CO2-Kompensation trotz Wirtschaftskrise

Myclimate unterstützt zum Beispiel die Herstellung von Solarkollektoren in Eritrea. (myclimate.org)

Auch die Reisebranche leidet unter der Wirtschaftskrise. Beim Umweltschutz sparen die Reisenden jedoch bisher nicht: Die freiwilligen Beiträge zur CO2-Kompensation steigen weiter - wenn auch auf tiefem Niveau.

Dieser Inhalt wurde am 20. April 2009 - 11:07 publiziert

CO2-Emissionen kompensieren heisst, die an einem Ort ausgestossenen Treibhausgase an einem andern Ort einzusparen.

Führend auf dem Gebiet der freiwilligen Kompensationen ist die Nonprofit-Organisation Myclimate mit Sitz in Zürich.

Sie berechnet Auto-, Flug- oder Heiz-Emissionen von Unternehmen und Privatpersonen. Mit deren Kompensationszahlungen unterstützt sie auch Klimaschutzprojekte.

Wer von Zürich nach New York und zurück fliegt, ist gemäss Myclimate für den Ausstoss von 2,587 Tonnen CO2 verantwortlich. Die Einsparung dieser Menge in einem Entwicklungsland kostet 96 Franken.

Mit dem Geld finanzieren die Partnerorganisationen von Myclimate zum Beispiel Biogas-Anlagen in Nepal oder einen Windpark in Madagaskar.

Verdoppelung im letzten Jahr

Die Idee findet Anklang: Die Nachfrage nach CO2-Kompensationen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen. Im Jahr 2007 hat Myclimate Kompensationszahlungen in der Höhe von 3,5 Mio. Franken erhalten, viermal mehr als im Vorjahr.

Damit wurden über 100'000 Tonnen CO2 kompensiert. 2008 schwächte sich das Wachstum zwar ab. Von einem Rückgang kann jedoch nicht die Rede sein: Der Betrag hat sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.

Auch im ersten Quartal 2009 hat Myclimate laut Sprecherin Kathrin Dellantonio nichts von der Krise gespürt. Für das ganze Jahr rechnet die Organisation mit der Kompensation von 300'000 Tonnen CO2, was einer Zunahme um 50% entsprechen würde.

Die Reiseveranstalter bestätigen den Trend. "Trotz dem krisenbedingten Buchungsstau nimmt das Interesse an Kompensationen zu", sagt Elina Fleischmann von Hotelplan/M-Travel.

Seit November sind bei Hotelplan Kompensationen im Wert von 100'000 Franken getätigt worden. Im April verzeichnete das Unternehmen nach eigenen Angaben bei den Kompensationen einen Anstieg um 750% gegenüber dem Vorjahresmonat. TUI Schweiz spricht von einem prozentualen Anstieg in zweistelliger Höhe.

Wachstum auf tiefem Niveau

Myclimate relativiert indes die Zahlen. "Das Wachstum ist zwar erfreulich", sagt Dellantonio, "doch wir bewegen uns immer noch auf tiefem Niveau".

Der Anteil des kompensierten CO2-Ausstosses an den Gesamtemissionen ist in der Tat klein, und zwar in allen Sparten: Obwohl inzwischen viele Schweizer Reiseveranstalter die Kunden systematisch auf die Möglichkeit der Kompensation von Flugemissionen hinweisen, machen über 90% der Flugreisenden keinen Gebrauch davon.

An der Spitze liegen laut Myclimate die Kunden von Globetrotter. Bei diesem Reiseveranstalter kompensieren rund 12% der Kunden ihre Flug-Emissionen. "Bei allen anderen Veranstaltern sind es weniger", sagt Dellantonio.

Umweltaspekt nimmt zu

Auch die anderen Reiseanbieter betonen aber ihr Engagement. Sie wollen sich damit nicht zuletzt auf dem Markt positionieren. "Wir gehen davon aus, dass Umweltaspekte künftig eine grössere Bedeutung bei der Reiseentscheidung haben werden", sagt Roland Schmid von TUI Schweiz.

In einer repräsentativen Umfrage in Deutschland hätten 62% der Befragten angegeben, dass sie bei der Auswahl des Reiseveranstalters auf die Umweltorientierung Wert legten. Die Zielgruppe der so genannten LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) wachse stark, gibt Schmid zu bedenken. "Es ist eine relevante Zielgruppe."

swissinfo und Charlotte Walser, InfoSüd

Klimaschutzprojekte

Die Beiträge zur CO2-Kompensation fliessen zum Beispiel in den Bau von Biogasanlagen im Südwesten Nepals.

Die Umweltschutz-Organisation baut dort 7500 Biogasanlagen für Bauernfamilien.

Diese reduzieren die Nachfrage nach Feuerholz und vermindern damit CO2-Emissionen als Folge von Abholzung.

Die Anlagen liefern genügend Kochenergie für eine Familie, die mindestens zwei Kühe oder Büffel besitzt.

Die Zersetzung des Viehmistes in der Biogasanlage führt zur Bildung von Biogas, das über Rohrverbindungen in die Küche geleitet wird.

Für die Bevölkerung hat dieses System mehrere Vorteile: Die zeitaufwändige Suche nach Feuerholz entfällt, beim Kochen entsteht kein gesundheitsschädigender Rauch, und die Gärreste aus den Biogasanlagen können als Dünger verwendet werden.

Das Projekt schafft zudem Arbeitsplätze.

Neben Projekten in Entwicklungsländern unterstützt Myclimate auch Klimaschutzprojekte in der Schweiz.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen