste Lohnerhebung 2000 des Verbandes Angestellte Schweiz VSAM unter rund 7000 Mitgliedern.
Der radikale Umbau des Sulzer-Konzerns war an der Medienkonferenz kein Thema.
Zwar zeige die Umfrage, dass in der Industrie arbeitende Frauen im Schnitt jünger, weniger gebildet und in lohntieferen Bereichen arbeiten würden, sagte Werner Reimann, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstitutes IHA-GfM, am Donnerstag (21.09.) vor den Medien. Damit allein lasse sich aber nicht erklären, dass Frauen mit durchschnittlich 5250 Fr. Bruttolohn satte 2000 Fr. weniger verdienten als Männer. Die Frauen kassieren gemäss der Umfrage auch mit höherer Ausbildung deutlich weniger als die Männer.
Bis 20 Prozent weniger Lohn trotz Fachstudium
Frauen mit abgeschlossener Fachhochschule erreichen im Schnitt nur gerade 80 Prozent der Lohnsumme ihrer männlichen Kollegen. Ähnlich sieht es bei einem Hochschulabschluss (85 Prozent) oder der Berufslehre mit Spezialausbildung (83 Prozent) aus. Mit einer Berufslehre hingegen erreichen Frauen im Schnitt 89 Prozent des männlichen Durchschnittslohns.
Sorge bereitet dem VSAM die auseinanderdriftende Lohnschere. «Wer hat, dem wird gegeben», bemerkte VSAM-Geschäftsführer Vital G. Stutz lakonisch. Bei den Löhnen herrsche heute Wildwuchs, und in dem Lohndschungel existiere primär das Gesetz des Stärkeren.
Management sahnt ab
Der Anteil der Bonusberechtigten liege bei einer Gehaltsklasse von 10’000 und mehr Franken bei 68 Prozent, sagte Stutz. Anders sehe es bei der Lohnkategorie bis 5000 Franken aus, wo nur magere 19 Prozent bonusberechtigt seien. Dies zeige deutlich, dass das Management bei gutem Geschäftserfolg den Löwenanteil absahne.
Beträchtliche Lohnunterschiede existieren auch zwischen den einzelnen Wirtschaftsregionen. Mit einem Durchschnittslohn von 7300 Franken ist die Stadt Zürich absoluter Spitzenreiter, gefolgt vom Kanton Zürich, der Zentralschweiz und dem Aargau. Mit nur 5745 Franken Durchschnittslohn liegen die West- und die Südschweiz am unteren Ende.
Individuelle Auswertung per Internet
Wenig überraschend zeigt sich auch bei den Ausbildungsstufen ein beträchtliches Gefälle. Mit jeder höheren Bildungsstufe nehme der Lohn um rund 1000 Franken zu, sagte Reimann. Oder in Zahlen ausgedrückt: Bei VSAM-Mitgliedern ohne Schulabschluss liegen Ende Monat rund 4100 Franken in der Lohntüte, beim Hochschulabgänger sind es rund 7800 Franken.
Um die Lohntransparenz zu verbessern, geht der VSAM ab Oktober aufs Internet. Passwortgeschützt können Mitglieder ihre individuelle Auswertung nach Geschlecht, Alter, Region, Berufsbildung und Funktion online durchführen.
swissinfo und Agenturen
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