Curling: Zürideutsche Befehle im Berner Frauenteam
Eine zufällige Begegnung, eine lose Plauderei - die Schweizer Frauencrew mit Medaillen-Ambitionen in Salt Lake City entstand mit Glück.
Luzia Ebnöther hat keine so dominante Stimme wie beispielsweise die legendäre Norwegerin Dordi Nordby, die mit ihren röhrenden Wischbefehlen oft die ganze Halle erzittern lässt.
Um zu merken, dass die Anweisungen im erfolgreichen Berner Team gar nicht auf Berndeutsch, sondern auf Zürcher Mundart ertönen, muss man schon recht gut hinhören.
Ebnöther: Start in Zürich
Bis 1998 führte Luzia Ebnöther in Wallisellen ein eigenes (Zürcher)-Team, dem auch ihre Schwester Esther angehörte. Dann jedoch löste sich das Team plötzlich und aus verschiedenen Gründen auf (Familienplanung, unterschiedliche Ambitionen). Skip Luzia Ebnöther war «auf dem Markt».
An einem Mixed-Turnier in Adelboden kam Luzia Ebnöther mit Nadia Raspe (heute Nadia Röthlisberger) ins Gespräch; ein Wort ergab das andere, und bereits in der darauf folgenden Saison befolgte Raspe die Anweisungen des Zürcher Skips Ebnöther.
Rasch Medaillen-Erfolge
Der Erfolg stellte sich sehr schnell ein. Den Schweizer Meistertitel, der ihr im Zürcher Unterland versagt geblieben war, holte Luzia Ebnöther in ihrer ersten Saison mit Bern AAM.
Noch im gleichen Frühling 1999 tastete sie sich an ihrer ersten WM in Saint John (Ka) an die Weltspitze heran (Rang 5), und von da an kehrte sie nie mehr ohne Medaille von grossen Anlässen zurück: EM-Bronze 1999 (Chamonix), WM-Silber 2000 (Glasgow), EM-Bronze 2001 (Vierumäki/Fi).
Gefestigtes Team
Nach gut drei Jahren gemeinsamer Arbeit präsentieren sich die «Bernerinnen» in der Olympia-Saison als gefestigtes Team, das jeden Gegner schlagen kann.
Sie haben auch den Abgang der Nummer 3 Nicole Strausak verkraftet, die nach der WM in Glasgow ihrem Freund Brian Gray, dem Coach, folgte und das Team verliess. Nachfolgerin Mirjam Ott, eine der technisch stärksten Schweizer Curlerinnen, hat sich bestens integriert.
Baden und Bern – ein Kompromiss
Mirjam Ott ist Bernerin, lebt und arbeitet aber im Raum Zürich – wie auch die Waadtländerin Laurence Bidaud (Wohnort: Lenzburg) und Luzia Ebnöther (Arbeitsort: Opfikon-Glattbrugg, Wohnort: Wangen ZH).
Die «Berner Fraktion» bilden die Worber Nummer 1 Nadia Röthlisberger und die Seeländer Nummer 2 Tanya Frei. Als Stätten für das gemeinsame wöchentliche Training wählten die Curlerinnen für den Dienstag die Halle in Baden und für den Donnerstag die topmoderne 8-Rink-Anlage in Bern.
Dank diesem Kompromiss müssen nicht alle noch mehr Reisekilometer zurücklegen, als sie es mit ihrem aufwändigen Sport ohnehin tun.
swissinfo und Peter Lerch (Si)
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