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Schweizer Chocolatier in Kanada: «Die einzigen, die Mille-Feuilles kauften, waren die Ausgewanderten!»

ein weißer Mann mit kastanienbraunen Haaren und einer weißen Konditorjacke
Schweizer Chocolatier und Konditor Christophe Bonzon lebt seit 2010 in Kanada. Kai Reusser / SWI swissinfo.ch

Der Schweizer Chocolatier und Konditor Christophe Bonzon hat gerade seine dritte Boutique in Vancouver, Kanada, eröffnet. Sein Erfolgsrezept: Er passt sich an den Geschmack der lokalen Kundschaft an, ohne dabei Abstriche bei der Schweizer Qualität zu machen.

Als er 2013 seine erste Konditorei in Vancouver eröffnete, wollte der heute 42-jährige Christophe Bonzon Schweizer Spezialitäten anbieten. «Mir lagen die Salé à la Crème und die Käse-Ramequins sehr am Herzen, aber es lief nicht rund. Das Gleiche galt für die Mille-Feuilles. Die einzigen, die danach fragten, waren die europäischen Ausgewanderten.»

Der aus Yverdon-les-Bains stammende Waadtländer erkannte schnell, dass er sich anpassen musste, wenn er auf dem kanadischen Markt bestehen wollte. Ganz im Sinne des Schweizer Kompromisses entwickelten Bonzon und seine Frau Jess daher ihre eigenen Spezialitäten, die einen Mittelweg zwischen Schweizer Klassikern und lokalen Vorlieben darstellen.

Anstelle von Mandelcroissants servieren sie beispielsweise Croissants mit Pekannüssen und Ahornsirup. Anstelle des nordamerikanischen Donuts bieten sie ein gefülltes Croissant in Würfelform an, dessen Füllung jede Woche wechselt.

Unsere Serie porträtiert Schweizerinnen und Schweizer, die im Ausland Unternehmen gründen, aufbauen und führen. Anhand ihrer persönlichen Werdegänge zeigen wir, warum sie ihre Projekte jenseits der Landesgrenzen realisieren, welche Rahmenbedingungen sie dort vorfinden und welche Herausforderungen und Chancen sich daraus ergeben.

Anhand ihrer Lebenswege zeigt diese Serie zudem, wie die Fünfte Schweiz zur wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Ausstrahlung der Schweiz beiträgt.

Eine dezente «Schweizerität»

Als Bonzon und seine Frau ihr Unternehmen gründeten, entschieden sie sich bei den Verpackungen für die rote Flagge mit dem weissen Kreuz. «Bei der Schokolade hat das sehr gut funktioniert», stellt er fest. «Die Leute verstanden jedoch nicht, was die Schweizer Flagge mit Gebäck und anderen Backwaren zu tun hat, die als typisch französisch gelten.»

Im Jahr 2017 beschloss das Paar daher, sein Erscheinungsbild zu überarbeiten und auf «zeitlosere» Farben zu setzen. Marineblau und Gold. Der Konditor versucht, ganz diskret die Neugier der Kundschaft zu wecken. So benennt er beispielsweise seine Pralinen nach Schweizer Städten.

Ein Mann stellt Gebäck in sein Schaufenster
Christophe Bonzon in einem seiner Geschäfte in Vancouver. Leila Kwok

Der Reiz des Neuen

Bonzon glaubt, dass diese Entscheidungen die Entwicklung seines Unternehmens begünstigt haben. Heute verfügt er über drei Filialen in Vancouver.

Der Schweizer räumt zudem ein, dass die Faszination des Neuen zu seinen Gunsten gewirkt habe. Als er 2013 seine eigene Chocolaterie eröffnete, gab es in Vancouver nur drei weitere. Dank des guten Rufs der Schweizer Schokolade und der Qualität der angebotenen Produkte hat sich die Chocolaterie schnell herumgesprochen. Auch heute noch lässt der Waadtländer seine Schokolade palettenweise aus der Schweiz liefern. «Das ist viel gebundenes Kapital», betont er.

Derzeit schätzt er die Zahl der Chocolaterien und Konditoreien in Vancouver auf etwa fünfzig. Er ist jedoch der Ansicht, dass die besondere DNA seines Unternehmens ihn vor der immer härter werdenden Konkurrenz schützt.

Qualität und Nachhaltigkeit als Leitmotive

Vier weiße Männer um die vierzig zwischen Pflanzenreihen
Christophe Bonzon arbeitet für seine alkoholhaltigen Backwaren und Pralinen mit lokalen Gemüsebauern und Brennereien zusammen. courtoisie

Zudem positioniert er sich in einem eher gehobenen Preissegment. «Aber kein Luxus!», betont er umgehend. «Ausserdem verfügt jede Boutique über eine eigene Produktionsstätte. Wir arbeiten ohne Chemikalien und Stabilisatoren und verwenden ausschliesslich hochwertige Rohstoffe.»

Im Sinne der Nachhaltigkeit hat sich der Chocolatier aus Yverdon bereits bei der Gründung seines Unternehmens dafür entschieden, auf kurze Lieferketten und saisonale Produkte zu setzen. «Anfangs konnten die Kunden nicht nachvollziehen, dass bestimmte Produkte nicht das ganze Jahr über erhältlich waren», erinnert er sich.

Seitdem hat sich die Einstellung geändert. Aus geschäftlicher Sicht kommt ihm die Saisonalität zugute, da sie eine Vorfreude auf die Rückkehr der Erdbeertorten und anderer Obstspezialitäten weckt.

Eine andere Art der Beschäftigung

In Nordamerika gibt es so gut wie keine Kündigungsfristen. «Aus Sicht des Arbeitgebers ist das einfacher als in Europa», so der Chocolatier. «Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass die Mitarbeitenden einen auch von heute auf morgen verlassen können.» Über alle Filialen hinweg beschäftigt Christophe Bonzon etwa vierzig Mitarbeitende.

Das Jahr 2023 war aufgrund einer Krise auf dem kanadischen Arbeitsmarkt besonders schwierig. Mitte des Jahres kam es im Land zu einer erheblichen Abschwächung auf dem Arbeitsmarkt, bedingt durch die schwache Wirtschaft, die mit Inflation zu kämpfen hatte. Während das Unternehmen zu dieser Zeit 30 Stellen zählte, musste Bonzon 60 neue Mitarbeitende einstellen. «Jede Stelle wurde im Laufe eines Jahres von zwei verschiedenen Personen besetzt!», erinnert er sich.

Um zu häufige Personalwechsel zu vermeiden, hat Bonzon Massnahmen ergriffen, die für den kanadischen Einzelhandel eher ungewöhnlich sind. «Wir haben sonntags und montags geschlossen. So haben unsere Mitarbeitende ein komplettes Wochenende.»

«Ich werde niemals mein eigenes Unternehmen gründen»

Als Sohn von Unternehmern versicherte der Waadtländer seinen Eltern in jüngeren Jahren, dass er niemals ein eigenes Unternehmen gründen werde. Im Laufe seiner verschiedenen beruflichen Stationen stellte er jedoch fest, dass seine Visionen oft nicht mit denen seiner Arbeitgeber übereinstimmten. «Das hat mich letztendlich zum Unternehmertum getrieben», erzählt er.

Bevor es jedoch so weit war, sammelte Bonzon an verschiedenen Orten der Welt Erfahrungen. «Ich konnte mir nicht vorstellen, mein ganzes Leben in der Schweiz zu verbringen», erklärt er. So arbeitete er nach einer Ausbildung zum Konditor und dem Erwerb der kaufmännischen Matura eine Zeit lang in der Deutschschweiz als Zeitsoldat bei der Armee.

Anschliessend liess er sich in Australien in einer französischen Konditorei anstellen. Er hätte sich dort gerne langfristig niedergelassen, doch «nach der Finanzkrise von 2008 erlebte das Land eine starke Einwanderungswelle und die Regierung beschloss, die Erteilung von Daueraufenthaltsgenehmigungen stark einzuschränken».

Da er keine langfristige Aufenthaltsgenehmigung erhalten hatte, wollte er das Risiko, in Australien eine Konditorei zu eröffnen, nicht eingehen. Also packten er und seine Frau ihre Koffer und flogen nach Kanada, wo er 2010 als Chef-Konditor in dem renommierten Restaurant CinCin in Vancouver eingestellt wurde. Drei Jahre später wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit.

Reihen von Schokoladenpralinen
Um an seine Wurzeln zu erinnern, benennt Christophe Bonzon seine Pralinen nach Schweizer Städten wie Montreux oder Yverdon. Leila Kwok

Ein «stärkerer Unternehmergeist» in Kanada

Bonzon ist der Meinung, dass sein Unternehmen diese Entwicklung nicht durchlaufen hätte, wenn er es in der Schweiz gegründet hätte. «Hier sind die Menschen sehr offen und der Unternehmergeist ist stark ausgeprägt. Da es keine Form der Höflichkeitsansprache gibt, sind die Beziehungen zudem weniger formell», sagt er.

Trotz seiner «guten Englischkenntnisse» hatte er jedoch manchmal Schwierigkeiten, die Funktionsweise des Systems und die ungeschriebenen Regeln zu verstehen.

Einen Bankkredit zu erhalten, erwies sich als kompliziert, da das Paar keine Immobilie besass – eine wichtige Sicherheit für kanadische Bankinstitute. Er glaubt, dass ihm die Schritte in der Schweiz leichter gefallen wären.

«Da ich Schweizer bin und daher in meiner Arbeitsweise sehr streng bin, habe ich mich angepasst und bin in meinen Methoden und meiner Organisation flexibler geworden», erklärt er. In zwei Punkten blieb er jedoch kompromisslos: bei der Qualität seiner Produkte und beim Espresso. Er weigert sich, Filterkaffee zu servieren, wie es in Kanada üblich ist.

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Debatte
Gastgeber/Gastgeberin Melanie Eichenberger

Haben Sie als Schweizer:in Ihr eigenes Unternehmen im Ausland gegründet? 

Erzählen Sie uns von Ihrem Weg in die Selbstständigkeit im Ausland. 

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Editiert von Pauline Turuban; Übertragung aus dem Französischen: Melanie Eichenberger

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