Internationales Genf

Das internationale Genf im Wandel

New York, Nairobi, Wien, Genf: Die Konkurrenz unter den Gastgeber-Städten der globalen Gouvernanz ist gross. Alle kämpfen sie um ein Stück des internationalen Kuchens. Lässt sich eine Institution nieder, bringt sie steuerzahlende Expats, Fachwissen, Kapital und Netzwerke.

Skizzomat (Illustration)

Genf, die Mutter der globalen Städte, bleibt ein Magnet für neue Organisationen und Initiativen. Lokale Statistiken zeigen, dass die Zahl der Institutionen, insbesondere der Nichtregierungs-Organisationen (NGO) und Stiftungen (90 neue NGO in drei Jahren) und des Personals weiterhin kontinuierlich steigt (+2-3% jährlich auf fast 34'000 im Jahr 2019).

"Das Interesse der NGO für das internationale Genf zeigt, dass es schwierig ist, die Nachfrage zu befriedigen", erklärt Julien Beauvallet, Leiter des NGO-Willkommensdiensts des Kantons Genf (CAGI).

Das kann paradox klingen, denn das Leben in Genf ist teuer. Der Druck, internationale Hilfsbemühungen von der Schweizer Stadt an billigere Standorte zu verlagern, hat in den letzten Jahren zugenommen.

Die Kosten für eine professionelle Niederlassung in Genf, einer der teuersten Städte der Welt, bleiben ein grosses Hindernis für Organisationen wie NGO mit knappen Budgets. "Man kommt schnell in den sechsstelligen Bereich", sagt Beauvallet.

Der finanzielle Druck ist für die Genfer Organisationen ein grosses Problem. Es wurde in jüngster Zeit durch die Coronavirus-Pandemie, welche das multilaterale System auf die Probe gestellt hat, noch verschärft.

UNO-Organisationen, internationale Organisationen und NGO bemühten sich während des Lockdowns um eine rasche Reaktion. Das Schicksal der in Geldnot geratenen NGO ist ungewiss. Es hängt nach Angaben des Kantons weitgehend von den Spendern ab.

Der langfristige Trend zeigt: Grosse internationale Agenturen verlagern bestimmte Ressourcen vor Ort oder an billigere Standorte. Aber der Pull-Faktor von Genf bleibt aus anderen Gründen stark.

Einer davon ist, dass die Geber, Entscheidungsträger und Experten bereits da sind. In Genf befinden sich nicht nur der europäische Hauptsitz der Vereinten Nationen und 36 internationale Organisationen, sondern auch über 700 NGO, Forschungsinstitute und 179 diplomatische Vertretungen.

In jüngerer Zeit haben sich ihnen Teams von Ermittlern und Experten der internationalen Justiz mit Sitz bei den Vereinten Nationen (UNO) angeschlossen. Diskret sammeln und sichern sie Beweise, um mögliche zukünftige Strafverfahren zu schweren internationalen Verbrechen vorzubereiten, die in Syrien und Myanmar begangen wurden.

Ein weiterer Grund ist eine gemeinsame Bemühung von Bund, Kanton und Stadt, um sicherzustellen, dass Genf weiterhin ein Zentrum der internationalen Politikgestaltung bleibt.

Die Schweiz will Genf als globales Kompetenzzentrum für Frieden, Sicherheit und Abrüstung, Klima, Gesundheit und digitale Fragen positionieren.

"In der Welt, in der wir leben, ist zunehmend alles voneinander abhängig. Internationale Zusammenarbeit wird daher immer notwendiger. Genf ist der Ort für jene geworden, die gemeinsam am Aufbau einer besseren Welt mitwirken wollen", sagt Olivier Coutau, Kantons-Delegierter für das internationale Genf.

Digitale Gouvernanz, Cybersicherheit, künstliche Intelligenz und andere Innovationen werden die Welt in den nächsten Jahrzehnten beschäftigen. Die Schweiz fördert deshalb – Hand in Hand mit der Wirtschaft – neue Initiativen wie das Cyber Peace Institute, die Swiss Digital Initiative Foundation und die Geneva Science and Diplomacy Anticipator Foundation.

Parallel dazu hat die Schweiz beim Aufbau von 20 Koordinationsplattformen geholfen, um die lokalen Netzwerke von Genf zu nutzen. Dazu gehören das Genfer Umweltnetzwerk, das SDG Lab und die Genfer Plattform für Friedensförderung. Sie alle haben zum Ziel, Akteure aus dem privaten und öffentlichen Sektor, der Zivilgesellschaft und den Universitäten zusammenzubringen.

Die Universität Genf ihrerseits hat sich zum Ziel gesetzt, die "Hauptstadt des Friedens" zu einer Drehscheibe für verantwortungsvolle Unternehmenspraxis auszubauen. Hierzu finanziert sie das erste Zentrum für Wirtschaft und Menschenrechte an einer europäischen Wirtschaftshochschule.

Frieden, Menschenrechte und internationale Gerechtigkeit bleiben zentrale Schwerpunkte. Von Genf aus fördern und schützen der UNO-Menschenrechtsrat und das Büro des Hochkommissars für Menschenrechte, mit der Unterstützung von einer Vielzahl von NGO und Akademikern, die Menschenrechte in der ganzen Welt.

"Solange die UNO und das internationale System für die Zivilgesellschaft offen sind, behält Genf eine Sogwirkung", so Beauvallet.

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