Die USA im Kampf gegen den Terrorismus
In Washington laufen intensive diplomatische Konsultationen mit den wichtigsten Bündnis-Partnern. Gleichzeitig berieten in Kabul angesichts eines drohenden Militärschlags der USA islamische Gelehrte über eine Auslieferung von Osama Bin Laden. In Afghanistan sind Zehntausende auf der Flucht.
Eine Woche nach den Terroranschlägen von New York und Washington läuft die Suche der USA nach Verbündeten gegen den internationalen Terrorismus auf Hochtouren. Erster Gesprächspartner von Präsident George W. Bush war am Dienstag der französische Präsident Jacques Chirac. Er versicherte Bush die volle Solidarität des französischen Volkes. Frankreich sei fest entschlossen, an der Seite der USA das Böse zu bekämpfen und zu zerstören.
Deutschland ist nach den Worten von Aussenminister Joschka Fischer Teil der internationalen «Anti-Terror-Koalition» und schliesst keine Option bei der Beteiligung im Kampf gegen den Terrorismus aus, auch nicht die Entsendung deutscher Soldaten. Zum Auftakt seines Besuches in Washington sicherte Fischer den USA am Mittwoch erneut die «uneingeschränkte Solidarität» der Bundesregierung zu.
Für Donnerstag ist ein Treffen zwischen dem US-Präsidenten und dem britischen Premierminister Tony Blair vorgesehen. Am Mittwoch haben Blair und der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder ein europäisches Programm gegen Terrorismus angekündigt.
Moskau will zusammen mit Washington die Gefahr bekämpfen, die vom radikal-islamistischen Talibanregime in Afghanistan ausgeht. Dies beschloss eine russisch-amerikanische Arbeitsgruppe unter der Leitung der Vizeaussenminister in Moskau.
Hundert Flugzeuge sollen in Golfregion verlegt werden
Die USA bereiten nach amerikanischen Medienberichten die Verlegung von Kampfflugzeugen in die Region am Persischen Golf vor. Wie der Nachrichtensender CNN am Mittwoch berichtete haben über hundert Flugzeuge die Order zur Verlegung bekommen. Das Pentagon hielt dazu bloss fest, die Aktion diene dem Kampf gegen den Terrorismus. Nach Informationen von CNN läuft die Operation unter dem Namen «Infinite Justice» (Grenzenlose Gerechtigkeit).
Präsident Bush will sich am Donnerstag in einer Rede an den US-Kongress und das amerikanische Volk wenden. Er «freue sich darauf», den US-Bürgern zu erklären, «wer es war, wer dies unserer grossen Nation angetan hat und warum», sagte Bush.
USA haben nicht nur Afghanistan im Visier
Für die USA könnte nicht nur Afghanistan das Ziel von Vergeltungs-Schlägen sein, sondern auch mehrere andere Länder. Einer der Attentäter hat sich laut US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld mehrmals mit dem Chef des irakischen Geheimdienstes getroffen. Rumsfeld machte erneut deutlich, das die USA sich auf einen langen Kampf vorbereiten.
US-Aussenminister Collin Powell setzt weiterhin auf die Einbeziehung möglichst vieler arabischer und anderer islamischer Staaten. Auch eine Annäherung an Iran scheint man sich in Washington vorstellen zu können.
Iraks Aufruf gegen die USA
Die irakische Regierung hat die arabische Welt unterdessen zu einer einheitlichen Haltung gegen die angekündigten Vergeltungs-Aktionen der USA aufgerufen. Der irakische Aussenminister bekräftigte zudem, dass die irakische Regierung keinerlei Verbindung zu den Urhebern der Terroranschläge in New York und Washington unterhalten habe.
Pakistans Militärführer verteidigt Unterstützung der USA
Der pakistanische Militärherrscher General Pervez Musharraf hat am Mittwoch in einer Rede an die Nation die angekündigte Unterstützung der USA im Kampf gegen den Terrorismus verteidigt. Er betonte in seiner Fernsehansprache, das amerikanische Vorgehen gegen den mutmasslichen Terroristenführer Osama Bin Laden richte sich nicht gegen den Islam oder das afghanische Volk. Washington habe Pakistan um Geheimdienst- und logistische Hilfe sowie um Überflugrechte gebeten.
Auslieferung Bin Ladens ist Thema in Kabul
In der afghanischen Hauptstadt haben rund 1’000 islamische Gelehrte ihre Beratungen über eine mögliche Auslieferung von Osama Bin Laden, den die USA als Drahtzieher hinter den Terroranschlägen bezeichnen, vertagt. Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar versicherte erneut, Bin Laden verfüge weder über die Mittel noch die Kontakte für derartige Aktionen. Er forderte die USA auf, die «wirklich Schuldigen» zu suchen.
Lage der Flüchtlinge wird immer dramatischer
Laut dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR dauert die Flucht Zehntausender von Menschen vor allem aus den Städten Afghanistans unvermindert an. Nach Schätzungen des Welternährungs-Programms reichen die Lebensmittel-Vorräte nur noch zwei bis drei Wochen, wie ein UNHCR-Sprecher in Genf mitteilte. Rund 3,8 Millionen Afghaninnen und Afghanen sind auf Nahrungsmittel-Hilfe angewiesen. Die neue Fluchtwelle wurde durch die Furcht vieler Afghanen vor einem unmittelbar bevorstehenden Gegenschlag der USA ausgelöst.
Europäischer Haftbefehl im Kampf gegen den Terror
In Europa will die EU-Kommission mit einem europäischen Haftbefehl den Kampf gegen den internationalen Terrorismus verschärfen. Dies geht aus einem Vorschlag der Behörde in Brüssel hervor. Mit einem EU-weit gültigen Haftbefehl soll die Auslieferung mutmasslicher Terroristen unter den Mitgliedstaaten künftig erleichtert werden. Zudem schlägt die EU eine einheitliche Definition für terroristische Straftaten vor.
swissinfo und Agenturen
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