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Finanzplatz Tessin: Mit blauem Auge davongekommen

Die dritte, bis Ende April verlängerte italienische Steueramnestie für Kapitalfluchtgelder hat sich auf den Tessiner Finanzplatz weniger schlimm ausgewirkt als befürchtet. Der Abfluss von italienischen Kundengeldern konnte mit rund 25 Mrd. Euro in Grenzen gehalten werden.

Laut der italienischen Nationalbank legalisierten die Italiener bis Mitte Februar Schwarzgeld im Umfang von rund 85 Mrd. Euro. Davon stammten rund 60 Milliarden aus der Schweiz, ein Grossteil davon aus dem Tessin. Von diesen 60 flossen jedoch «nur» 25 Milliarden effektiv nach Italien zurück.

Beim Rest handelt es sich um eine so genannte juristische Rückführung; physisch bleibt das Vermögen in der Schweiz. Viele Banken konnten einen Grossteil der legalisierten Gelder über ihre Filialen in Italien oder über eine juristische Repatriierung wieder auffangen.

Dies sagte Franco Citterio, Direktor der Tessiner Bankiervereinigung (ABT) gegenüber dem Radio- und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI). Zwar sei es schwierig, exakte Zahlen zu liefern, aber die ABT stütze sich auf Angaben der italienischen Nationalbank.

Der italienische Finanzminister Giulio Tremonti hatte vor einem Jahr lauthals verkündet, er wolle den Bankenplatz Lugano trocken legen. Das habe er nicht erreicht, so die Tessiner Finanzdirektorin Laura Sadis.

Trotz den Auswirkungen dieser dritten Steueramnestie seit 2001 konnten Banken im Tessin ihren Reingewinn für das vergangene Geschäftsjahr erhöhen. Die Banca della Svizzera Italiana (BSI) um 1,8% auf 103 Mio. Franken. Grund: Die abgeflossenen Kundengelder seien durch Neugeldzuflüsse und einen besseren Markt wettgemacht worden.

Alfredo Gysi, CEO der BSI, sagt gegenüber swissinfo.ch: «Indem wir den Schutz der Privatsphäre vom Thema Steuerflucht trennen, werden wir künftig nicht mehr für Steuerflüchtige attraktiv bleiben, aber als Finanzplatz jene anziehen, die beste Dienstleistungen erwarten.»

swissinfo.ch und Agenturen

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