Couchepin für Solidarität mit Aids-Kranken
An der UNO-Vollversammlung über Aids in New York warnte der Schweizer Bundespräsident Pascal Couchepin vor einem Nachlassen im Kampf gegen die Immunschwäche-Krankheit.
UNO-Generalsekretär Kofi Annan kritisierte in seiner Rede die Staaten, dass sie gemachte Zusagen nicht oder nur schleppend umsetzen würden.
Der Kampf gegen Aids ist eng verbunden mit der Bekämpfung der Armut. Das sagte Bundespräsident Pascal Couchepin am Eröffnungstag der Sondersitzung der UNO-Vollversammlung zum Thema Aids in New York. Die Schweiz habe daher die Aids-Prävention in ihre Entwicklungsprojekte integriert. Bei der UNO-Vollversammlung debattierten Vertreter von mehr als 160 Staaten Strategien gegen Aids.
Das Ausmass der Krankheit und die Zahl der Neuinfektionen zeigten, dass die Bemühungen zur Eindämmung von Aids auf keinen Fall reduziert werden dürften, sagte Couchepin. Er rief die Staatsoberhäupter zu «standhafter Solidarität» mit den Betroffenen auf.
Medikamentenversorgung sichern
Die Aktivitäten zur Aids-Bekämpfung müssten den Verhältnissen eines Landes angepasst werden, sagte Couchepin weiter. Gesundheit, Bildung und die Sozialsysteme müssten dabei beachtet werden. Wo es zu wenig Ärzte gebe, könne auch der beste Wille keine Wunder wirken.
Die Schweiz wolle sich zudem für leichten Zugang zu den notwendigen Medikamenten einsetzen, sagte der Schweizer Bundespräsident.
Verglichen mit anderen Industrienationen habe die Schweiz eine verhältnismässig hohe Zahl an Aids-Kranken, sagte Couchepin weiter. Angesichts der steigenden Zahl von Infektionen müssten die Ziele des Hilfsprogrammes klar definiert werden.
Scharfe Worte Annans
UNO-Generalsekretär Kofi Annan kritisierte die internationale Gemeinschaft in seiner Eröffnungsrede scharf. Diese halte sich nicht an die vor zwei Jahren gemachten Zusagen.
Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, einen grösseren Einsatz im Kampf gegen Aids zu leisten. Die Bekämpfung der Immunschwäche drohe deutlich hinter den gesteckten Zielen zurückzubleiben, warnte er.
«Es ist kristallklar, dass wir bis 2005 keines der gesetzten Ziele erreichen, wenn wir weiterhin nur so schleppend Fortschritte machen.» Annan forderte Regierungen in aller Welt zu drastischen Verbesserungen auf.
Knapp 10 Milliarden bis 2005
Zwar seien inzwischen 4,7 Milliarden Dollar in den Globalen Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria eingegangen und an 93 Länder gezahlt worden. Doch dieser Betrag müsse in den kommenden zwei Jahren nochmals verdoppelt werden, betonte Annan im Hinblick auf entsprechende Beschlüsse beim UNO-Gipfel 2001 in New York.
Weltweit habe nur jeder Neunte – in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara sogar nur jeder Sechzehnte – die Möglichkeit, sich auf HIV testen zu lassen. Noch schlechter sehe es für HIV- infizierte Schwangere aus, die ihr Kind vor der Übertragung des Aidsvirus schützen wollten, sagte Annan.
Mandela: Revolution nötig
Bereits am Sonntag hat in Kenias Hauptstadt Nairobi die 13. Internationale Konferenz zu Aids und Geschlechtskrankheiten in Afrika begonnen.
Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela sprach am Montag von der Notwendigkeit einer sozialen Revolution, bei der die Jugend wie im Kampf gegen die Apartheid die Führung übernehmen solle.
swissinfo und Agenturen
In Afrika südlich der Sahara sind proportional am meisten Menschen aidskrank.
Dort kann sich nur jeder 16. Mensch auf das Virus testen lassen.
Allein in Afrika werden bis zum Jahr 2010 rund 45 Mio. neue Aids-Infizierte erwartet.
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